Energiebilanz
Grenzenlos vernetzt

Während sich etliche europäische Metropolen als energieeffiziente Smart Citys positionieren, hinken Deutsche Städte im Land der Energiewende hinterher. Über einzelne Modellversuche kommen sie bisher kaum hinaus.
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KölnDer Blick in der Überseestadt richtet sich auf übermorgen. Energieeffizient und klimafreundlich will das Hafenviertel im Bremer Westen in Zukunft sein. Geplant ist etwa eine Elektrobuslinie, Wohngebiete sollen energetisch saniert werden und Solaranlagen zu einem virtuellen Kraftwerk zusammenwachsen.

Ob die Pläne Wirklichkeit werden, entscheidet sich in den nächsten Wochen in Brüssel. Dort hat der Bremer Senat Fördermittel in Höhe von 8,5 Millionen Euro beantragt.

Finanzspritzen der Europäischen Union dürften auch dem Schlagwort Smart City in Deutschland neue Kraft verleihen. Zwar gibt es schon lange große Diskussionen darum, wie Städte mit ressourcenschonenden Mobilitätsangeboten, intelligenten Stromnetzen und cleveren Steuerungssystemen ihre Energiebilanz verbessern können. Doch über einzelne Modellversuche kommen die Kommunen und Regionen bislang kaum hinaus.

„Die Pilotprojekte haben Lerneffekte, aber dann müssen die nächsten Schritte folgen – und das ist im Moment nicht der Fall“, kritisiert Walter Leal, Leiter des Forschungs- und Transferzentrums Applications of Life Sciences an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW).

Während ausgerechnet im Land der Energiewende große Zurückhaltung herrscht, geben Metropolen anderswo in Europa das Tempo vor. So will Kopenhagen bis 2025 zur ersten CO2-neutralen Stadt werden. Dabei helfen sollen Gebäudesanierungen, strengere Bauvorschriften und Biomassekraftwerke für die städtische Versorgung. Barcelona setzt auf dem Weg zur „Smart City“ auf IT-Unterstützung: Neue LED-Straßenleuchten sind vernetzt und können zentral gesteuert werden. Intelligente Stromnetze sollen den Verbrauch an die schwankende Leistung regenerativer Quellen anpassen. Zudem werden Bewässerungssysteme und das Energiemanagement öffentlicher Gebäude digitalisiert.

In Deutschland gestalten sich solche Projekte auch wegen Sicherheitsbedenken schwierig. Wenn öffentliche Infrastruktur mit Datenverbindungen hochgerüstet wird, ergeben sich Einfalltore für Hacker, so die Sorge. „Mit der vernetzten Stadt ist immer auch die Nutzung von Big Data verbunden“, sagt Alanus von Radecki vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. „Und da fehlen tatsächlich Lösungen, die absolut sicher sind.“ Eine weitere Hürde sind die klammen Kassen.

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