Energie
Fortschritt bei der Energieerzeugung

Siemens entwickelt im oberbayerischen Irsching eine neuartige Gasturbine, die mehr Strom liefert und deutlich weniger Kohlendioxid erzeugt. Damit ist der Konzern der weltweiten Konkurrenz derzeit technisch voraus. Die luftgekühlte Turbine könnte im Alleingang die Bevölkerung Hamburgs mit Strom versorgen.
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KÖLN. Die weltweite Verknappung fossiler Rohstoffe macht effizientere Technologien bei der Energieerzeugung immer wichtiger. Die Kraftwerksbauer feilen daher intensiv an der Leistungsfähigkeit einzelner Komponenten wie beispielsweise dem Wirkungsgrad der Turbinen. Hier hat Siemens zurzeit weltweit die Nase vorn. Im Eon-Kraftwerk im oberbayerischen Irsching hat der Konzern vor kurzem über einen längeren Zeitraum die leistungsstärkste luftgekühlte Gasturbine der Welt getestet. Sie erzeugt so viel Energie, dass sie im Alleingang die Bevölkerung Hamburgs mit Strom versorgen könnte.

Die Ausmaße der Gasturbine flößen Respekt ein: Sie ist 13 Meter lang, fünf Meter hoch - und wiegt 444 Tonnen. Ihre Leistung: 340 Megawatt - das ist so viel wie zehn Triebwerke des weltweit größten Flugzeugs Airbus A 380 erzeugen. Zusammen mit einer nachgeschalteten Gasturbine hält sie im Volllastbetrieb den Weltrekord beim Wirkungsgrad - also der Menge an eingesetzter Energie, die tatsächlich in Strom umgewandelt wird: Mit über 60 Prozent übertrifft die Irschinger Turbine den bisherigen Rekordhalter, das Gaskraftwerk Mainz-Wiesbaden, um zwei Prozentpunkte.

Das klingt zunächst wenig - doch im Kraftwerksbau macht schon ein um wenige Prozente erhöhter Wirkungsgrad einen großen Unterschied aus. So sparte das Kraftwerk in Irsching im Test gegenüber Mainz-Wiesbaden 40 000 Tonnen des Treibhausgases CO2 ein, weil deutlich weniger Brennstoff benötigt wird.

Entwickelt wurde der Gigant von Irsching von Siemens-Ingenieuren, gebaut wurde er im Berliner Gasturbinenwerk des Münchener Konzerns. 1 500 Kilometer auf dem Wasser über die Havel und verschiedene Kanäle, dann den Rhein, den Main und den Main-Donau-Kanal bis nach Kelheim und weitere 40 Kilometer auf der Straße wurde die Turbine transportiert. Eine vor dem Ort liegende Brücke wurde eigens für den Transport des Kolosses erneuert. Der Grund für die Mühen: Eine so große, leistungsstarke Turbine lässt sich nur im echten Kraftwerksbetrieb sinnvoll testen.

Eine Gasturbine funktioniert im Prinzip wie das Triebwerk eines Jets: In einer Brennkammer wird mit Hilfe eines vorgeschalteten Verdichters ein heißer Gasstrahl erzeugt. Über gigantische Schaufelräder treibt dieser dann die Turbinenwelle an, die durch ihre Drehbewegung Strom erzeugt. Die Materialien müssen massiven Belastungen standhalten, damit die Turbine ihre Kraft und Wirkung entfalten kann. "Wir produzieren an den Grenzen des Machbaren", sagt Klaus Voges, Chef bei Siemens für den Bereich Energieerzeugung. Die Schaufeln im Inneren der Gasturbine wirken zunächst wie elegant gebogene Metallstücke. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass es sich um High-Tech-Produkte handelt: Ein feiner Flaum bedeckt die Oberfläche. Diese fellartige Schicht aus Kristallen, die in einem speziellen Bedampfungsprozess auf den Turbinenschaufeln gewachsen ist, erlaubt der Turbine höhere Betriebstemperaturen. Das steigert wiederum den Wirkungsgrad.

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