Energieversorgung
Stromrebellen wollen Netze übernehmen

Das größte Stromnetz Deutschlands steht zum Verkauf. Doch wer soll die Berliner Leitungen übernehmen? Eine neue Generation Stromrebellen will „Vattenfall den Stecker ziehen“ - und macht etablierte Unternehmen nervös.
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BerlinDer Gegner legt sich mächtig ins Zeug. Auf Berliner Plakatwänden singt ein brünettes Mädchen für den Stromkonzern Vattenfall ins Spülbürsten-Mikro. Die Botschaft: „Berlin hat viele Talente. Unseres ist Strom.“

Zeitungsanzeigen, Plakate, markige Sprüche. Man könnte meinen, der Stromriese werde nervös. Denn engagierte Berliner wollen ihm Deutschlands größtes Stromnetz aus der Hand reißen. Und auch das Hamburger Netz droht er zu verlieren.

„Vattenfall den Stecker ziehen“, tragen die Stromrebellen auf dem Berliner Alexanderplatz auf der Brust. Sie sammeln Unterschriften für ein Volksbegehren. „Gut, dass Sie hier stehen“, stürzt eine ältere Frau auf Anke Wagner zu. „Ich hab noch zwei Listen gefunden.“ Die sind noch nicht ganz voll, aber trotzdem gern gesehen.

Die Unterzeichner wollen, dass das Land das Netz ab 2014 wieder in eigene Hände nimmt und Ökostrom anbietet. Mindestens 183.000 Stimmen haben sie schon - rund 173.000 davon müssten gültig sein, damit am Tag der Bundestagswahl abgestimmt wird.

Für den gleichen Tag ist auch in Hamburg ein Volksentscheid anberaumt. Auch hier droht Vattenfall seine Anteile am Stromnetz an das Land zu verlieren. Kämen die Initiativen in den beiden größten deutschen Städten durch, könnte das richtungsweisend für Konzessionsentscheidungen in Dutzenden anderen Städten sein.

„Das wäre auch ein interessantes Signal an eine neue Bundesregierung“, sagte Energietisch-Sprecher Stefan Taschner. Schon jetzt jedenfalls ist Rekommunalisierung im Trend: Nach Zahlen des Verbands kommunaler Unternehmen übernahmen seit 2007 mehr als 200 Gemeinden Konzessionsverträge von privaten Energiekonzernen.

Kommentare zu " Energieversorgung: Stromrebellen wollen Netze übernehmen"

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  • Manntje Manntje Timpetee
    Buttje Buttje in die See
    Mine Fru de Ilsebill
    Will nich so as ick all will!

    "Jo", seggt de Butt, "wat will se denn nu warn?"

    Nu will se dat Stroomneds selber mooken.

    "Ogoddogodd, nu wad's woll totool naarsch", seggt de Butt. "Dor mok ik eer doch leewer to'n Pabsd. Mid de Relichoon kennd se sich gaud ut, awer nich mid den Stroom."

  • Einiges muss man noch etwas präzisieren. Zunächst hat lediglich Vattenfall und E.ON ihr Übertragungsnetz(50Hertz und TenneT) vollständig verkauft, nicht die Verteilnetze. RWE hat einen Teil an Finanzinvestoren verkauft(25,1% bleiben im Besitz von RWE und die Verantwortung für die Betriebsführung).

    Die sogenannten "Rebellen" sind überhaupt nicht in der Lage ein Stromnetz zu betreiben. Die satten Gewinnen die nach Schweden gehen sollen sind in einem regulierten Geschäft auch nicht zu finden. Zudem besteht die Verpflichtung zu umfangreichen Investitionen. Hier fehlt es einfach an Geld, Wissen und Erfahrung.

    Der Staat ist nie in der Lage ein Unternehmen besser zu führen. Zudem werden die Stromnetze bereits staatlich reguliert, also eine gute Kombination aus Staatsbeteiligung (durch Kontrolle und Überwachung) und intelligenten und effizienten Handeln (durch private Unternehmen).

    Ganz nebenbei bemerkt ist die Forderungen Ökostrom zu produzieren im Zusammenhang mit dem Stromnetz grober Unfug. Ein Netzbetreiber darf per Gesetz kein Strom erzeugen (Unbundling). Somit ist diese Forderung nichts als ein Argument um Unterschriften zu bekommen, aber nicht durchsetzbar.

  • Lieber Herr Dürre...in einem Stromnetz muss die Einspeisung zu jedem Zeitpunkt gleich des Verbrauchs sein. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts hat man die einst regionalen (dezentralen) Netze zu nationalen Netzen und später zu kontinentalen Netzen zusammengeschlossen weil ein Netz umso besser Verbrauchsschwankungen ausgleicht, je grösser es ist. Abseits ökologischer Weltuntergangsprophezeihungen werden grosse Netze mit einem Mix aus Grosskraftwerken bevorzugt.

    Der umweltschädliche Strom aus Wind- und Sonnenenergie ist aufgrund der enormen wetterabhängigen Erzeugerschwankungen am allerwenigsten für dezentrale Netze geeignet. Deshalb geht man eher den umgekehrten Weg um die Schwankungen dieser rein religiös motivierten "Energieerzeuger" etwas zu dämpfen.

    Ein Vergleich der Endkundenpreise für frequenzstablien und bedarfsgerechtem Strom mit den Subventionssätzen wertlosen Zufallsstroms ist unredlich und nicht hilfreich. Der Haushaltsstrompreis enthält gut 40% diverse Steuern. Der Haushaltsstrompreis enthält Vertriebskosten, Marge, Netzkosten, u.v.m. Die Betriebskosten eines umweltfreundlichen Kernkraftwerks betragen 1,5 - 2c/kWh.

    Vandale

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