Erneuerbare-Energien-Gesetz
Öko-Energie verteuert die Stromnetze

Die Einspeisung von Ökostrom ins Stromnetz kostet die Verbraucher zusätzlich zur EEG-Umlage jährlich dreistellige Millionenbeträge. Bezahlt wird das Geld über die Netzentgelte, die in die Stromrechnung einfließen. Nach Ansicht von Fachleuten sind die Kosten viel zu hoch.

BERLIN. Die Experten fordern bei der anstehenden Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) einen Systemwechsel. „Die Netzbetreiber verteuern das Verfahren künstlich. Die Mehrbelastung ist für die Verbraucher erheblich. Und sie wächst mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien stetig“, sagte eine Sprecherin des Bundesverbandes Neuer Energieanbieter (BNE). In einem vom BNE in Auftrag gegebenen Gutachten, das dem Handelsblatt vorliegt, wird der gesamte Vermarktungsmechanismus in Frage gestellt. Auch der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) sieht das derzeitige Verfahren kritisch: „Den Netzbetreibern beschert das System erhebliche Arbitrage-Gewinne, die sie nur ungern hergeben wollen“, sagte Milan Nitzschke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie, dem Handelsblatt.

Der Hintergrund: Die Einspeisung von Ökostrom stellt die Betreiber der vier Übertragungsnetze vor Herausforderungen. Während konventionelle Kraftwerke langfristig kalkulierbare Strommengen in stets gleicher Größenordnung liefern, ist das Ökostrom-Aufkommen – etwa wegen stark schwankenden Windes – nur begrenzt prognostizierbar. Um einen kontinuierlichen Stromfluss zu gewährleisten, müssen die Netzbetreiber deshalb teure Regel- und Ausgleichsenergie bereit stellen. Darüber hinaus entstehen ihnen Kosten, weil sie Prognosen über das Ökostromaufkommen anstellen und ein aufwändiges Energiedatenmanagement betreiben müssen.

Die Kosten, die dabei entstehen, lassen die Übertragungsnetzbetreiber als Preisbestandteil in die Netznutzungsentgelte einfließen. Nach Berechnungen der BNE-Gutachter dürften sich die Aufwendungen allein im Jahr 2005 zwischen 235 Mill. und 315 Mill. Euro bewegt haben. Da der Ökostrom-Anteil mit hohem Tempo steigt, der Prognosegenauigkeit jedoch Grenzen gesetzt sind, wächst auch der Aufwand entsprechend: Im vergangenen Jahr lag er laut Gutachten bereits zwischen 381 und 481 Mill. Euro.

Die Gutachter der LBD-Beratungsgesellschaft kommen zu dem Ergebnis, „dass die durch die Übertragungsnetzbetreiber in Ansatz gebrachten Aufwendungen für die Veredelung des EEG-Stromaufkommens energiewirtschaftlich nicht angemessen sind“. Doch selbst mehr Effizienz der Netzbetreiber könnte das Problem nach Auffassung der Gutachter nicht lösen. Sie halten die Ineffizienz zu einem großen Teil für systembedingt.

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