Energiewende am Kap
Südafrikas Flirt mit der Atomkraft

Sonne bis zum Abwinken: Südafrika ist prädestiniert für Solarenergie. An den Küsten weht es zudem kräftig genug für den profitablen Betrieb von Windkraftanlagen. Trotzdem flirtet der Kap-Staat mit der Atomkraft.

JohannesburgWenige Wochen vor dem Weltklimagipfel in Paris zeichnen sich in Afrikas Süden wichtige Weichenstellungen ab. Nach einer der schwersten Energiekrisen seit seiner demokratischen Wende 1994 plant Südafrika eine Neuausrichtung seiner bisher stark von der Kohle dominierten Stromproduktion. Die Regierung setzt auf einen Mix aus Gas und alternativen Energien – aber auch auf Atomkraftwerke.

Nach den Plänen sollen zwischen 2023 und 2030 sechs bis acht AKWs mit einer Gesamtleistung von 9600 Megawatt (MW) gebaut werden. Ein ranghohes Gremium des regierenden Afrikanischen National- Kongresses (ANC) bestätigte diese Pläne gerade, forderte aber eine erneute Kosten-Nutzen-Analyse. Denn sie stoßen auf scharfen Protest von Greenpeace und anderen Umweltschützern. In Kapstadt, wo Afrikas einziges Kernkraftwerk Koeberg in Sichtweite liegt, warben sie vergangene Woche bei einer internationalen Konferenz für eine Art Energiewende nach deutschem Muster.

„Afrikas Energienachfrage ist vom Jahr 2000 bis 2012 um rund 45 Prozent gestiegen; es wird geschätzt, dass Afrikas Energiesektor bis 2040 auf dem Kontinent 2,5 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen kann“, sagte der deutsche Botschafter Walter Lindner bei der Eröffnung der von der Bundesrepublik mitfinanzierten Konferenz. Und die Branche dringt auf deutlich mehr Tempo.

Ein zeitgleich veröffentlichter Bericht der Internationalen Agentur für alternative Energien (IRENA) kommt zu dem Schluss: Immer preisgünstigere alternative Energieträger könnten bis zum Jahr 2030 rund 50 Prozent von Afrikas Energiebedarf decken. Das wäre ein Vielfaches im Vergleich zu heute, wo Wind-, Sonnen- und Wasserkraft etwa in Südafrika gerade mal auf einen Anteil von fünf Prozent kommen. Dort ist der Zugang zu Strom von 30 Prozent beim Ende der Apartheid auf heute immerhin beachtliche 80 Prozent gestiegen.

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Südafrikas Flirt mit der Atomkraft

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Auch deutsche Unternehmen drängen ans Kap

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