Die sauberste Luft der Welt
Reinluftraum Amazonien

Wie war die Luft beschaffen, bevor Autos, Fabriken und Kraftwerken sie mit ihren Abgasen verunreinigten? In Südamerika haben Wissenschaftler ein riesiges Freiluftlabor entdeckt, wo sie nahezu „jungfräuliche“ Luft untersuchen können.
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HEIDELBERG. Wenige Orte der Erde sind weiter von der industrialisierten Welt entfernt als der Amazonasregenwald nördlich von Manaus. Mainzer Wissenschaftlern gelang es deshalb, hier nahezu „jungfräuliche“ Luft zu untersuchen, wie sie vor der Ausbreitung von Autos, Fabriken und Kraftwerken geherrscht haben könnte.

Während der Regensaison - um Verschmutzungen durch Brandrodungen am Südrand Amazoniens zu vermeiden - maßen die Forscher um Martin Pöschl vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, welche Partikel in welcher Konzentration durch die Atmosphäre über dem Regenwald wabern. In dieser Zeit dominieren nordöstliche Luftströmungen, die vom Atlantik her kommend rund 1600 Kilometer über nahezu unberührten Regenwald zurücklegen müssen.

Schmutzpartikel werden auf diesem Weg weitestgehend ausgewaschen und von der Vegetation herausgefiltert. Vom 3. bis 13. März 2008 erwischte das Team zudem eine besonders schadstoffarme Wetterlage, in der äußerst wenige Partikel per Ferntransport aus menschlichen Quellen - etwa aus Afrika, vom Atlantik oder aus südamerikanischen Großstädten - herangeführt wurden. Stattdessen dominierten Aerosole, die lokal von der Vegetation emittiert wurden.

Deshalb war die Luft auch fast völlig sauber: Statt der etwa über Metropolen üblichen mehreren zehntausend Partikel pro Kubikzentimeter maßen die Wissenschaftler nur wenige hundert Teilchen, die vor allem aus winzigsten Aerosoltröpfchen im Submikronbereich bestanden - mit einem Durchmesser von weniger als einem tausendstel Millimeter.

„Man muss sie sich als eine Art flüssige, organische Partikel vorstellen, die wir erstmals isoliert betrachten konnten. Vielerorts bestehen die Aerosole sonst aus einem wilden Gemisch von Ruß, Nitrat und anderen Schadstoffen“, erklärt Scot Martin von der Harvard University, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. 85 Prozent der aufgefangenen Aerosole stammten direkt aus dem Wald, nur der Rest setzte sich aus Salzen, Mineralien und Rußpartikeln zusammen, die über weite Strecken bis zum Forschungscamp gelangt waren.

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