Erneuerbare Energien
Der Strom kommt auf die Halde

Die Stromproduktion bei Solaranlagen und Windrädern schwankt je nach Wetterlage beträchtlich. Neue Speichertechnik sollen Abhilfe verschaffen. Die Suche nach der besten Lösung macht Energieversorger erfinderisch.
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DüsseldorfLässig lehnt der Mann mit Cowboyhut an dem eckigen, gelben Kasten. Mit breitem, fast unverschämten Grinsen wirbt er für eine Batterie - die ist etwa halb so groß wie ein Kühlschrank. Larry Hagman, Darsteller des fiesen Öl-Magnaten J.R. Ewing in der Fernsehserie "Dallas", will private Haushalte dafür gewinnen, sich das Gerät in den Keller zu stellen.

Die Werbefigur des Bonner Unternehmens Solarworld soll dazu beitragen, die nächste Phase der Energiewende in Deutschland einzuleiten: Der überschüssige Strom aus Wind- und Sonnenenergie wird so lange gespeichert, bis er gebraucht wird. Die Speicher gleichen die großen Schwankungen bei der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien aus und machen diese so zu einem verlässlichen Partner im Energiemix mit konventionellen Kraftwerken.

Bis dahin haben die erneuerbaren Energien ein Problem. Zwar gibt es in Deutschland immer mehr Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen. Alleine im vergangenen Jahr kam die Rekordzahl von 7,4 Gigawatt bei den Solaranlagen hinzu. Außerdem wurden Windräder mit einer Leistung von 1,6 Gigawatt neu installiert. So kommen sie zusammen auf eine Kapazität von acht Atomkraftwerken. In der Nacht und bei einer Windflaute sinkt die Stromproduktion hingegen auf Null. Denn die Solaranlagen liefern nur tagsüber Strom, wenn denn auch die Sonne intensiv scheint.

Dafür aber produzieren die Anlagen tagsüber manchmal mehr Strom als gerade gebraucht wird und die Übertragungsnetze verkraften können. Alleine im vergangenen Jahr mussten die Netzbetreiber Windanlagen häufig abschalten, weil die Netze überlastet waren. Nach Angaben des Bundesverbands Windenergie wurden so bis zu 150 Gigawatt nicht genutzt. "Das sind alarmierende Werte. Hier geht wertvoller CO2-freier Strom verloren", kritisiert Verbandspräsident Hermann Albers.

Das soll sich ändern. "Das Speichern von Strom aus erneuerbarer Energie ist das zentrale Thema der kommenden Jahre", sagt Cornelius Pieper, Energieexperte der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG). Nur dann könne die Wende weg von den fossilen hin zu erneuerbaren Energien in Deutschland gelingen.

Solar- und Windkraftanlagen brauchen zum Ausgleich der Schwankungen immer mehr Speicherkapazität. Bis 2030 werde sich die Kapazität in Deutschland von zehn auf 19 Gigawatt nahezu verdoppeln, erwarten die Marktforscher von Trendresearch in einer neuen Studie. Darüber hinaus seien weitere 3,1 Gigawatt erforderlich, um die hohe Nachfrage bis 2030 zu decken, prognostiziert das Bremer Institut.

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  • Die Kurzdarstellung von „Windgas“ in Zusammenhang mit Greenpeace, täuscht über die tatsächlichen Möglichkeiten hinweg. So lässt sich mit der Power-to-Gas-Technologie aus überschüssigem Strom künstlich Erdgas herstellen und über die vorhandene Infrastruktur aus Leitungen und Gasspeichern der Energiebedarf Deutschlands für Wochen einspeichern und zeitlich wie auch räumlich versetzt ausspeichern. Damit kann man Strom erzeugen, heizen, oder mit der Kraft-Wärme-Kopplung beides gleichzeitig, Fahrzeuge betreiben etc..
    Auch wenn hier noch Entwicklungsbedarf besteht, haben Anlagen mit 25 KW in Stuttgart, im Hunsrück und in Norddeutschland auch in Kombination mit Biogasanlagen sehr gute Ergebnisse erzielt. Weiterer Zeitplan:
    250 KW bzw. 300 m³-Methan-Anlage ZWS Stuttgart Fertigstellung 2012
    6 MW bzw. 4.000 m³-Methan-Anlage AUDI AG Fertigstellung 2013
    Durch die Zusammenarbeit von ZSW, Frauenhofer IWES und der SolarFuel GmbH ist der kommerzielle Einsatz ab 2015 mit einer Einzelanlagengröße bis 20 MW bzw. 13.000 m³-Methan-Anlage geplant.

  • Trotzdem könnten (theoretisch) 150 GW verloren gehen - ist aber natürlich noch schlimmer als 150 GWh ,)
    Bei ca. 27 GW install. Windenergie und 17 GW PV geht es sich aber rechnerisch nicht ganz aus ;D

  • Wenn ich mich nicht täusche, sollte es "adiabater Druckluftspeicher" heissen.

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