Die Natur kehrt zurück
Wo der Uhu kreist

Wenn der Steinbruch ausgebeutet ist, errichten sie die Betreiber neu: Aus Brüchen und Halden werden Naherholungs- oder Naturschutzgebiete, in denen viele Tierarten leben. In manchen ehemaligen Abbaugebieten wächst heute sogar Wein.

DÜSSELDORF. Es sind gigantische Erdbewegungen: Jedes Jahr werden in Deutschland rund 135 Millionen Tonnen Kalksteine abgebaut. In Nordrhein-Westfalen, wo sich etwa 200 der insgesamt 330 deutschen Kalksteinbrüche befinden, sind die Steinbruchbetreiber nach dem Abgrabungsgesetz zur anschließenden Wiederherrichtung verpflichtet. Die stufenförmigen Abbausohlen werden nach dem Abbau, der zwischen 50 und 100 Jahren dauern kann, entweder renaturiert oder rekultiviert.

Renaturieren heißt dabei, der Natur mehr oder weniger ihren freien Lauf zu lassen. Was nicht unbedingt eine preiswerte Lösung ist, denn die Kosten hierfür können nach Aussagen der Heidelberg Cement bis zu 40 000 Euro pro Hektar betragen. Rekultivierung kann dagegen eine land- oder forstwirtschaftliche Nutzung mit sich bringen – oder auch zum Ausbau von Freizeitgeländen oder Naherholungsgebieten führen. So wird etwa auf dem Gelände rund um die ehemaligen Steinbrüche in NRW heute häufig gewandert, geklettert, geritten, Tennis gespielt oder mit Motorrädern oder Trucks Offroad gefahren. Dabei handelt es sich meist um alte Betriebsflächen und Halden, die partiell begehbar gemacht wurden.

Ein Beispiel für eine ungewöhnliche Rekultivierung ist der ehemalige Steinbruch von Heidelberg Cement in Istein im Weinland Baden. Dort am Dreiländereck Deutschland, Frankreich und der Schweiz im Markgräflerland begann 1969 die Rekultivierung durch das Pflanzen von Rebstöcken. Damals noch recht bescheiden auf einem Hektar. Zwei Jahre später konnten die ersten Trauben gelesen werden. 1977 wurden dann bereits auf drei Hektar 30 000 Liter Wein produziert. Heute liegt der Ertrag bei 45 000 Liter, die auf sieben Hektar angebaut werden.

Immer öfter wird jedoch – in Abstimmung mit Wissenschaftlern und Naturschutzverbänden – renaturiert. „Oftmals ist das einfache Liegenlassen der Festgesteinsabgrabung nach dem Abbau die beste Renaturierung“, sagt Heinrich Bottermann, Präsident des Landesamtes für Natur-, Umwelt und Verbraucherschutz NRW. Oder man schüttet die Löcher wieder zu, wie beim Steinbruch Kapf bei Istein geschehen. Der wurde aufgefüllt mit 2,4 Millionen Kubikmeter Gestein, das beim Bau des neun Kilometer langen Katzenbergtunnels zwischen 2006 und 2008 anfiel.

Für den Biologen Michael Rademacher von Heidelberg Cement ist die Verfüllung des Steinbruchs eines der spannendsten Projekte in Deutschland. Neben der Begrünung, die ein Abrutschen der künstlich aufgeschütteten Böschungen verhindern soll, kam hier erstmals das Konzept des gesäten Waldes zum Einsatz. „Aufgrund der Neigung des Geländes wäre das klassische Anpflanzen Bäumen hier nicht praktikabel gewesen“, erklärt Rademacher. Mittlerweile ist das Projekt abgeschlossen. Jetzt gilt es herauszufinden, wie sich langfristig die Biodiversität vor Ort entwickelt.

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