Erneuerbare Energien
Europas Spezialist für Wasserkraft

Schon heute produziert Österreich zwei Drittel seines Stroms in Wasserkraftwerken. Um diesen Anteil weiter zu steigern, will die Alpenrepublik massiv in neue Anlagen investieren. Auch Deutsche Versorger profitieren von den Investitionen im Nachbarland.
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WIEN. Österreich steht vor einem Kraftwerksboom: Nach einem weitgehenden Stillstand seit den 90er-Jahren wollen die großen Energiekonzerne der Alpenrepublik jetzt wieder massiv in neue Anlagen investieren. 80 Projekte stehen auf der Liste, 6,2 Mrd. Euro sind dafür veranschlagt.

Der Großteil davon, etwa vier Mrd. Euro, geht in die umweltfreundliche Wasserkraft, die vor allem im Westen des Landes ausgebaut werden soll. Österreich ist Europas Spezialist in Sachen Wasserkraft. Etwa zwei Drittel ihres Stroms produziert die Alpenrepublik schon heute in Wasserkraftwerken. Werden alle Projekte realisiert, erhöht sich die Leistung des österreichischen Kraftwerkparks um etwa 40 Prozent. Derzeit liegt sie bei 21 000 Megawatt.

Die Milliarden für die neuen Kraftwerke halten die Energieversorger für gut angelegtes Geld, denn die Bedeutung des Stroms am Energiemix soll in Österreich weiter steigen. Doch es gibt noch einen weiteren Grund, der für mehr Wasserkraft spricht: Um die Klimaschutzziele zu erreichen, setzen viele EU-Länder, allen voran Deutschland, auf Strom aus Wind- und Sonnenkraft. Wenn die Sonne aber nicht scheint und der Wind nicht weht, braucht man Energiereserven.

Und die liefert die Wasserkraft mit sogenannten Pumpspeicherkraftwerken. Fehlt es an Strom, wird das Wasser aus den Stauseen abgelassen und treibt Turbinen zur Stromerzeugung an. In Zeiten mit viel Solar- und Windenergie wird hingegen wieder Wasser in die Stauseen in Österreich gepumpt. „Wir haben damit eine lange Tradition und großes Potenzial“, sagt Stefan Schleicher, Energieexperte am Wiener Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo.

Kein Wunder also, dass deutsche Energieversorger bereits über umfangreiche Nutzungsrechte an den bestehenden (Wasser-)Strom-Batterien verfügen. So erneuerte EnBW in diesem Sommer ein Abkommen mit den Vorarlberger Illwerken, das es den Deutschen erlaubt, Kraftwerke in Österreichs Westen zu nutzen. Einen anderen Weg wählte Eon. Im Vorjahr verkaufte der Düsseldorfer Konzern seine Innkraftwerke an den Verbund-Konzern, ließ sich aber nur Zweidrittel des Kaufpreises überweisen. Für den Rest sicherte sich Eon Kapazitäten an einem Speicherkraftwerk im Tiroler Zillertal – und zwar für die nächsten 20 Jahre.

Außer den Pumpspeichern finden sich auch Laufkraftwerke auf der Bauliste von Österreichs Energiewirtschaft. Das sind Kraftwerke in Flüssen mit ausreichend Gefälle für die Stromerzeugung. Allerdings wehren sich Umweltschützer und Anwohner gegen neue Kraftwerke. In der Steiermark konnten Projektgegner einen Etappensieg mit Signalwirkung verbuchen. Hier entschied sich die Politik für eine Volksbefragung über ein umstrittenes Wasserkraftwerk nahe Graz. Der Energieversorger stoppte daraufhin die Planungen.

Die Bundespolitik bereits Zugeständnisse gemacht. So sah der von der E-Wirtschaft vor zwei Jahren vorgelegte Masterplan Wasserkraft einen Ausbau um sieben Milliarden Kilowattstunden bis 2020 vor. In Österreichs neuer Energiestrategie findet sich mittlerweile aber nur mehr eine abgespeckte Version – und zwar mit 3,5 Milliarden Kilowattstunden bis 2015.

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  • Energie ist niemals "erneuerbar", und das HANDELSbLATT sollte sich nicht mit zur Schau gestelltem Unverständnis für Naturwissenschaften outen. "Erneuerbar" ist eine Marketing-Worthülse, in der die sinnvolle Wasserkraftnutzung mit der energiewirtschaftlich völlig unsinnigen parasitären Windmühl- und Solarwirtschaft zusammengepackt wird - auch daher wäre es korrekt, den begriff zu vermeiden.
    Als nächstes gehört der begriff "umweltfreundlich" auf den redaktionellen Prüfstand! Warum ist eine Talsperre, in der Zehntausende von sonst ach so schützenswerten biotopen verschwinden, plötzlich "umweltfreundlich", ein staubgefiltertes Kohlekraftwerk, das die Pflanzennahrung CO2 erzeugt, aber nicht? Hat jemand schon mal die bäume in seinem Lieblingswald gefragt, was SiE für "umweltfreundlich" halten?
    Zuletzt zu den "Klimazielen". Was ist denn ein "Klimaziel", daß das HANDELSbLATT diesen begriff ständig benutzt? Etwa die beeinflussung des Wetters - als inputgröße der willkürlichen Statistik namens "Klima"? Vielleicht könnte sich in der Redaktion einmal endlich jemand damit auseinandersetzen, daß es keinerlei Wettersteuerung durch CO2 gibt - das ganze ist physikalischer Nonsense. Deutsche Wissenschaftler sind bei der physikalischen Widerlegung der Treibhausmärchen führend, und einer der wichtigsten wohnt 20 Autominuten von der Düsseldorfer Redaktion entfernt. Wurde er schon einmal zum interview eingeladen?

  • Tja die Österreicher sind in dem Punkt mal wirklich zu beneiden, wir müssen uns mit dem dämlichen Atomquatsch rumärgern, für den es auf der ganzen Welt nie ein Endlager geben wird!!!

    Versteh eh nicht wieso die glorreichen Vier Aktiengesellschaften sind, die verursachen den Atommüll und die Gesellschaft soll sich um die Entsorgung kümmern, das ist doch absoluter blödsinn und hat doch mit einer ordentlichen Marktwirtschaft nichts zu tun!!!

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