Energiewende
Ein Pakt für den Kohleausstieg

Der Regierungsberater Martin Faulstich hat für die Abschaffung von Kohlekraftwerken plädiert. Regierung, Unternehmen und Gewerkschaften sollten einen „Pakt für den Kohleausstieg schmieden“.
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HamburgDer Regierungsberater Martin Faulstich hat für die Abschaffung von Kohlekraftwerken plädiert. Regierung, Unternehmen und Gewerkschaften sollten einen „Pakt für den Kohleausstieg schmieden“, sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU) der neuen Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Das letzte deutsche Kohlekraftwerk könne bis zum Jahr 2040 abgeschaltet werden, sagte Faulstich. Die meisten Anlagen könnten allerdings schon in den nächsten 15 bis 20 Jahren vom Netz gehen. Den Vorstoß begründete der Professor für Umwelt- und Energietechnik mit der Sorge um die Energiewende. Wenn die Bundesregierung nicht bald für ein Ende der Kohleverstromung sorge, „dann wackelt die Energiewende“, sagte der Experte.

Der SRU hatte schon zuvor das Aus für Kohlekraftwerke gefordert. Vor allem die Verbrennung von Braunkohle, die vergleichsweise viel CO2 freisetzt, ist dem Sachverständigenrat ein Dorn im Auge. Das hochrangige Beratergremium der Bundesregierung hatte erst Mitte März bei der Vorstellung eines Sondergutachtens zum deutschen Strommarkt erklärt: „Letztlich muss der schrittweise Ausstieg aus der Kohle in Angriff genommen werden.“ Auch der weltweit bekannte Klimaexperte und ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer hatte jüngst für ein Ende der Kohlenutzung plädiert. Der notwendigen Strukturwandel solle durch einen „Kohle-Konsens“ sozial abgefedert werden, sagte er vor zwei Wochen in Berlin. Die Grünen und die Linke fordern ebenfalls einen Plan für den Ausstieg aus der Kohleverstromung.

Der SRU setzt sich seit längerem für ein Energiesystem ein, das vollständig aus erneuerbaren Quellen gespeist wird. Dieses Ziel sei bis 2050 technisch möglich, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Zugleich lägen die Kosten langfristig unter denen einer Versorgung mit konventionellen Brennstoffen wie Erdöl und Kohle.

45 Prozent der deutschen Stromversorgung wird durch die Verbrennung von Stein- und Braunkohle gedeckt. Die Menge des aus Kohle erzeugten Stroms stieg zuletzt an, bei Braunkohle-Strom wurde 2013 sogar der höchste Wert seit der deutschen Wiedervereinigung 1990 erreicht.

Grund für den Kohleboom ist vor allem der Verfall der CO2-Zertifikatepreise auf EU-Ebene. Das System war als Abgabe für Treibhausgas-Produzenten eingeführt worden und sollte umweltfreundlichen Alternativen den Weg auf den Markt ebnen. Aufgrund des massiven Preisrutsches und vergleichsweise billiger Rohstoffpreise können die Kohlekraftwerke derzeit aber weiter günstig betrieben werden. Die im Betrieb teureren, aber klimaschonenden Erdgaskraftwerke sind dagegen nicht konkurrenzfähig.

Umweltschützer und Oppositionspolitiker fordern deshalb ein Einschreiten der Bundesregierung. Sie verlangen unter anderem die deutliche Reduzierung der Zahl der CO2-Zertifikate, um den Preis zu erhöhen. Sie plädieren auch für schärfere Effizienzvorgaben für konventionelle Kraftwerke. Das würde den sparsamen Gaskraftwerken Vorteile bringen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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