Energieexperte
Verzögerung bei Endlager würde Millarde kosten

Eine Verzögerung beim Start des Endlagers für schwach- und mittelradioaktiven Abfall Schacht Konrad würde ersten Schätzungen zufolge Bund und Atombranche viel Geld kosten. Die bundeseigenen Energiewerke Nord (EWN) rechnen mit Mehrbelastungen von bis zu einer Milliarde Euro bei einer Verzögerung von fünf Jahren.
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HB LUBMIN. Sollte es zu einer Verzögerung von fünf Jahren kommen, müssten bestehende Zwischenlager vergrößert werden, sagte der Geschäftsführer der bundeseigenen Energiewerke Nord (EWN), Dieter Rittscher, am Donnerstag in Lubmin bei Greifswald der dpa. Er rechnet allein dafür mit Mehrkosten "von mehreren hundert Mio. in Richtung eine Milliarde Euro".

So müsse höchstwahrscheinlich das der EWN unterstehende Zwischenlager in Karlsruhe erweitert werden, wo rund zwei Drittel des schwach- und mittelradioaktiven Abfalls des Bundes lagert. Mit belastbaren Zahlen rechne er in drei bis vier Wochen, wenn auch die privaten Energieversorgungsunternehmen ihre Berechnungen abgeschlossen hätten. Über die Gründe einer vom Bundesamt für Strahlenschutz ins Spiel gebrachten Verzögerung für die Inbetriebnahme des Schachts Konrad in Niedersachsen könne er keine Angaben machen. "Wir kennen die Gründe nicht", sagte Rittscher. Schacht Konrad habe alle Genehmigungen für einen Betrieb.

Als Bundesunternehmen sind die EWN für die Lagerung des atomaren Schrotts aus den DDR-Kernkraftwerken und aus Forschungseinrichtungen des Bundes zuständig. Die EWN wollen rund 110 000 Kubikmeter Abfälle aus öffentlicher Hand im Endlager bei Salzgitter unterbringen, das eine Gesamtkapazität von rund 303 000 Kubikmetern hat.

Vor dem Hintergrund der angekündigten Verzögerungen sprach sich Rittscher für geteilte Zuständigkeiten bei der Endlagerung von Atommüll aus. Bisher ist das Bundesamt für Strahlenschutz für die Genehmigung, den Betrieb und die Aufsicht der Lager zuständig. "Es entspricht nicht den internationalen Standards, wenn ein Betreiber sich selbst kontrolliert", sagte Rittscher. Als potenzieller Betreiber käme die DBE in Betracht, die derzeit das Endlager Schacht Konrad errichtet.

Die EWN hatten vor zwei Jahren 25 Prozent der Anteile an der DBE übernommen, streben aber eine Erhöhung der Gesellschafteranteile an, da 38 Prozent der schwach- und radioaktiven Abfälle aus Unternehmen der öffentlichen Hand stammen. Die anderen 75 Prozent der DBE-Anteile hält derzeit die Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS), ein Unternehmen der privaten Nuklearwirtschaft.

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