Experteninterview
„Es muss noch Monate gekühlt werden“

Karlsruher Forscher modellieren, wie sich die Situation am japanischen Unglücksmeiler entwickeln kann.   Joachim Knebel vom Karlsruher Institut für Technologie erläutert die nun möglichen Szenarien.
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Herr Knebel, Sie leiten eine rasch zusammengestellte große Arbeitsgruppe, die sich mit den aktuellen Ereignissen rund um den japanischen Reaktor Fukushima I befasst. Welche Fragestellungen stehen dabei im Vordergrund?

Es geht im Prinzip darum herauszufinden, welche Reaktorkomponenten zerstört wurden oder wie sich dieser Unfall im Reaktor fortpflanzt – vom Kühlwasserverlust über Aufheizung des Kerns bis hin zur Zerstörung des Reaktorgebäudes oder im schlimmsten Fall einer Kernschmelze.

Wie kommen Sie an Ihre Daten? Sind Sie zufrieden mit dem Informationsfluss aus Japan?

Die Daten sind nicht umwerfend, aber die japanische Seite versucht ihr möglichstes, um Informationen zu liefern. Zusammen mit der Gesellschaft für Reaktorsicherheit, der Internationalen Atomenergiebehörde und anderen Forschungseinrichtungen versuchen wir so viele Daten zu bekommen, wie es geht, und tauschen uns aus. Auch die Medien liefern wichtigen Input wie zum Beispiel aktuelle Satellitenbilder oder Bilder aus der Anlage selbst. Hier überschlagen sich die Meldungen, leider nicht zum Guten. Aus diesem Grund können Einschätzungen schnell überholt sein!

Und diese speisen Sie dann in Ihre Modelle?

Wir arbeiten mit Annahmen und spielen verschiedene Szenarien durch bis hin zur schlimmsten anzunehmenden Entwicklung, die wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mehr ausschließen können. Wir spielen beispielsweise durch, was passiert, wenn der Kern und die Brennelemente im Lagerbecken schmelzen. Im Moment definieren wir also vor allem die Randbedingungen und stellen unsere Modelle so auf, dass wir schnell reagieren können, wenn sich die Datenlage ändert. 

Können Sie das an einem konkreten Fall erklären?

Wir beobachten die Freisetzung von radioaktiven Spaltprodukten, die zum Beginn des Unfalls beim gezielten Abblasen des Dampfs aus dem Reaktorgebäudes in die Umwelt gelangten. Jetzt, wo die Reaktorgebäude stark beschädigt sind, müssen wir stark erhöhte Dosiswerte beobachten. Das bedeutet, dass massiv radioaktive Stoffe in die Umgebung gelangen. Kennt man dann die genauen Windprofile – etwa über den Deutschen Wetterdienst –, kann man sehr genau berechnen, wohin sich die Radioaktivität ausbreitet. Die Wetterdaten nutzen wir zusammen mit Angaben zur Topographie in der Region, um verschiedene Szenarien durchzuspielen – und können ausrechnen, wie lange es unter bestimmten Annahmen dauert, bis der Fallout in Tokio ankommt und in welcher Größenordnung.

Messen Sie auch aktiv in Deutschland oder Europa?

Wir haben Zugang zu den weltweiten Netzwerken von Messsstationen.

Wie viel Fallout könnte in Deutschland ankommen?

Quantitative Abschätzungen können wir momentan noch nicht abgeben. Wegen der sehr großen Entfernung und der umfassenden Durchmischung in der Atmosphäre ist anzunehmen, dass nicht viel davon Deutschland erreicht – zumal ein Teil unterwegs durch Niederschläge ausgewaschen wird. Man kann dagegen relativ genau ausrechnen, wie viel sich in Japan niederschlagen wird. Ich möchte aber betonen: Wir haben keine zuverlässigen Aussagen und Messdaten aus Japan über die Aktivitätsfreisetzungen, so dass wir unsere Rechnungen fortwährend angleichen müssen.

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  • Vielleicht schickt irgendjeman mal Bleiblech nach Japan

    damit die Feuerwehrleute das Blech über die fahrerkanzeln legen können.

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