Energiegewinnung
Solartechnik zeigt überzeugende Ökobilanz

Betreiber von Kohlekraftwerken und Erdöl-Multis müssen sich regelmäßig rechtfertigen, schließlich gelten Kohle und Öl als Klimakiller. Aber auch Hersteller von Solaranlagen stehen gelegentlich am Pranger. Denn bevor der grüne Strom vom Dach fließen kann, wird eine Menge Energie in die Produktion der Module gesteckt. Doch der Aufwand soll in Zukunft kleiner werden.

KÖLN. „Unterm Strich geht die Rechnung aber auf“, sagt Martina Petersen, Vorsitzende der Geschäftsführung der Hamburger Suntechnics GmbH, einem Lieferanten von Photovoltaik-Anlagen: „Photovoltaik-Anlagen spielen heute ein Vielfaches der Energie ein, die zu ihrer Erzeugung benötigt wurde.“

Die Kritik richtet sich vor allem gegen einen Produktionsschritt: Photovoltaik-Module entstehen heute in der Regel mit Hilfe von Silizium, das bei Temperaturen von über tausend Grad Celsius geschmolzen wird. „Dieser Herstellungsschritt ist eines der energieaufwändigsten Verfahren, die es gibt“, sagt Volker Quaschning, Professor für regenerative Energiesysteme an der Berliner Fachhochschule für Technik und Wirtschaft. Zwischen zwei und vier Jahren brauchen die Anlagen heute, um allein diese Energie wieder einzuspielen. Windkraftanlagen haben sich dagegen energetisch heute schon nach wenigen Monaten amortisiert.

Schon in wenigen Jahren könnten Photovoltaik-Anlagen aber aufgeholt haben. Denn als das Silizium vor einiger Zeit knapp wurde, haben viele Modulhersteller begonnen, dünnere Solarzellen als bisher zu bauen – und so auch weniger Energie verbrauchen. „Man wird mit der Materialreduktion fortfahren und den Energieaufwand weiter senken“, ist sich Quaschning sicher. In zehn Jahren, so seine Schätzung, habe sich der Energieverbrauch der Photovoltaik-Herstellung nach nur einem Jahr Betriebsdauer amortisiert. Bei zwanzig Jahren Garantie, die Hersteller auf Photovoltaik-Anlagen heute meist geben, eine ausgezeichnete Bilanz.

Birgit Leidig kann über die Skeptiker schon heute nur lachen: „Ich finde die Frage danach völlig verrückt“, sagt die Mitinhaberin und Geschäftsführerin der Globe Solar GmbH aus dem mittelfränkischen Insingen. „Bei einem Heizöltank fragt danach ja auch niemand“, sagt die Unternehmerin. Zudem entwickelt und baut Globe Solar hauptsächlich Solarthermie-Anlagen. Und für die Kollektoren, die Sonne direkt in Wärme umwandeln, braucht es gar kein Silizium. Deshalb hat sich ihre Herstellung hier bereits nach eineinhalb bis zweieinhalb Jahren Betriebszeit amortisiert. Für einen intelligenten Energiemix seien solche Solaranlagen künftig unverzichtbar, findet Leidig.

Auch Wissenschaftler bestätigen, dass trotz des starken Wachstums der Solar-Branche der Anteil der Sonnenenergie am Gesamtenergie-Mix noch längst nicht ausreicht. So stößt zum Beispiel ein Braunkohlekraftwerk über seine Betriebsdauer berechnet zwischen 980 und 1 230 Gramm Kohlenstoffdioxid pro erzeugter Kilowattstunde Strom aus. Eine Photovoltaik-Anlage verbraucht nur 50 bis 160 Gramm, Windkraftanlagen zwischen 8 und 16 Gramm CO2 pro Kilowattstunde. Photovoltaik-Experte Stefan Ambros vom Projektträger Energie, Technologie und Nachhaltigkeit des Forschungszentrums Jülich prognostiziert dem Sonnenstrom eine noch bessere Öko-Bilanz: „Je mehr erneuerbare Energien man für die Herstellung der Solaranlagen verwenden kann, desto schneller amortisiert sich die Technik.“

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