Energiebranche
Versorger erneuern ihren Energiemix

Die Branche für erneuerbare Energie spürt heftigen Gegenwind, die Finanzkrise erschwert die Suche nach Investoren für die kostspieligen Anlagen. Das gilt nicht für die großen Konzerne: Dank hoher Kapitalkraft forcieren deutsche Stromkonzerne ihre Aktivitäten bei Windenergie, Biomasse oder Wasserkraft - viele der Projekte starten im Ausland.
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DÜSSELDORF. Es weht ein frischer Wind vor der Küste Englands. 20 Kilometer vom Festland entfernt soll ein gigantisches Energieprojekt entstehen: London Array, der weltgrößte Windpark auf hoher See. Bis zu 270 Turbinen mit einer Höhe von 175 Metern sollen in der Nordsee Strom erzeugen. Die Energie wird ausreichen, um 750 000 Haushalte zu versorgen.

Ob das drei Mrd. Euro teure Prestigeprojekt jemals Wirklichkeit wird, dazu mehrten sich zuletzt die Zweifel. Denn die Branche für erneuerbare Energie spürt heftigen Gegenwind. Die Finanzkrise erschwert die Suche nach Investoren für die kostspieligen Anlagen. "Wegen der Kreditkrise gibt kaum eine Bank noch Geld für neue Windparks", sagt Berthold Hannes, Energieexperte der Beratungsfirma Bain & Company. Wegen des niedrigen Ölpreises sinkt zudem der Druck für einen Wechsel zu alternativen Energieformen. "Wir halten trotzdem an dem Projekt fest", verkündete jüngst der Energiekonzern Eon, der zu 30 Prozent an dem britischen Windparkprojekt beteiligt ist.

Die Stromkonzerne gehören derzeit zu den wenigen Unternehmen, die sich die kapitalintensiven Offshore-Windparks noch leisten können. "Während mittelständische Projektentwickler kaum noch Investoren finden, ist für Versorger der Zugang zu Kapital nach wie vor exzellent", sagt Matthias Heck, Analyst der Privatbank Sal. Oppenheim.

Die Energieunternehmen können die Anlagen oft sogar aus eigenen Mitteln finanzieren. Weil die Nachfrage nach Turbinen sinkt, profitieren sie auch von sinkenden Preisen. "RWE hat Aufholfbedarf beim Ausbau von erneuerbaren Energien", sagt Konrad Böcker, Sprecher von RWE Innogy. "Wir werden diese Lücke jedoch schnell schließen. Die Chancen dafür sind gut."

Bei ihrem Engagement für erneuerbare Energie zieht es die deutschen Stromkonzerne zunehmend ins Ausland. RWE hat gleich in drei Offshore-Windparks vor der Küste von England investiert und betreibt Windkraftanlagen in Spanien, Italien und Portugal. Weitere sollen in Polen, Bulgarien und der Türkei entstehen. Konkurrent Eon hat in Spanien, Portugal und Schweden Fuß gefasst und baut in Texas zurzeit den größten Windpark auf dem Festland. Obwohl sich der Konzern ein umfangreiches Sparprogramm verordnet hat, ist unverändert geplant, bis 2010 sechs Mrd. Euro in erneuerbare Energien zu investieren. RWE Innogy steckt jedes Jahr eine Mrd. Euro in erneuerbare Energien - trotz Finanzkrise werde an dem Kurs festgehalten, teilt das Unternehmen mit.

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  • Gern hätte ich einmal gewusst, wie Energie erneuert wird. Mars brachte in seiner Werbung einmal verbrauchte Energie zurück! Wie soll das aber in der Realität gehen? Meiner Ansicht ein völlig falscher begriff. Hört sich aber gut an....

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