Eberhard Faust
Der Klimafolgenforscher

In diesen Tagen schaut die Welt nach Bali. Auch Eberhard Faust verfolgt gespannt den Verlauf der Uno-Klimakonferenz. "Die Forschungsergebnisse sind eindeutig: Naturkatastrophen werden immer stärker und damit auch teurer", sagt er. Der Geoökologe arbeitet für die Münchener Rück - und analysiert die Gefahren des Klimawandels.

gl DÜSSELDORF. Auf der Uno-Klimakonferenz wird beraten, ob und wie ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll erzielt werden kann. Experten halten es für unverzichtbar, den Ausstoß der Treibhausgase bis 2050 mindestens zu halbieren, um die Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu beschränken. Gelingt dies nicht, drohen die Folgen des Klimawandels außer Kontrolle zu geraten. Eberhard Faust verfolgt gespannt den Verlauf der Konferenz. Der Geoökologe und promovierte Theologe ist Klimafolgenforscher bei der Münchener Rück. Als Senior-Experte für Klimarisiken analysiert der 49-Jährige für den Versicherungskonzern, welche Gefahren sich aus dem Klimawandel ergeben.

"Die Forschungsergebnisse sind eindeutig: Naturkatastrophen werden immer stärker und damit auch teurer", sagt Faust. Der Hurrikan Katrina, in dessen Folge New Orleans 2005 überschwemmt wurde, verursachte einen Schaden, der die privaten Versicherungen 45 Milliarden US-Dollar kostete. Vom menschlichen Leid ganz zu schweigen. Doch es könnte noch schlimmer kommen. Denn Katrina war beim Auftreffen aufs Festland kein Hurrikan der höchsten Kategorie, sondern nur einer der Stufe drei auf der fünfstufigen Skala. Die Aufgabe von Faust ist es, das Bedrohungspotenzial aus Naturgefahren einzuschätzen. Anhand dieser Expertisen kann die Münchener Rück ihre Versicherungspreise für aktuelle und künftige Risiken kalkulieren. Faust: "Je größer der mögliche Schaden, desto höher sind die Beiträge oder die Selbstbeteiligungen für die Kunden." Als besonders gefährdete Regionen dieser Welt gelten die Karibik, Mexiko und der Südosten der USA, wo seit Mitte der 90er Jahre auch durch natürliche Zyklen verstärkt tropische Wirbelstürme wüten.

Auch Deutschland bekommt den Klimawandel zu spüren: Die Intensität von Niederschlägen nimmt in einigen Gebieten zu, auch die Wintersturmaktivität dürfte langfristig steigen. In diesem Jahr verursachte der Sturm Kyrill Schäden von zwei Milliarden Euro. Faust appelliert an die Konferenzteilnehmer auf Bali: "Es muss ein klarer Zeitplan für die Verhandlungen für das Post-Kyoto-Abkommen bis 2009 verabschiedet werden. Wichtig ist, dass die Zwei-Grad-Grenze als Ziel festgelegt wird."

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