Energieberatung im Mittelstand
Gegen den Strom

Stefan Leuchten untersucht Unternehmen auf Effizienz. Allerdings geht es dabei nicht um die wirtschaftliche Leistung, sondern den Energieverbrauch. Firmen, die ihre laufenden Kosten senken wollen, greifen verstärkt auf Berater wie ihn zurück. Die verordneten Maßnahmen sparen bares Geld und nützen der Umwelt.

GELSENKIRCHEN. Größe 52 oder 56? Stefan Leuchten lacht. „Egal – das ist ja keine Modenschau hier.“ Er schlüpft in den weißen Kittel. 52 passt wie angegossen. „Besucher“ steht darauf. Ein Besucher mit besonderer Mission. Leuchten hilft Unternehmern, Kosten zu senken. Stichwort: Effizienz. Doch wo Leuchten auftaucht, müssen Mitarbeiter nicht um ihren Job bangen. Personalabbau hat der schlaksige Mann in grauer Flanellhose und braunem Cordjackett nicht im Programm.

An diesem Tag nimmt der Diplomingenieur eine Großwäscherei in Augenschein. Wo lässt sich Energie sparen? Wie lassen sich Stromkosten senken? Welche Investitionen machen Sinn? Fragen über Fragen, auf die Volker Wagner, Geschäftsführer der Gesellschaft für Krankenhauswirtschaftsdienste (GKW) in Gelsenkirchen, keine Antworten hatte. Deshalb schaltete er die Energieagentur NRW ein. Die schickte Leuchten.

Was Appelle ans Umweltbewusstsein über Jahrzehnte kaum schafften, scheint der Markt nun zu regeln – Deutschlands Mittelständler suchen massiv nach Möglichkeiten, Energie zu sparen. „Energie hat Konjunktur, keine Frage“, sagt Raymund Krieger, Geschäftsführer des Bundesverbands für Umweltberatung.

Ähnliches berichten die Industrie- und Handelskammern. Finanzierung, Förderung und organisatorische Umsetzung – dazu wollen Mittelständler Tipps. „Mit den Energiepreissteigerungen hat die Nachfrage nach Beratung gravierend zugenommen. Unternehmen erkennen das inzwischen als relevanten Kostenblock“, bestätigt Martin Grocholl, Sprecher der Bremer Energie-Konsens GmbH, einer gemeinnützigen Beratungsgesellschaft.

Tatsächlich ist der Strompreis für die Industrie in den vergangenen drei Jahren um rund 40 Prozent gestiegen; die Kilowattstunde kostet für gewerbliche Kunden derzeit etwa zwölf Cent. Die seit 2002 um mehr als ein Drittel in die Höhe geschnellten Gaspreise treiben jedem Unternehmer Tränen in die Augen – außer den Versorgern.

Die Großwäscherei GKW musste für Energie im vergangenen Jahr 430 000 Euro zahlen, 71 000 Euro mehr als im Jahr zuvor – für das Unternehmen mit 74 Mitarbeitern und einem Umsatz von knapp drei Millionen Euro jährlich kein Pappenstiel. Jahrelang hatte das Unternehmen rote Zahlen geschrieben. 2006 schließlich gelang der Sprung in den schwarzen Bereich. Nun will man bis zu 700 000 Euro investieren – und die Energiekosten langfristig senken.

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