Energie für die Zukunft
Mit Küchenabfällen das Klima retten

Die Kohle kehrt zurück - als erneuerbare Energiequelle. Wissenschaftler haben ein Verfahren entwickelt, um aus Biomüll den schwarzen Rohstoff zu machen. Was in der Natur Jahrmillionen dauert, schaffen sie über Nacht. Wie aus einer guten Idee eine kleine Revolution wurde.
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DÜSSELDORF. Markus Antonietti hat in der Chemie eine kleine Revolution ausgelöst. Der Leiter des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung bei Potsdam hat ein Verfahren entwickelt, mit dem nasse Biomasse zu Kohle wird. Ob Laub, Holz, Gülle oder Biomüll: fast jedes organische Material lässt sich dafür verwenden. Unter der Erde läuft der Prozess in etlichen Millionen Jahren ab. Im Potsdamer Labor passiert dies über Nacht.

Forscherkollegen und Firmen sind von der Erfindung angetan. Schüler ahmen bei "Jugend forscht" Antoniettis Experimente nach. Hobbygärtner möchten ihm Laub und Rasenschnitt liefern. "Sie glauben gar nicht, wie viele Anrufe wir jede Woche bekommen", sagt seine Sekretärin. Einer von Antoniettis größten Fans sitzt in Oldenburg: Thomas Greve, ein junger angehender Physiker, erfuhr im Studium zufällig von der "hydrothermalen Karbonisierung", der kalten Verkohlung.

Obwohl sie wenig mit Physik und viel mit Chemie zu tun hat, war er sofort begeistert: "Ich würde von mir selbst sagen, dass ich ein kritischer Mensch bin", meint Greve, "und ich habe bisher sehr wenige Nachteile des Verfahrens gefunden. Deshalb bin ich felsenfest davon überzeugt, dass ihm eine große Zukunft bevorsteht." Auf eigene Faust begann er eine Diplomarbeit über Biokohle, obwohl sein betreuender Professor in Oldenburg das Gebiet gar nicht erforscht.

Die Kohle kann aus nahezu jeder Art von Biomasse derart einfach erzeugt werden, dass sich selbst Entwicklungsländer der Technik bedienen können. Aus Bananenschalen oder Kaffeeresten könnte so in Afrika dezentral Energie bereitgestellt werden. Der einzige und wohl wichtigste Haken der kalten Verkohlung ist, dass die Biomasse mit Wasser und einem Katalysator in einem geschlossenen Topf zwischen sechs und zwölf Stunden auf 180 bis 230 Grad Celsius aufgeheizt werden muss. Zum Entleeren muss der Behälter jedoch abkühlen. Dieser Wechsel zwischen An- und Abschalten macht das Verfahren in großem Stil wenig praktikabel. Nur eine kontinuierliche Verkohlung könne sich in der Industrie durchsetzen, urteilt denn auch das Fraunhofer für Verfahrenstechnik und Verpackung-Institut in Freising. Das Kochtopfprinzip taugt nur fürs Labor.

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