Ernährung
Warum man mit ruhigem Gewissen Fleisch essen kann

Das Bakterium Ehec verwirrt Verbraucher: War Gemüse gestern noch gesund und moralisch überlegen, wird nun Fleisch wieder zur Alternative. Zum Glück gibt es Tipps, wie man ohne schlechtes Gewissen zum Steak greifen kann.
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DüsseldorfAchtung! Wer gern Fleisch isst, sollte hier weiter lesen. Theresa Bäuerlein will nicht bekehren und ruft auch nicht zum Massen-Vegetarismus auf. Die Journalistin, Jahr 1980, hat mit ihrem Buch „Fleisch essen, Tiere lieben“ ganz andere Ziele.

Bäuerleins Kernthese lautet: Vegetarier sind keine besseren Menschen. Der Verzicht auf Fleisch allein führt nicht zu einer nachhaltigen Produktion von Nahrungsmitteln. Der Untertitel des Buches „Wo Vegetarier sich irren und was Fleischessen besser machen können“ verspricht allerdings mehr, als die 150 Seiten halten. Bäuerlein springt grundsätzlich auf einen Zug auf, den vor allem Jonathan Safran Foer ins Rollen gebracht hat. Sein im August 2010 auf Deutsch erschienendes Buch „Tiere Essen“ landete auf Nummer eins der Ranglisten und hat weltweit eine intensive Diskussion über Fleischproduktion und –verzehr angestoßen. Mitten hinein stieß dann Karen Duve mit ihrem viel besprochenen Buch „Anständig essen: ein Selbstversuch“.

Theresa Bäuerlein will nun einen Schritt weitergehen: Wer sich moralisch einwandfrei ernähren will, muss sehr viel mehr beachten, als „nur“ auf Fleisch zu verzichten. „Ein bewusster Fleischkonsument kann Umwelt, Gesundheit und Klima mindestens ebenso viel helfen, wie ein Vegetarier oder sogar Veganer“, schreibt sie.

Dabei lässt die ehemalige Vegetarierin keinen Zweifel an der Schädlichkeit des Fleischkonsums für die Umwelt aufkommen. Im Detail seziert Bäuerlein die verschiedenen negativen Folgen der heutigen Fleischproduktion und sagt klipp und klar, dass es so nicht weitergehen kann. Wobei Fachleute damit rechnen, dass ich der weltweite Fleischverbrauch bis 2050 sogar noch verdoppeln wird.

Soweit, so bekannt. Das haben auch andere Autoren schon geschrieben. Bäuerleins eigene Leistung ist der Beweis, dass Vegetarier und Veganer auch keine Engel sind. Sie untersucht den Pflanzen-Anbau und kommt zu dem Schluss, dass auch der alles andere als nachhaltig ist. Schließlich geht es ohne den intensiven Einsatz von Kunstdünger weder heute noch morgen.

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  • Die Fleischindustrie ist so grauenhaft, da möchte ich gar nichts mehr mit zu tun haben. Also wenn überhaupt mal, dann nur BIO.

    Milchindustrie: Nur Milch von Demeter & Co. Ich möchte nicht, dass eine Kuh für mich auch nur eine Stunde länger im Stall eingesperrt bleiben muss. Alle Nicht-BIO-Kühe müssen. Der Horror! Dann diese ganzen ständig gemähten Wiesen. Welche Langeweile! Suche mir mittlerweile auch meine Urlaubsorte danach aus. Haben einen dementsprechenden Elternkreis gebildet.

  • einfach ekelhaft! Die Faz hatte auch schon über das Buch berichtet und wie der Artikel im Handelsblatt sind die Argumente nur noch traurig. Es ist recht offensichtlich, dass mit dem Buch Geld gemacht werden sollen und Tiere = Leben keine Rolle spielen. Wem das egal ist, der soll doch weiter Fleisch und tierische Produkte konsumieren, es aber auch offen zugeben. Ist nicht so schwer, machen viele in meiner direkten Umgebung. Wer aber wie die Autorin so ekelhaft unmenschlich argumentiert, der gehört vehement kritisiert. Schön zu wissen, dass es Handelsblatt auch nicht geschafft hat.

  • Natürlich ist das Essen von Fleisch bedenklicher als das Essen von Pflanzen. 1. für die Umwelt, da für die "Produktion" von Fleisch ein erheblich größerer Aufwand an Fläche, Energie, Wasser und Chemie erforderlich ist. 2. ethisch, da dafür empfindungsfähige Lebewesen getötet werden müssen, die meist unendlich qualvoll gezeugt, gehalten, transportiert und umgebracht werden (über 20 Prozent werden in den modernen Schlachtbetrieben bei vollem Bewusstsein gebrüht und zerlegt!). 3. gesundheitlich - die meisten Zivilisationskrankheiten sind auf den hohen Fleischverzehr in unserer Gesellschaft zurückzuführen; hinzu kommt der hohe Medikamenteneinsatz, u.a. von Antibiotika, die über das Fleisch und das Trinkwasser in den menschlichen Körper gelangen, was u.a. zu einer hohen Antibiotikaresistenz geführt hat, weshalb viele Infektionen nicht mehr therapierbar sind. Zudem machen die eingesetzten Maststoffe auch den Menschen dick und impotent, und unserer langer, zottiger Darm hat massive Probleme, Fleisch in großen Mengen zu verstoffwechseln. Fleisch macht also krank und träge, weshalb sich immer mehr Spitzensportler und Topleistungsträger vegetarisch und vegan ernähren. Außerdem haben die Pandemien und etwa auch EHEC in der Massentierhaltung und nirgendwo sonst ihren Ursprung. Und selbstverständlich ist, wie viele Biobauern belegen, eine nachhaltige Produktion von Nutzpflanzen möglich. Wer's genauer wissen will, dem sei z. B. die im Internet einsehbare, von Kofi Annan initiierten und vom World Resources Institute veröffentlichten, mehrbändigen Studie "Millenium Ecosystem Assessment" empfohlen, die die Arbeitsergebnisse von weit über 1300 internationalen Experten zusammenführt und deutlich belegt, was die "Fleischproduktion" unserer Umwelt antut und dass nachhaltige Landbaualternativen möglich und nötig sind.

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