Energie aus Abwasser
Wärmetauscher im Kanal

Aus dem häuslichen Abwasser lässt sich noch Energie zum Heizen und Kühlen gewinnen – dank Wärmetauschern. Erste Modellversuche gibt es in bereits in Berlin und Halle. Klar ist aber auch: Die Technik rechnet sich erst ab einem gewissen Wärmebedarf, ist keine Allzweckwaffe gegen hohe Energiekosten.

BERLIN. Die bräunliche Brühe ist wertvoller, als man denkt. Etwa 120 Liter Abwasser schickt im Schnitt jeder Bundesbürger pro Tag auf den Weg zur Kläranlage. Die Flüssigkeit ist zwischen 10 und 20 Grad warm – und genau das macht sie so wertvoll. „Abwasser ist für den effizienten Betrieb von Heizwärmepumpen eine ausgezeichnete Quelle, da die Wärme ständig zur Verfügung steht, auch im Winter“, sagt René Schuchardt, Bauplaner bei Eco-S.

Die Energieconsultingfirma hat in Berlin die Abwasserkanäle einer Sporthalle und deren Heizung so ausgerüstet, dass aus dem Wasser Wärme gewonnen wird. Möglich wird das durch Wärmetauscher, die für 33 Meter Kanalrohrstrecke passgenau angefertigt wurden. Sie gewinnen aus dem Abwasser Energie, die mit einer Wärmepumpe fürs Heizen oder Kühlen aufbereitet wird. Der doppelwandige Tauscher in der Sohle des Kanals trennt zuverlässig das saubere Wasser für den Heizungskreislauf vom Schmutzwasser. Das so gewonnene lauwarme Heizungswasser bringt die Wärmepumpe auf eine Vorlauftemperatur von 65 Grad.

„Auf diese Weise wird die Grundversorgung der Halle gedeckt. Nur an kalten Tagen springt die Gasheizung ein“, erklärt Schuchardt. Im Sommer kühlt die Abwasserenergieanlage, weil dann die Wärmepumpe ähnlich wie ein Kühlschrank als Kältemaschine arbeitet. Auch in Singen, Waiblingen und Leverkusen gewinnen erste Anwender Energie aus Abwasser – technisch ist das kein großes Kunststück.

RWE betreibt ein entsprechendes System im Leverkusener Gesundheitshaus. Der 120 Meter lange Kanal wurde mit Wärmetauschern ausgestattet. Obwohl es der Anlage noch an Abwasser mangele, zeige sich ein Einspareffekt: „Wir sparen 250 Kilowatt Leistung, die sonst zum Heizen und Kühlen mit Öl und Strom aufgebracht werden müssten“, sagt Werner Gerwert, Abteilungsleiter Planung und Bau bei RWE Energiedienstleistungen. Gut 400 000 Euro wurden investiert.

Klar ist: Die Technik ist keine Allzweckwaffe gegen hohe Energiekosten. „Lohnend ist ihr Einsatz erst ab einem Wärmebedarf von 150 Kilowatt“, sagt Lutz Rometsch, Projektleiter am Institut für Unterirdische Infrastruktur (IKT) in Gelsenkirchen. Das entspricht etwa der Energieversorgung von 50 Wohnungen. So kämen neben Wohnanlagen vor allem öffentliche Gebäude, Bürokomplexe, Krankenhäuser und Schulen in Frage. Weitere Bedingungen: Der Kanal muss begehbar sein, genug Abwasser führen und nicht weiter als 200 Meter von einem Gebäude entfernt liegen. „Außerdem sollte die Strecke gerade verlaufen und idealerweise neu gebaut oder saniert werden“, sagt Rometsch.

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