Dieselloks
Der Zug der Zukunft

Steigende Energiepreise und immer schärfere Emissionsgrenzwerte lassen Dieselloks unwirtschaftlich werden. Züge mit Brennstoffzellenantrieb sollen sie in wenigen Jahren ersetzen. Während die Europäer noch rechnen und diskutieren, sind die Japaner schon im Testbetrieb.
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DÜSSELDORF. Schon auf der Treppe zum Bahnsteig 4/5 des Düsseldorfer Hauptbahnhofs wird klar: Der Zug nach Kleve wird diesmal von einer etwa 30 Jahre alten Diesellok gezogen. Das riecht der Fahrgast an den penetranten Dieselabgasen aus der 3000 PS starken Maschine in der Lok der Baureihe 218. Die Rußpartikel färben die Abgase dunkelgrau bis schwarz.

Es geht auch anders. Die Taunusbahn, die Waldsolms-Brandoberndorf südlich von Wetzlar mit Frankfurt am Main verbindet, setzt seit einem halben Jahr moderne Dieseltriebwagen vom Typ Coradia Lint ein. Die Abgase sind nahezu unsichtbar und kaum zu riechen. Die zehn Triebzüge, die Alstom gebaut hat, sind mit leise brummenden Antrieben des Friedrichshafener Motorenbauers CFC Solutions ausgestattet, der zur Tognum-Gruppe gehört. Rußfilter halten die Krebs erregenden und für den üblen Geruch mitverantwortlichen Feststoffe zurück. Zusätzlich wird die Abwärme des Motors zum Heizen der Fahrgasträume genutzt. Rund 40 Millionen Euro kosteten die neuen Züge, die von einer Tochter des Verkehrsverbundes Rhein-Main finanziert wurden.

„Die Eisenbahn ist das umweltfreundlichste Verkehrssystem überhaupt: Ein moderner, voll besetzter Nahverkehrstriebwagen verbraucht auf 100 Kilometer weniger als zwei Liter Kraftstoff pro Passagier“, sagt Peter Mnich vom Institut für Bahntechnik an der Technischen Universität Berlin. Die Krux sei nur: „Die Lokomotiven und Züge werden von den Bahngesellschaften bis zu 40 Jahre lang eingesetzt, damit sich die Anschaffung überhaupt rechnet.“

Hartmut Mehdorn, Chef der Deutschen Bahn, hatte lange andere Prioritäten als die Modernisierung seiner Loks. Nach dem in der vergangenen Woche gefassten Beschluss des Bundeskabinetts zur Teilprivatisierung der Bahn, der den Weg zum Börsengang ebnet, scheint nun immerhin auch die umweltorientierte Erneuerung des Maschinenparks an Fahrt zu gewinnen. In diesen Tagen schreibt das Unternehmen einen Großauftrag über mehrere Hundert Millionen Euro für rund 50 neue dieselgetriebene Güter- und Rangierloks mit Rußfilter aus. Insgesamt soll der Kohlendioxidausstoß des Schienenverkehrs in Deutschland bis 2020 um 15 Prozent sinken.

Dabei ist die Deutsche Bahn noch in einer vergleichsweise komfortablen Situation: Von den insgesamt rund 5600 Lokomotiven für den Zug- und Rangierverkehr werden nur noch 1700 mit Diesel betrieben – mehr als 90 Prozent der Transportleistungen werden heute elektrisch gefahren. Bei anderen europäischen, vor allem osteuropäischen Bahngesellschaften aber und erst recht in anderen Regionen der Welt sind Dieselloks immer noch die wichtigsten Zugmaschinen. In Amerika sind nach der Internationalen Eisenbahn-Union (UIC) nur rund 30 000 Kilometer und damit etwa zehn Prozent des Streckennetzes elektrifiziert, in Asien und Ozeanien nur etwa ein Viertel aller Bahnverbindungen. Für Europa weist die UIC-Statistik einen Elektrifizierungsgrad von über 50 Prozent aus. In der Schweiz sind es sogar fast 100 Prozent.

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