Erneuerbare Energie
Hoffnung auf den grünen Staat

Die Wirtschaftskrise hat den Boom der erneuerbaren Energien gebremst. Banken und klamme private Investoren haben sich ein gutes Stück zurückgezogen. Die Branche hofft nun, dass die grünen Elemente der verschiedenen nationalen Konjunkturprogramme helfen, die entstandene Lücke zu schließen. Auf einer hochkarätig besetzten Branchenkonferenz in London mischte sich darum vorsichtiger Optimismus unter die allgemeine Ernüchterung.
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LONDON. Die weltweiten Investitionen in erneuerbare Energien haben sich nach den Statistiken des führenden Brancheninformationsanbieters New Energy Finance seit 2004 mehr als vervierfacht. 2008 wuchsen sie zwar kaum noch, erreichten aber immerhin noch den Rekordwert von 155 Mrd. Dollar. Dabei kompensierten Risikokapitalfonds und Projektfinanzierer die Halbierung der Einnahmen aus Börsengängen.

„2008 war ein Jahr der zwei Hälften“, sagte Michael Liebreich, Chef von New Energy Finance, auf der von seiner Firma veranstalteten Konferenz. Auf ein 40-prozentiges Wachstum in der ersten Jahreshälfte folgte ein Minus von 23 Prozent in der zweiten. Kredite und Börsenkapital würden mindestens bis Mitte 2009 knapp bleiben, sagte er voraus. „Was dann passiert, hängt davon ab, ob die Zinssenkungen wirken und ob die Regierungen ihre Versprechen einhalten, Investitionen in saubere Energie zu einem wichtigen Teil ihrer Konjunkturprogramme zu machen.“

Ermutigende Anzeichen dafür sieht John Browne, Direktor des Finanzinvestors Riverstone. Die Idee des „grünen Stimulus“, der Konjunkturhilfen mit Klimaschutz kombiniere, habe sich durchgesetzt, sagte der ehemalige BP-Chef. Großbritanniens Premierminister Gordon Brown propagiert einen „Green New Deal“, ein Investitionsprogramm, das innerhalb von acht Jahren 400 000 „grüne Jobs“ schaffen soll.

Doch die größte Hoffnung ruht auch in dieser Frage auf den Schultern des neuen US-Präsidenten. Barack Obama sei fest entschlossen, mit massiven Investitionen in saubere Energie die Ziele Klimaschutz, Energiesicherheit und Arbeitsplätze zu verbinden, sagte Howard Learner, Leiter des Environment Law and Policy Center in Chicago und Energie-Berater des Präsidenten.

Oft übersehen wird hingegen, wie stark sich auch China im Bereich erneuerbare Energien engagiert. Mit jährlichen Investitionen von rund 16 Mrd. Dollar ist das Land schon jetzt einer der führenden Märkte für saubere Energie. Es hat gewaltige Produktionskapazitäten für Solar- und Windenergietechnik aufgebaut. Erneuerbare Energien und Kernenergie hätten bereits einen Anteil von neun Prozent an der Energieversorgung, sagte Siwei Cheng, Wirtschaftsprofessor und Ex-Regierungsmitglied. Für beide Energieformen hat sich die Regierung ehrgeizige Ziele gesetzt.

„China ist dabei, seinen industriellen Apparat auf Energieeffizienz zu trimmen und ein bedeutender Spieler auf den Exportmärkten für Energietechnik zu werden“, bestätigte Mark Moody-Stuart, Chairman des Bergbaukonzerns Anglo American. China werde schon bald der Weltmarktführer für erneuerbare Energien sein, sagte Jeffrey Leonard, Chef des Finanzinvestors Global Environment Fund. Die Investitionen in Schwellenländern könnten bald ein Vielfaches der Ausgaben in Industrieländern erreichen.

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