Erneuerbare Energie
Strom aus dem Meer

In der Meereströmung steckt viel Energie. Doch das Meer wird als günstige und umweltfreundliche Energiequelle bisher kaum genutzt. Mit Wellen- und Gezeitenkraftwerken wollen Energieversorger das ändern. Weltweit arbeiten Entwickler an mehr als 100 Meeresenergieprojekten.

BERLIN. Energie aus dem Meer – nach Eon verstärkt nun auch RWE seine Anstrengungen, die Kraft der Ozeane mit neuen Technologien in Strom zu verwandeln. Vor der idyllischen Küste von Anglesey in Nordwales plant der Essener Energie-Konzern mit seiner Tochter Innogy ein Meeresströmungs-Kraftwerk, das in vier Jahren in Betrieb gehen soll. „Das wäre eines der weltweit ersten kommerziellen Kraftwerke dieser Art“, sagt Kevin McCullough, Mitglied der Geschäftsführung von RWE Innogy. Ausgelegt ist es für eine Leistung von 10,5 Megawatt.

„Meeresströmungsturbinen arbeiten im Grunde wie Unterwasser-Windmühlen, die nicht durch Wind, sondern durch die Wasserströmung angetrieben werden“, erklärt McCullough das Prinzip. Wie bei Windrädern treiben Turbinen über ein Getriebe einen Generator an. An Land wird die Energie in das örtliche Stromnetz eingespeist. Allerdings funktioniert das nicht überall: Geeignet sind nur Bereiche des Meeres mit schnellen Tidenströmungen, die durch Ebbe und Flut verursacht werden. Der Vorteil dieser Energiequelle ist, dass diese Wasserströmungen genauso vorhersehbar sind wie die Tiden, durch die sie verursacht werden. „Dadurch sind sie wesentlich zuverlässiger als Wind- oder Wellenenergie“, sagt McCullough.

Nichtsdestotrotz wird RWE Innogy auch ein Wellenkraftwerk vor der Küste Schottlands errichten. Läuft alles nach Plan, soll die Vier-Megawatt-Anlage bereits im kommenden Jahr gebaut werden. Damit könnten immerhin 1 500 Haushalte mit Strom versorgt werden.

Im Unterschied zu Strömungs- oder Gezeitenkraftwerken baut dieses Prinzip nicht auf den Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut, sondern auf die Bewegungsenergie der Wellen. RWE setzt hierbei auf eine neuartige Wellenbrecheranlage. „Das Wasser dringt hier mit der Energie der anbrandenden Wellen in eine unter dem Wasserspiegel liegende Öffnung und wird beim Ablaufen wieder herausgezogen“, erläutert McCullough. Auf diese Weise wird eine in mehreren Kammern der Röhre eingeschlossene Wassersäule durch stetiges Heben und Senken in Bewegung gesetzt. Effekt: Die Luftmasse über dem Wasser wird dadurch abwechselnd komprimiert oder angesaugt, wodurch eine Turbine angetrieben wird.

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