Erdgastreibstoff
Ölkonzerne geben Gas

Auch aus Erdgas lässt sich Sprit gewinnen. Hersteller des Premium-Treibstoffs versprechen weniger Emissionen, geringeren Motorverschleiß und höhere Reichweite. Doch ob synthetischer Diesel umweltfreundlich und wirtschaftlich herstellbar ist, bleibt umstritten.
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AMSTERDAM. V-Power: Mit klangvollem Namen vermarktet Shell seinen Premiumsprit. Für einen Aufpreis von 19 Cent an der Zapfsäule verspricht der Spezial-Diesel beim Verbrennen weniger Schadstoffemissionen, geringeren Motorverschleiß und höhere Reichweite.

Der Supersprit basiert neben chemischen Zusätzen auf einer Beimischung aus verflüssigtem Erdgas. Im sogenannten GTL-Verfahren (Gas-to-Liquids) gewinnen Mineralölkonzerne synthetischen Diesel. Dabei setzen sie Erdgas zu längeren Molekülen zusammen, indem sie es durch einen Katalysator erst in wachsähnliche Paraffine verwandeln und anschließend in flüssige Treibstoffe aufspalten.

Gespalten ist auch die Mineralölindustrie, wenn es um GTL-Treibstoff geht: Für die einen – allen voran Shell – gilt dieser als prestigeträchtige Ergänzung zu herkömmlichem Rohölsprit. Andere dagegen winken ab und stoppen ihre GTL-Projekte aus Kostengründen.

Seine Vorteile hat der synthetische Erdgasdiesel, weil er so gut wie keinen Schwefel, Stickstoff und andere Verunreinigungen enthält und fast schadstofffrei verbrennt. Wie sich GTL-Sprit auf die Luftqualität auswirkt, testen zurzeit Chevron bei San Francisco und Shell in London, Shanghai und Tokio.

Hohe Kosten schrecken Hersteller ab

Der südafrikanische Sasol-Konzern betreibt seit 2006 im Wüstenscheichtum Katar eine kommerzielle Anlage, die täglich 34 000 Fass GTL-Produkte liefern kann. Schon in den 80er-Jahren setzte das politisch isolierte Südafrika auf die GTL-Technik, um die Spritversorgung im Land zu sichern. Chevron ist mit den Südafrikanern ein Joint Venture eingegangen und zu 75 Prozent an einer GTL-Anlage in Nigeria beteiligt. Sie soll 2012 angefahren werden. 

Investitionen hier, Rückzug dort: Exxon hat sein 2004 groß angekündigtes sieben Milliarden Dollar schweres GTL-Projekt in Katar 2007 eingestellt. Auch die französische Total plant zurzeit keine GTL-Großanlagen. Ebenso steht der britische Mineralölkonzern BP der Technik skeptisch gegenüber. „Die kommerzielle GTL-Herstellung ist für BP kein Thema, weil sie unwirtschaftlich ist und dabei mehr Treibhausgase entstehen als bei Rohöldiesel“, sagt BP-Sprecher Detlef Brandenburg.

Investitionskosten schnellen in die Höhe

Shell treibt unbeirrt die GTL-Forschung voran. Eine kleine kommerzielle Anlage in Malaysia gibt es bereits. Ende 2011 soll dann die „Pearl“-Anlage täglich 140 000 Fass GTL-Produkte aus Katar liefern.

Doch auch Shell laufen die Investitionskosten davon. Nach Medienberichten werde das „Pearl“-Projekt deutlich teurer als die anfangs geplanten fünf Milliarden Dollar. Genaue Zahlen veröffentlicht Shell nicht. Das Unternehmen räumt aber ein, dass es sich inzwischen um eine zweistellige Milliardensumme handelt. Katar Petroleum, das als Mehrheitspartner an dem Joint Venture beteiligt ist, nannte im Februar 23 Milliarden Dollar.

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