Energiebranche
Anlagenbauer gehen auf Wellenfang

Die Energiebranche entdeckt die Kraft der Wellen. Europäische Küstenstaaten könnten die Hälfte ihres Strombedarfs mit Wellen- und Gezeitenkraftwerken erzeugen, hat der Anbieter von Wellenkraft-Anlagen Voith Siemens Hydro (VHS) ermittelt. Der Nutzung der erneuerbaren Energie prognostiziert das Unternehmen einen wahren Boom.

DÜSSELDORF. Das Poetential ist enorm: In den nächsten zwei Jahrzehnten könnten weltweit 70 000 Wellen- und Gezeitenkraftwerken entstehen. Vor allem Schottland steht derzeit bei den Anlagenbauern hoch im Kurs. „Hier könnte ein Viertel der europäischen maritimen Energie produziert werden“, sagt Simon McMillan, Sprecher des Energieversorgers Scottish Power. Auf der Insel Islay vor der Westküste des Landes ist seit dem Jahr 2000 die 500 Kilowatt-Testanlage Limpet der VSH-Tochter Wavegen in Betrieb.

Erfahrungen mit solchen Pilotprojekten sind enorm wichtig. Denn im Vergleich zu Solarenergie und Windkraft weisen Wellenkraftwerke einen deutlichen technischen Rückstand auf. „Sie liegen in ihrer Entwicklung etwa 30 Jahre zurück“, sagt Forscher Hermann-Josef Wagner vom Institut für Energietechnik der Ruhr-Universität Bochum. Zudem seien Standorte in Küstennähe knapp. „Trotzdem besitzt die Wellenenergie ein großes Potenzial“, sagt Wagner. Und das will eine Reihe von Unternehmen nun nutzen – auch mit neuen Techniken.

So baut Voith Siemens Hydro im baskischen Mutriku das erste kommerziell betriebene Wellenkraftwerk, das in eine Hafenmole integriert ist. Die 300 Kilowatt-Anlage soll im Winter kommenden Jahres in Betrieb gehen. „Die Kosten rechnen sich zwar in der jetzigen Pionierphase noch nicht“, sagt Jochen Weilepp, Abteilungsleiter für Meeresenergie-Technologien bei Voith Siemens Hydro. „Aber das ist bei der Photovoltaik nicht anders.“ Mittelfristig sei ein Kilowattstunden-Preis zwischen zehn bis 15 Cent erreichbar – das entspricht ungefähr dem doppelten Preis der Windenergie. Nicht etwa Turbinen oder Einzelbauteile machen derartige Projekte teuer, sondern die notwendige Infrastruktur. Um Kosten zu sparen, wird diese in Mutriku gleich in die neue Mole eingebaut. 16 Kavernen genannte Hohlräume werden errichtet, die zum Meer hin so weit offen sind, dass Wellen hineinschwappen können. Nach dem Prinzip der oszillierenden Wassersäule verdrängen die Wellen die Luft in den Kavernen. Diese wird durch eine so genannte Wells-Turbine mit angebauten Generator gepresst. „Die Weiterentwicklung der Technik soll zeigen, dass ein Betrieb unter realen Marktbedingungen möglich ist“, sagt David Gibb, Geschäftsführer von Wavegen. Für das erste Wellenkraftwerk in Deutschland auf Basis der Wavegen-Technik suchen Voith Siemens Hydro und der Energiekonzern EnBW nun nach einem Standort an der Nordseeküste.

Auf einen völlig anderen Ansatz setzt Ocean Power Delivery. An der schwedischen Westküste bei Lysekil testet das Unternehmen ein Wellenkraftwerk mit Bojen, die auf der Meeresoberfläche schwimmen. Diese sind mit einem Generator verbunden, der auf dem Meeresboden verankert ist. Pelamis lautet der Name der Technik. Die bis zu acht Meter langen, schlangenähnliche Segmente liefern Strom, indem sie sich im Takt der Meereswellen auf und ab bewegen. Hydraulische Motoren, die sich nahe der Scharniergelenke befinden, setzen die Bewegungsenergie in elektrische um.

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