Energie aus dem Untergrund
Wie riskant ist die Geothermie?

Die Geothermie gerät immer wieder in die Schlagzeilen: Mal bebt die Erde, mal wölbt sich der Untergrund auf, mal schießt Wasser aus dem Boden wie zuletzt in Wiesbaden. Doch trotz solcher Risiken gilt die Wärme aus dem Untergrund als ein wichtiger Energieträger für die Zukunft. Ernst Huenges vom Geoforschungszentrum Potsdam erklärt, warum das so ist - und welche Marktchancen die Technik eröffnet.
  • 3

Herr Huenges, erst vor wenigen Tagen wurde in Wiesbaden im Rahmen eines Geothermie-Projekts ein Grundwasserspeicher angezapft, dessen Wassermassen dann unter Druck aus dem Bohrloch sprudelten: Lässt sich so eine Blase nicht schon bei den Voruntersuchungen feststellen?

Man kann so eine Wasseransammlung leider nicht im Vorfeld erkennen. Aber man muss bei jeder Tiefbohrung darauf vorbereitet sein, denn man trifft immer wieder auf Wasser: ob es sich nun um eine Blase handelt oder einfach um einen Wasserhorizont in einer Sandsteinschicht. Die Flüssigkeit steht in der Regel unter Druck, weshalb wir von einem gespannten Grundwasserleiter sprechen. Normalerweise besitzen Bohrfirmen aber das Knowhow, um diesen zu beherrschen, ohne dass er nach oben bricht.

Wie entscheidet man, ob ein Gebiet überhaupt für Geothermie tauglich ist: Gibt es da Voruntersuchungen – auch im Hinblick auf mögliche Nebenwirkungen?

Um ein Zielgebiet zu erkunden, werden geophysikalische Prospektionen und Nachbarbohrungen durchgeführt. Dabei müssen wir aber zwischen verschiedenen Formen der Geothermie unterscheiden: Zum einen gibt es die oberflächennahe Geothermie. Sie beschränkt sich auf die obersten Erdschichten und nutzt deren Wärme.

Wegen der Oberflächennähe liegen die Bodentemperaturen allerdings relativ niedrig, weshalb zum Gesamtsystem noch ein so genanntes Temperatur anhebendes Verfahren gehört: Über eine elektrische Wärmepumpe verdichtet man den Energieträger und hebt dessen Temperatur auf ein Niveau, das sich zum Heizen nutzen lässt.

Die tiefe Geothermie in mehr als 400 Metern Tiefe erreicht dagegen normalerweise Energiequellen, deren Temperaturen für unsere Zwecke ausreichen. Hier müssen keine Wärmepumpen dazwischengeschaltet werden. Beide Methoden sind praktisch überall möglich.

Wie wird bei der Bohrung vorgegangen und das Bohrloch gesichert?

Technisch gesehen ist das relativ einfach: Sie haben eine Bohranlage mit einem Meißel als Kopf, der sich zumeist mit dem gesamten Bohrgestänge dreht. Dieser Meißel sorgt für den Abrieb des Gesteins, der vom Spülungsumlauf nach oben gefördert und entsorgt wird.

Trifft man auf einen gespannten Grundwasserleiter, gilt es zuerst, den Spülungskreislauf zu beschweren, um dem Druck von unten entgegenzuwirken. Man schafft quasi ein Gegengewicht, damit das Bohrloch schnell abgedichtet werden kann – und das funktioniert auch noch, wenn das Wasser oben heraussprudelt. Und dann muss man natürlich beobachten, wie sich die Situation im Bohrloch entwickelt. In Wiesbaden hätte man wohl ziemlich stark beschweren müssen, aber mehr kann ich dazu aus der Distanz leider nicht sagen.

Seite 1:

Wie riskant ist die Geothermie?

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Energie aus dem Untergrund: Wie riskant ist die Geothermie?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Mensch als Eindringling.

    Atom oder Untergrundversuche und das bohren in dem Erdreich, damit Provoziert man Erdbeben oder einen Ausbruch eines oder mehrere Vulkane.

    Diese Energie die da sich im Erdreich befindet brodelt und bedarf eines dichten Erdkrustenbereichs der das auffangen soll. Damit ist diese Masse an Erdreich sprich Lava oder andere Gase die da sich drinnen befinden, nicht mehr sicher ob irgendwann es Knallen tut. Unter der Erdoberfläche LAUERN GEWALTiGE KRÄFTE, die sich immer wieder in Erdbeben und Vulkanausbrüche in Erinnerung bringen.z.b.Der wassergefüllte Veidivoth-Krater auf island ruht noch wie lange? Hoffentlich dann nicht gewaltig.

    beispiele:

    Tsunamis würden die Menschen gefährden oder sogar Töten wen Erdbeben in Ozean entstehen sollten. Die Gefahr ist sehr groß weil die Erde unten nicht zur Ruhe kommt.

    Natur braucht uns nicht aber WiR brauchen es!

    Motto:

    Schlafende Wölfe sollte man nicht wecken.

    Mfg

  • bis jetzt scheinen doch durch die Geothermie viel mehr Schäden entstanden zu sein als durch die Nutzung der Kernkraft. Warum wird dann die K. so verteufelt und soll aus DE verbannt werden und die G. nicht??

  • "bei dem Menschenleben in Gefahr waren oder katastrophale wirtschaftliche Schäden auftraten. "
    Das sollte der Auot mal den Hausbesitzern unten in Staufen erzählen, deren Häuser immer größere Risse bekommen. Dort heben sich sogar die Gehsteige.
    Übrigens, ist die Haftung hier auch wieder typisch deutsch geklärt? D.h. die Geschädigten klagen bis zur letzten instanz und bekommen schlußendlich doch nichts? Oder gilt hier ausnahmsweise mal das Verursacherprinzip?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%