Emissionsrechte
Versteigern statt verschenken

In ihrem Esssay sind sich Claudia Kemfert und Sigrid Müller einig: Einen effizienten Klimaschutz wird es nur geben, wenn alle Emissionsrechte über leistungsfähige Auktionen wie im Finanzsektor verkauft werden. Anreize dazu kommen aus Brüssel.

Seit Beginn des Jahres 2005 können Energie- und Industrieunternehmen in Europa CO2- Verschmutzungsrechte kaufen und verkaufen. Dieser Emissionsrechtehandel soll dazu führen, dass nicht der Staat starre Vorgaben für alle macht, sondern der Marktmechanismus es ermöglicht, zu möglichst niedrigen Kosten den Ausstoß an Klimagiften zu mindern.

Die ersten Erfahrungen zeigen aber, dass der Staat mehr Zertifikate als notwendig an die Unternehmen verteilt hat. In fast allen europäischen Ländern ist daher das Angebot an Emissionsrechten größer als die Nachfrage. Als Konsequenz brach der Markt nahezu zusammen. Im Jahr 2007 fiel der Preis für CO2-Emissionsrechte auf beinahe null. Zudem sind wichtige Klimagifte und Staaten nicht einbezogen.

Es muss daher in der Zukunft darum gehen, möglichst viele Staaten an dem Handel zu beteiligen, mehr Sektoren, wie beispielsweise den Transport, zu integrieren und weitere Treibhausgase zu berücksichtigen. Zudem sollten die Emissionszertifikate künftig zu 100 Prozent versteigert werden. Erste jüngste Vorstöße aus den USA lassen hoffen, dass dies auch wirklich umgesetzt wird.

Die neuen, zweiten Pläne zur Verteilung der Emissionsrechte (nationale Allokationspläne oder NAP) sollen Schwächen der ersten Phase korrigieren. Zu den Neuerungen gehört, dass einzelne europäische Länder einen Teil der Emissionsrechte versteigern werden, statt sie gratis zu vergeben. In Deutschland sollen Rechte im Umfang von 40 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr auktioniert werden. Der größte Teil wird hingegen wie bisher kostenlos zugeteilt.

Wie kann der Verkauf optimal durchgeführt werden? Die Art der Auktion bestimmt nicht nur die Höhe der Erlöse, sie hat auch Einfluss auf die Strompreise. Bei einer freien Versteigerung besteht zum Beispiel die Gefahr, dass der Preis der Emissionsrechte nach oben getrieben wird, um auch die restliche, frei zugeteilte Menge möglichst hoch bewerten zu können. Um derartige Verzerrungen nicht entstehen zu lassen, sollte auf Verkaufsverfahren zurückgegriffen werden, die sich an den Finanzmärkten bewährt haben.

Ein Handel mit Emissionszertifikaten kommt nur zustande, wenn die Gesamtmenge knapp bemessen ist und eine Verringerung des CO2-Ausstoßes verlangt. Unternehmen, die ihre Verschmutzung nicht verringern, kaufen dann Zertifikate von anderen, die sie herabführen und deshalb weniger Rechte benötigen. Sind die Minderungsvorgaben zu niedrig, haben die beteiligten Akteure aber überhaupt keinen Anreiz, Emissionsrechte zu handeln. Der Preis würde auf null fallen – was derzeit in erster Linie aufgrund der entstandenen Überausstattung auch eingetreten ist. Brüssel hat nun aber den neuen deutschen Allokationsplan korrigiert und erwirkt, dass die Obergrenze bei 453 Mill. t CO2 liegt – damit wird es hier keine Überausstattung mehr geben.

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