Erdwärme
Landau und Unterhaching machen Mut

Die ersten beiden deutschen Geothermiekraftwerke in Landau und Unterhaching mit einigen Megawatt Leistung sollen noch in diesem Jahr ans Netz gehen. Weitere Anlagen werden folgen. Das Bundesumweltministerium spricht aktuell von rund 150 Projekten, die in Deutschland geplant seien.

DÜSSELDORF. In Sachen Geothermie kursierten in den vergangenen Jahren gleich eine ganze Reihe von Städtenamen – zwei Projekte befinden sich nun in Deutschland auf der Zielgeraden: In Landau in der Pfalz und in Unterhaching bei München sollen im Herbst Erdwärmekraftwerke in Betrieb gehen. Es sind die ersten beiden großen Projekte in Deutschland. Bislang liefert lediglich eine kleine Anlage Strom, die im November 2003 mit 230 Kilowatt in Neustadt-Glewe in Mecklenburg-Vorpommern ans Netz ging.

Wie schwer das Geschäft mit der Geothermie ist, zeigen die Projekte, die bereits auf der Strecke blieben. Manche wurden gestoppt, noch ehe man überhaupt richtig begonnen hatte. Die Geologie ist nämlich nicht immer so berechenbar, wie es sich die Projektentwickler wünschen: Fließt beispielsweise weniger Wasser im Untergrund als erhofft oder sind die Temperaturen geringer als erwartet, ist die Wirtschaftlichkeit schnell dahin. Offenbach an der Queich ist so ein Name, der für ein aufgegebenes Projekt steht, Ettenheim am Oberrhein ein anderer.

In Speyer wurde unterdessen statt heißem Wasser Erdöl gefunden – womit auch dieser Standort für die Geothermie verloren ging. Und in Basel wurden die Arbeiten an einem Geothermiekraftwerk für unbestimmte Zeit ausgesetzt, weil sie Erbeben bis Stärke 3,4 ausgelöst hatten. Andere Orte sind freilich noch im Rennen: Neuried bei Offenburg, Karlsruhe, Bruchsal zum Beispiel.

In diesem Jahr allerdings blickt die Geothermie-Szene vor allem nach Landau und nach Unterhaching. Gemeinsam ist den beiden Projekten, dass sie recht problemlos voran kamen, und gemeinsam ist ihnen auch das Verfahren: Beide Kraftwerke nutzen die hydrothermale Geothermie, also Wasser aus den Tiefen der Erde. Alternativ dazu gibt es das so genante Hot-Dry-Rock-Verfahren (HDR), das im Stil eines Durchlauferhitzers das heiße Gestein nutzt. Doch diese Technik ist offenkundig schwieriger zu realisieren.

Das Werk Unterhaching bezieht seine Energie aus Tiefenwasser, das in einer Karstschicht des Malm-Zeitalters in gut 3 300 Meter Tiefe fließt – es sind 150 Liter pro Sekunde, 120 Grad heiß. Eine Dampfturbine, die mit einem Ammoniak-Wasser-Gemisch läuft, soll einen Teil der Wärme zu Strom machen. Kalina heißt das Verfahren, es wird von Siemens geliefert. 3,4 Megawatt elektrischer Leistung sollen ab Ende 2007 vom Ortsrand Unterhachings ins Netz fließen. Die restliche Niedertemperaturwärme wird dann über ein Nahwärmenetz in der Gemeinde verteilt, zur Heizung von Wohnhäusern und Unternehmen. 40 Prozent der Haushalte im Ort können im ersten Bauabschnitt mit Erdwärme versorgt werden, am Ende soll die Energie sogar für alle reichen. Betrieben wird das Projekt von einer kommunalen Gesellschaft.

Unterdessen ist auch der Bau des Kraftwerks Landau gut vorangeschritten – im Herbst soll es in Betrieb gehen. Die beiden Bohrungen von 3 000 Meter Tiefe sind fertig gestellt, und die Temperatur des vorgefundenen Wassers ist mit 155 Grad Celsius sogar noch um fünf Grad höher als erwartet. Hinter diesem Projekt steht die Firma Geox, ein Gemeinschaftsunternehmen der Pfalzwerke in Ludwigshafen und der Energie-Südwest in Landau. Rund 2,5 Megawatt elektrische Leistung wird das Kraftwerk liefern.

Weitere Anlagen werden folgen. Das Bundesumweltministerium spricht aktuell von rund 150 Projekten, die in Deutschland geplant seien. Das Investitionsvolumen liege bei ungefähr vier Mrd. Euro. Weltweit sind bereits Geothermiekraftwerke mit zusammen 9 000 Megawatt elektrischer Leistung installiert, wobei Italien, die USA, die Philippinen, Indonesien und Mexiko die größten Erzeuger geothermischen Stroms sind – Deutschland steht im Vergleich dazu noch ganz am Anfang.

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