Energieeffizienz
Wie sich intelligentes Sparen rechnet

An Sparmöglichkeiten für Industrie und Haushalte mangelt es in Deutschland nicht. Doch bisher zögern die Bürger, in effizientere Geräte zu investieren. Dabei könnte der Stromverbrauch in Deutschland um 40 Prozent sinken, wenn alle Sparmöglichkeiten ausgeschöpft würden. Welche Maßnahmen die Emission von Treibhausgasen reduzieren können.
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DÜSSELDORF. Gehen die Deutschen weiter so verschwenderisch mit Strom um wie bisher, dann, so warnt der Verband Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE), wird es nichts mit der Entlastung des Klimas. Im Gegenteil: Der Verbrauch wird nach den Berechnungen der Frankfurter Experten bis zum Jahr 2025 sogar um 60 Prozent zulegen. Das hätte beim heutigen Strommix Zusatzemissionen von 214 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) pro Jahr zur Folge. Die derzeitigen Gesamtemissionen in Deutschland von 850 Millionen Tonnen, von denen 360 Millionen Tonnen auf das Konto der Stromerzeuger gehen, würden um rund ein Viertel steigen.

Viel erfreulicher sähe die Bilanz aus, würden die Deutschen konsequent alle Energiesparmöglichkeiten nutzen, zum Beispiel alle stromfressenden Geräte durch effiziente ersetzen. Dann würde der Stromverbrauch um 40 Prozent sinken – ein Minus von rund 140 Millionen Tonnen CO2. Realistisch sei ein Plus von 30 Prozent (plus 110 Millionen Tonnen), meint Wolfgang Schröppel, VDE-Energieexperte und Professor am Institut für Elektroenergiesysteme und Hochspannungstechnik der Universität Karlsruhe.

Sparmöglichkeiten gibt es viele für Industrie und Haushalte. Genügsame Kleinmotoren in Waschmaschinen, Kaffeemühlen und Handmixern etwa würden den Stromverbrauch schon um fast zwei Prozent reduzieren. Ebenso viel brächte der Verzicht auf Standby-Schaltungen oder zumindest deren Optimierung, die Verwendung von Energiesparlampen und organische oder normale Leuchtdioden (Oleds und LEDs), deren Siegeszug gerade erst begonnen hat, sogar rund sieben Prozent. Würden die 30 Millionen Heizungspumpen in Deutschland durch moderne geregelte Antriebe ersetzt, die bei geringem Heizbedarf langsamer laufen und deshalb nur halb so viel Strom verbrauchen, verbesserte sich die Gesamtbilanz nochmals um fast zwei Prozent.

Doch die Bürger zögern, in effizientere Geräte zu investieren. „Solange eine Heizung noch funktioniert und vom Schornsteinfeger abgenommen wird, verzichten fast alle auf eine energiesparende Neuinvestition“, hat Franz-Josef Hofbauer vom Fürther Energieversorger Infra festgestellt. Nicht einmal bei Waschmaschinen und Kleingeräten zieht das Versprechen der Hersteller, der Energieverbrauch werde um fünf, zehn oder noch mehr Prozent sinken. Grund: Die Amortisationszeit ist gefühlsmäßig zu lang. Erst staatliche Anreize in Form von Zuschüssen oder verbilligten Krediten, so hat es den Anschein, könnten die Bürger zu Investitionen verleiten.

Aber auch Unternehmen, die mit dem Begriff Amortisation mehr anfangen können als normale Bürger, beschließen nur dann energiesparende Investitionen, wenn sie ohnehin Ersatz für abgeschriebene Systeme benötigen. Dabei können sie schon in kurzer Zeit in die Gewinnzone kommen. Bei normalerweise kaum beachteten Schaltschränken beispielsweise, die mit Elektronik zur Steuerung von Maschinen und kompletten Fabriken vollgestopft sind. Die Innereien der unscheinbaren, meist grauen Blechkisten arbeiten nur zuverlässig, wenn sie nicht zu warm werden. Dafür sorgen Klimageräte. Eine Neuentwicklung des Herborner Spezialisten Rittal kommt pro Schaltschrank jährlich mit rund 1 500 Kilowattstunden weniger Strom aus und kostet dennoch nicht mehr als Konkurrenzmodelle. Die jährliche Kosteneinsparung pro Schrank beträgt rund 170 Euro. Hochgerechnet auf eine mittelgroße Produktionsstätte mit 200 Schaltschränken summiert sich die Einsparung auf mehr als 34 000 Euro im Jahr.

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