Erdbebengefahr
Japan warnt vor 35-Meter-Welle bei neuem Fukushima

Japans Regierung ist im Dilemma. Sie will sich über ein Jahr nach Fukushima zwar vom teuren Importstrom lösen und wieder eigenen produzieren. Doch die Angst vor Erdbeben bleibt groß - und dies offenbar berechtigt.
  • 13

TokioGut ein Jahr nach der Atomkatastrophe in Japan schüren zwei neue Studien Zweifel an der Sicherheit der Nuklearreaktoren des Landes. Die von der Tokioter Regierung in Auftrag gegebenen Untersuchungen ergaben Medienberichten vom Wochenende zufolge, dass Japan nicht ausreichend gegen neue Erdbeben und Tsunamis geschützt sein könnte.

Dies dürfte der Diskussion um die Zukunft von Japans 54 Atomkraftwerken neue Nahrung geben. Bis auf einen Meiler sind derzeit alle vom Netz - aus Furcht vor Katastrophen wie der von Fukushima im März 2011.

Die Regierung ist wegen kostspieliger Treibstoff-Importe unter finanziellem Druck und will zumindest einige AKWs möglichst bald wieder anschalten. Einer Studie zufolge könnten bei einem Erdbeben des Ausmaßes von März 2011 bis zu 34 Meter hohe Wellen auf die Küsten prallen.

Bisher waren die Behörden von höchstens 20 Meter hohen Wellen ausgegangen. „Mit den jetzt vorhandenen Dämmen könnten wir einen massiven Tsunami nicht beherrschen“, räumte Katastrophenschutzminister Masaharu Nakagawa ein.

Eine zweiten Studie ergab, dass die direkten Auswirkungen schwerer Erdbeben bisher unterschätzt wurden - so bei einem Beben der Stärke 7,3 nahe der Hauptstadt Tokio. Die Untersuchungen ergaben demnach, dass die als Zentrum eines Bebens identifizierten tektonischen Platten zehn Kilometer höher im Erdinneren liegen als bisher angenommen.

Die Regierung schätzt die Wahrscheinlichkeit eines Bebens der Stärke 7,3 nördlich von Tokio in den nächsten drei Jahrzehnten auf 70 Prozent. Sie geht in einem solchen Fall von rund 11.000 Toten und 850.000 zerstörten Gebäuden aus.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Erdbebengefahr: Japan warnt vor 35-Meter-Welle bei neuem Fukushima"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Hallo Kritiker...Neben dem ökoreligiösem Strahlenglauben gibt es auch einen den Naturwissenschaften entlehnten Strahlenschutz. Dort arbeitet man mit Medizin, Physik und Statistik. In Deutschland und der Schweiz sind ca. 1200 Strahlenschützer im Fachverband für Strahlenschutz organisiert.

    In Tschernobyl wurden abseits der aktuten 58 Todesfälle nirgends Signifikanzen für erhöhte Krebsraten, oder Missbildungen gefunden, so dass man von den Wissenschaftlern immer häufiger die Schätzung von unter 100 Todesfällen in Folge von Tschernobyl hört/liest. Dies ist natürlich ökologisch inkorrekt.

    Die Radioaktivitätsbelastung ist in der Evakuierungszone von Fukushima liegt gem. der veröffentlichten Messwerte etwa in derselben Grössenordnung wie der Südschwarzwald, Titisee - Schluchsee. Es bedarf eines starken ökologischen Glaubens/Phantasie um hier Risiken zu sehen.

    Wenn Sie abseits Ihres Glaubens einen Blick auf die Kernfusion werfen sollten, so werden Sie feststellen, dass diese eigentlich mehr Radioaktivität emittiert als die Kernspaltung. Ich hatte hierzu einen Artikel auf Eike Kernfusion vs. Schneller Brüter verfasst.

    Vandale

  • V/V
    - Eine Folge des Reaktorunfalls in der Ukraine sind Missbildungen, viele Totgeburten, Leukämiekranke etc., wie sich erst viele Jahre nach dem Ereignis zeigt. Offiziell natürlich nicht. Kein Mensch hat valide Studien darüber, wie viele Menschen an Spätfolgen, wie viele Todgeburten, wie viele Missbildungen es wirklich gab, gibt und in den nächsten Generationen geben wird – weil dies von keinem Staat wirklich gewünscht ist und todgeschwiegen wird. Das Leid, das den Opfern und den Angehörigen der Opfer widerfährt ist unermesslich. Diese Narben werden bei betroffenen NIE verheilen – keine noch so große finanzielle Entschädigung hilft, es gibt sie ja noch nicht einmal.
    Fragen Sie mal betroffene, ob sie Befürworter der Kernenergie sind – was glauben Sie, wie wird die Antwort ausfallen?
    Es ist auch völlig egal, was ausgelöst hat, dass man in Deutschland von der Kernkraft weg möchte – die Entscheidung ist definitiv richtig!

    Über mich:
    Ich bin definitiv technisch interessiert, finde Kernkraft faszinierend, finde es schade, dass es keinen Fusionsreaktor gibt, denn unbegrenzte Energie – wäre einfach toll!
    Ich habe gelernt – schalte kein System (=Computerprogramm) ein, von dem Du nicht weißt, wie man es ausschaltet (das würde bei der Kernkraft auch die Entsorgung einschließen). Den Kernkraftanhängern scheint solches Denken völlig fremd.
    Wo stünde die Menschheit, hätte sie nicht Milliarden in Kernkraft investiert, sondern in Brennstoffzellen, alternative Energien etc. Wo stünde die Menschheit, würden sich Politiker und Entscheider nicht kaufen lassen, sondern würden überlegen und nur ja zu dem sagen, was sie wirklich verstehen und wirklich vertreten können?
    Unser Bundesminister für Wirtschaft und Technologie hat eine Ausbildung als Mediziner und weder Ingenieur, noch Ökonom. Selbst Menschen mit adäquater Ausbildung in diesen Feldern brauchen viele Jahre Praxis, um Profi zu sein. Mir gibt das echt zu denken, ich hoffe anderen auch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%