Ende der Heizperiode Heizkosten im Winter deutlich gestiegen

Dieser Winter war in den meisten Teilen Deutschlands etwas strenger als im Jahr zuvor. Damit fallen auch die Heizkosten höher aus. Das gilt besonders für Verbraucher, die mit Öl heizen.
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Wegen der kühleren Witterung mussten die Haushalte in Deutschland von Anfang Oktober bis Ende März rund zwölf Prozent mehr Energie zum Heizen ihrer Wohnungen aufwenden als im Vorjahreszeitraum. Quelle: dpa
Heizkosten

Wegen der kühleren Witterung mussten die Haushalte in Deutschland von Anfang Oktober bis Ende März rund zwölf Prozent mehr Energie zum Heizen ihrer Wohnungen aufwenden als im Vorjahreszeitraum.

(Foto: dpa)

Heidelberg/HamburgDas Bibbern hat ein Ende. Mit dem einsetzenden Frühling klingt die Heizperiode aus. Vor allem im November und Dezember war es in diesem Winter kälter als im Vorjahr, teilte das Internet-Vergleichsportal Verivox mit. Die Folge: Die Haushalte mussten von Anfang Oktober bis Ende März rund zwölf Prozent mehr Energie aufwenden, um ihre Wohnungen warm zu halten. Das Portal Check24 kommt im Trend zu ähnlichen Ergebnissen, schätzt jedoch den Mehrbedarf an Energie auf acht Prozent. Davon sind die Nutzer von Gas- und Ölheizungen unterschiedlich stark betroffen.

Der Gaspreis war rückläufig und liegt laut Verivox aktuell um rund 7,2 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Der sinkende Preis dämpfte die Kosten des zusätzlichen Verbrauchs. Unter dem Strich mussten die Haushalte mit Gasheizung aber vier Prozent mehr für Energie zahlen als in der vorausgegangenen Heizperiode. Das ist ein statistischer Durchschnittswert. In der Realität hängen die Kosten nicht nur vom Angebot des Versorgers ab, sondern auch von der Qualität des Gebäudes und der Heizungsanlage, dem örtlichen Klima und dem individuellen Verhalten. Rund die Hälfte der Wohnungen in Deutschland wird mit Gas beheizt. Ein Musterhaushalt in einem Einfamilienhaus musste ungefähr 1000 Euro bezahlen.

So viel kostet Heizen mit Öl, Gas, Holz und Strom
Heizkostenvergleich – was ist normal?
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Ein Heizkostenvergleich mit Durchschnittswerten ist nur ein grober Anhaltspunkt, weil sich Gebäude, Heizverhalten und Verbrauch in jedem Einzelfall unterscheiden - und nicht zuletzt auch die Witterung. Die Angaben zu den Heizkosten beziehen sich deshalb auf einen Musterfall, nämlich ein freistehendes Einfamilienhaus mit 200 Quadratmetern Wohnfläche. Dabei wurden vier Gebäudestandards verglichen, angefangen bei den Baustandards vor 1977 bis hin zum modernen Passivhaus. Der Energieverbrauch wurde mit Durchschnittswerten pro qm Wohnfläche angesetzt.
Quelle: energieheld.de; Stand: Mitte 2016

Gasheizung
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Durchschnittlich liegt der Energieverbrauch bei einer Gasheizung bei 160 kWh pro qm pro Jahr, das entspricht rund 16 Kubikmetern Erdgas oder 10,43 Euro im Jahr für jeden Quadratmeter. Aber zwischen den Gebäudetypen gibt es riesige Unterschiede: Altbauten benötigen 200 kWh pro qm und mehr, ein Passivhaus nur 15 kWh pro qm. In der Jahresrechnung macht einen Unterschied von 2500 Euro. Der Warmwasserbedarf wurde dabei nicht berücksichtigt.

Durchschnittlicher Energieverbrauch eines Einfamilienhauses mit Gas-Heizung:

GebäudeartRechnung
(kWh/m²*a) * m² * (€/kWh)
Heizkosten
pro Jahr
Baujahr bis 1977 200 x 200 x 0,0694 €2.776 €/a
Baujahr bis 2002 100 x 200 x 0,0694 €1.388 €/a
KfW-Effizienzhaus 7060 x 200 x 0,0694 € 833 €/a
Passiv-Haus 15 x 200 x 0,0694 €208 €/a

Ölheizung
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Wer mit Öl heizt, muss schon tiefer in die Tasche greifen, denn im Bundesdurchschnitt muss er 11,83 Euro pro Quadratmeter im Jahr zahlen. Öl ist immer noch deutlich teurer als Gas und unterliegt zudem stärkeren Schwankungen. So kommt es, dass der Passivhausbesitzer im Jahr – wieder ohne Warmwasserverbrauch – im Jahr 261 Euro zahlt, der Eigentümer von 200 Quadratmetern Altbau schon 3480 Euro im Jahr berappen muss.

Jährliche Heizkosten eines Einfamilienhauses mit Ölheizung:

GebäudeartRechnung
(kWh/m²a) * m² * €/kWh) 
Heizkosten 
pro Jahr
(€/a) 
Heizkosten 
pro m² & Jahr
(€/m²a)
Baujahr bis 1977200 x 200 x 0,0873.480 €/a17,40 €/m²a
Baujahr bis 2002100 x 200 x 0,0871.740 €/a8,70 €/m²a
KfW-Effizienzhaus 70 60 x 200 x 0,0871.044 €/a 5,22 €/m²a
Passiv-Haus15 x 200 x 0,087261 €/a1,31 €/m²a

Pelletheizung
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Pellets aus gepressten Holzspänen sind der günstigste Energieträger für heutige Einfamilienhäuser – zumindest im Bundesdurchschnitt. Pro Quadratmeter Wohnfläche fallen im Jahr 9,22 Euro an. Selbst wer ein mehr als vierzig Jahre altes Haus besitzt, kommt im Durchschnitt noch mit 2300 Euro Heizkosten im Jahr aus. Nachhaltig ist diese Form des Heizens auch: Der nachwachsende Brennstoff Holz ist in der Gesamtbilanz klimaneutral, da nur so viel CO2 entsteht, wie vom Baum während seines Wachstums zuvor gebunden wurde.

Jährliche Heizkosten eines Einfamilienhauses mit Pelletheizung:

Gebäudeart Rechnung
(kWh/m²a) * m² * €/kWh) 
Heizkosten 
pro Jahr
(€/a) 
Heizkosten 
pro m² & Jahr
(€/m²a)
Baujahr bis 1977200 x 200 x 0,0576 €2.304 €/a11,52 €/m²a
Baujahr bis 2002100 x 200 x 0,0576 €1.152 €/a5,76 €/m²a
KfW-Effizienzhaus 7060 x 200 x 0,0576 €691 €/a3,46 €/m²a
Passiv-Haus15 x 200 x 0,0576 €173 €/a0,86 €/m²a

Scheitholz-Heizung
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Alternativ zur Pelletheizung lässt sich auch mit Scheitholz ein Haus beheizen, etwa einem speziellen Brennofen oder mit einem wasserführenden Kamin, von dem aus das mit Feuer erhitzte Wasser durch die Heizkörper im Haus gepumpt wird. Pro kWh benötigt man dafür durchschnittlich 4,2 Kilogramm Scheitholz, die Kosten liegen bei 1,13 Euro. Der Jahresbedarf liegt dann bei alten Häusern bei rund 9,5 Tonnen, im Passivhaus genügen hingegen 720 Kilogramm. Pro Quadratmeter Wohnfläche entstehen Durchschnittskosten von 10,45 Euro im Jahr. Im Altbau fallen 13,06 Euro, im Passivhaus 0,98 Euro pro Quadratmeter pro Jahr an. Für das 200-qm-Haus summieren sich die Kosten im somit auf einen Betrag zwischen 196 Euro (Passivhaus) und 2600 Euro (Baujahr vor 1977).

Jährliche Heizkosten eines Einfamilienhauses mit Scheitholz-Heizung:

Gebäudeart Rechnung
(kWh/m²a) * m² * €/kWh) 
Heizkosten 
pro Jahr
(€/a) 
Heizkosten 
pro m² & Jahr
(€/m²a)
Baujahr bis 1977200 x 200 x 0,0653 €2.612 €/a13,06 €/m²a
Baujahr bis 2002100 x 200 x 0,0653 €1.306 €/a6,53 €/m²a
KfW-Effizienzhaus 7060 x 200 x 0,0653 €784 €/a3,92 €/m²a
Passiv-Haus15 x 200 x 0,0653 €196 €/a0,98 €/m²a

Stromheizung (Nachtspeicher, Elektroradiatoren, Wärmepumpe)
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Früher waren sogenannten Nachtspeicherheizungen weit verbreitet, heute gelten sie als viel zu teuer. Stromheizungen sind heute vielmehr in Form von Wärmepumpen gefragt, die quasi Strom im Dauerbetrieb benötigen, um aus den Temperaturdifferenzen zwischen Außenluft und tieferen Erd-, Luft- und Wasserschichten Heizenergie zu generieren. Weil kaum ein Haus heute rein elektrisch beheizt wird, sind die Durchschnittwerte mit Vorsicht zu genießen. Durchschnittlich entstünden nämlich Kosten von 45,28 Euro pro Quadratmeter pro Jahr. Gemessen am unterstellten Energiebedarf entstehen im Musterfall für ein 200-qm-Haus so jährliche Ausgaben zwischen 861 Euro und 11.480 Euro im Jahr.

Jährliche Heizkosten eines Einfamilienhauses mit Elektro-Heizung:

Gebäudeart Rechnung
(kWh/m²a) * m² * €/kWh) 
Heizkosten 
pro Jahr
(€/a) 
Heizkosten 
pro m² & Jahr
(€/m²a)
Baujahr bis 1977200 x 200 x 0,28711.480 €/a57,4 €/m²a
Baujahr bis 2002100 x 200 x 0,2875.740 €/a28,7 €/m²a
KfW-Effizienzhaus 70 60 x 200 x 0,2873.444 €/a 17,22 €/m²a
Passiv-Haus15 x 200 x 0,287861 €/a4,31 €/m²a

Wer allerdings seine Räume und das Wasser mit einer Ölheizung erwärmt, musste in diesem Winter deutlich tiefer in die Tasche greifen als in der Heizsaison des Vorjahres - als die Preise allerdings auch extrem günstig waren. Heizöl verteuerte sich in den vergangenen zwölf Monaten um rund ein Viertel. Speziell im Januar und Februar des vergangenen Jahres hatte der Heizölpreis Tiefstände unterhalb von 40 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern, inklusive Mehrwertsteuer) erreicht. In diesem Winter lag der Preis dagegen meistens im Bereich von 55 bis 60 Euro.

Die Verivox-Experten errechnen daraus 42 Prozent höhere Kosten für die Nutzer von Ölheizungen in dieser Heizperiode, Check24 kommt auf ein Drittel. Dabei wird unterstellt, dass sich die Verbraucher aktuell am Markt versorgt hätten. Tatsächlich ist bei Ölheizungen aber der Zeitpunkt des Kaufs ausschlaggebend. Wer sich Anfang vergangenen Jahres günstig mit Heizöl eingedeckt hat und den Tank noch nicht nachfüllen musste, der profitiert noch von den niedrigen Preisen des Vorjahres. Rechnerisch musste ein Musterhaushalt mit Ölheizung in diesem Winter 972 Euro für seinen Brennstoff ausgeben.

Die Kosten für eine Ölheizung und eine Gasheizung haben sich damit wieder weitgehend angenähert. Gas ist noch leicht teurer, um rund drei Prozent. Vor einem Jahr lag dieser Unterschied noch bei 40 Prozent. Der Heizölpreis war in den vergangenen Monaten sehr stabil, abgesehen von einem kurzen Durchhänger im März. Ob die Preise demnächst wieder sinken oder steigen, hängt wesentlich ab von der Entwicklung auf dem Rohölmarkt und dem Verhalten des Ölkartells Opec, das Ende Mai zu einer Konferenz zusammenkommt. „Leere Heizöltanks sollten Verbraucher zumindest teilweise wieder auffüllen“, rät Check24-Geschäftsführer Oliver Bohr.

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