Erneuerbare Energien Schweizer Firma will dafür sorgen, dass wir künftig Ameisensäure tanken

Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft, doch er lässt sich schwer lagern oder transportieren. Schweizer Forscher wollen das explosive Gas mit Ameisensäure zähmen.
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Der Protoyp der „Hydrogen Reformer-Proton-Exchange-Membrane-Fuel Cell“ ist ungefähr so groß wie ein geräumiger Kühlschrank und könnte in entlegenen Gebieten zum Einsatz kommen, in denen es keine Stromversorgung gibt. (Foto: GRT)
Brennstoffzelle Hyform-Pempfc

Der Protoyp der „Hydrogen Reformer-Proton-Exchange-Membrane-Fuel Cell“ ist ungefähr so groß wie ein geräumiger Kühlschrank und könnte in entlegenen Gebieten zum Einsatz kommen, in denen es keine Stromversorgung gibt. (Foto: GRT)

ZürichJeder fängt mal klein an: Die Brennstoffzelle, die Luca dal Fabbro am Montag im schweizerischen Städtchen Orbe in Betrieb genommen hat, erzeugt gerademal eine knappe Kilowattstunde an Strom. „Das reicht immerhin für einen Fön“, erklärt der Chemieingenieur, der das schweizerische Unternehmen GRT leitet. „Aber wir stehen ja auch noch am Anfang“.

Die Ausbeute des Projekts mag überschaubar sein, doch die Ambitionen sind enorm. Gemeinsam mit der polytechnischen Hochschule von Lausanne hat GRT eine neuartige Brennstoffzelle gebaut, die mit Ameisensäure und Wasserstoff betrieben wird. Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft: Er ist farb- und geruchlos und verursacht keine Abgase.

Seit Jahrzehnten träumen Ingenieure davon, eines Tages damit Autos oder ganze Kraftwerke zu betreiben. Doch es gibt ein Problem: Das Gas braucht viel Platz und ist leicht entflammbar – ein Grund für die Katastrophe des Luftschiffs „Hindenburg“, das 1937 in Flammen aufging.

„Es brennt. Es brennt. Und es stürzt ab“
Über New York
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Die Katastrophe wurde live im Radio übertragen. Reporter Herbert Morrison berichtete am Abend des 6. Mai 1937 von der geplanten Landung des Luftschiffs „Hindenburg“ in Lakehurst im US-Bundesstaat New Jersey, ganz in der Nähe der Metropole New York.

Am Empire State Building
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Die „Hindenburg“ hatte schon mehr als 60 Fahrten hinter sich, auch diese war bislang ganz normal verlaufen. Doch dann schossen plötzlich Flammen aus dem Heck.

Beim Landeanflug
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„Es brennt. Es brennt und es stürzt ab“, schrie Radioreporter Morrison ins Mikrofon. Innerhalb von Sekunden ging das gewaltige Luftschiff komplett in Flammen auf und Morrison wurde am Mikrofon von seinen Gefühlen überwältigt. „Das ist so furchtbar, die schlimmste Katastrophe der Welt“, schluchzte er.

Flammen am Heck
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Die Katastrophe beim Lademanöver in Lakehurst: 36 Menschen sterben, 13 Passagiere, 22 Crewmitglieder und ein Mitglied der Bodenmannschaft. Die LZ 129 „Hindenburg“ wird völlig zerstört.

Ursache unklar
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Es war weder das erste noch das schwerste Unglück der Luftschifffahrt – aber das Ende einer Ära. Die Ursache ist bis heute nicht vollständig geklärt.

Flammenmeer
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Die meisten Experten gehen von einer elektrostatischen Entladung aus, die das Gas entzündete.

Völlig zerstört
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Schwarzer Rauch steigt nach dem Crash in Lakehurst auf: Die „Hindenburg“, benannt nach dem deutschen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg (1847-1934), der Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt hatte, galt als die „Titanic der Lüfte“, als das größte und schönste Luftschiff der Welt.

Die Forscher aus der Westschweiz haben nun eine Lösung für das Lagerungsproblem präsentiert: Sie verwenden Ameisensäure, um Wasserstoff zu gewinnen. Ameisensäure, die etwa in manchen Entkalkungsmitteln zum Einsatz kommt, lässt sich einfach lagern und transportieren. Aus einem Liter der Säure lassen sich mit einem geeigneten Katalysator rund 590 Liter Wasserstoff erzeugen.

Bislang kam die Ameisensäure-Wasserstoff-Brennstoffzelle nur im Labor zum Einsatz, jetzt möchten die Forscher sie kommerziell vermarkten. Ihr Gerät mit dem etwas sperrigen Namen „Hyform-Pempfc“ (Hydrogen Reformer-Proton-Exchange-Membrane-Fuel Cell) soll sowohl für den Hausgebrauch als auch für industrielle Anwendungen geeignet sein.

Der Protoyp ist ungefähr so groß wie ein geräumiger Kühlschrank und könnte in entlegenen Gebieten zum Einsatz kommen, in denen es keine Stromversorgung gibt – zum Beispiel in Berghütten oder Forschungsstationen. Doch das soll erst der Anfang sein.

„Wir möchten damit den Übergang zu einer vollständigen erneuerbaren Energieversorgung ermöglichen“, sagt GRT-Chef dal Fabbro. Denn der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion wächst zwar seit Jahren, der erzeugte Strom lässt sich aber nur schwer speichern.

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6 Kommentare zu "Erneuerbare Energien: Schweizer Firma will dafür sorgen, dass wir künftig Ameisensäure tanken"

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  • Die energetische Ausbeute der Reaktion ist ebenfalls schlecht. Während für 1 mol Ameisensäure 425 kJ in die Rechnung eingehen, werden bei der Verbrennung von 1 mol Wasserstoff zu Wasser nur 286 kJ frei. Wenn Wasserstoff aus der Elektrolyse von Wasser gewonnen wird, wird der Wirkungsgrad sich weiter verschlechtern. Praktisch ist diese Art der Speicherung erneuerbarer Energie ähnlich unwirtschaftlich wie die Power-to Gas-Technologie (Praktischer Wirkungsgrad 20%).
    Auch ich kann nur zu dem Schluß kommen: Es lohnt sich schon in der Schule in Physik und Chemie gut aufzupassen :-(

  • @ G.Nampf: verbreiten Sie Fakenews?

    Dichte H2 = 0,0889 kg/m3 => 0,0889 g/l; ergibt bei Ihrer Rechnung ein Volumen von 589 Liter H2 je Liter CHOOH

    Gegenrechnung unter der Verwendung der Gaskonstante:
    1 mol H2 (=2g) hat ein Volumen von 22,4 Litern

    1 Liter CHOOH = 1,22 kg = 26,5 mol
    26,5 mol * 22,4 l/mol = 596 l Wasserstoff

    Interessanter wäre bei diesem Artikel die Frage der energetischen Effektivität: wie viel Energie muss aufgewendet werden um die Ameisensäure herzustellen


  • "Die Ausbeute des Projekts mag überschaubar sein, doch die Ambitionen sind enorm. Gemeinsam mit der polytechnischen Hochschule von Lausanne hat GRT eine neuartige Brennstoffzelle gebaut, die mit Ameisensäure und Wasserstoff betrieben wird. Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft ..."

    Solche Projekte sind jede Anstrengung wert und lohnen schon aufgrund ihres Erkenntnisgewinns jeden Aufwand. Also: Viel Erfolg!

  • " Aus einem Liter der Säure lassen sich mit einem geeigneten Katalysator rund 590 Liter Wasserstoff erzeugen."

    Nein, aus einem Liter Ameisensäure (CH2O2) entstehen 58.9 Liter Wasserstoff und 589 Liter CO2

    CH2O2 --> CO2 + H2

    1 mol (46 g) Ameisensäure ---> 1 mol (44 g ) CO2 + 1mol (2g) H2

    Dichte (CO2) : 1.98 g/l ; Dichte (H2) : 0.899 g/l, Dichte Ameisensäure : 1.22 g/cm3 =1220 g/l = 26.52 mol/l

    CO2: 44g/1.98 g/l = 22.22 l ; 22.22 l * 26.5= 589.33 l CO2
    H2: 2 g /0.899 g/l = 2.225 l ; 2.225 l *26.5 =58.9 l

    Kann jeder Zehntkläßler heutzutage

  • Die Frage ist nicht ernst gemeint, oder?

  • Was spricht denn gegen Benzin/Diesel als Energieträger?

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