Explosiver Untergrund Krater im Meeresboden vor Helgoland

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Schwere Stürme als Auslöser
Am 18. April 1947 zerstörte die britische Armee mit einer gigantischen Sprengung die Bunkeranlagen auf der Insel. Quelle: dpa
Sprengung auf Helgoland vor 70 Jahren

Am 18. April 1947 zerstörte die britische Armee mit einer gigantischen Sprengung die Bunkeranlagen auf der Insel.

(Foto: dpa)

Das Methan entstand aus der Zersetzung von Pflanzenmaterial, das zum Teil von Flüssen wie der Elbe in die Nordsee geschwemmt worden war. Anschließend bedeckten Sedimente die Überreste, so dass Bakterien sie nur unter Sauerstoffmangel abbauen konnten. Die darüber liegenden Sande und Tone hielten das Methan dann gefangen, bis überdurchschnittlich hohe Temperaturen 2014 und 2015 den Aufstieg des Gases im Untergrund einleiteten.

Den finalen Auslöser für den Ausbruch bildeten schließlich schwere Stürme, die im Herbst 2015 durch die Region zogen. Sie erzeugten Wellen mit einer Höhe von bis zu sieben Metern, die wiederum am Meeresboden starke Druckschwankungen verursachten. Wie eine Pumpe aktivierten sie die Gasblasen, die schließlich explosiv durch den Sedimentdeckel schossen.

Wo das Meer die Arktis frisst
Arktische Permafrost-Küste
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34 Prozent der Küsten weltweit sind Permafrost-Küsten. Das heißt, der Boden enthält jede Menge gefrorenes Wasser, das die eingelagerten Sedimente wie Zement zusammenhält. Doch in Zeiten des globalen Klimawandels wird dieser Zement brüchig. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Erodierende Steilküste auf Herschel Island
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In den vergangenen Jahren hat sich das Auftauen der Permafrost-Küsten so stark beschleunigt, dass sich das Meer in manchen Regionen über 20 Meter pro Jahr ins Land frisst. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung haben das Phänomen auf der nordkanadischen Permafrost-Insel Herschel Island untersucht und dokumentiert. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Erodierende Steilküste auf Herschel Island
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„Herschel Island verliert pro Jahr bis zu 22 Meter seiner Steilküste. Der aufgetaute Permafrostboden rutscht dann in Form von Schlammlawinen ins Meer und trübt die umgebenden Flachwasserbereiche so großflächig ein, dass die braun-grauen Sedimentfahnen viele Kilometer weit ins Meer hineinreichen“, erläutert AWI-Forscher Michael Fritz. (Foto: AWI/Michael Krautblatter)

An der Küste von Herschel Island
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Taut der Permafrost auf, lösen sich die zuvor im Eis eingeschlossenen Sedimente, Tier- und Pflanzenreste und werden von den Wellen ausgewaschen. Bei diesem Vorgang werden nicht nur die klimarelevanten Treibhausgase Kohlendioxid und Methan freigesetzt. Das erodierte Material enthält auch jede Menge Nähr- und Schadstoffe wie Stickstoff, Phosphor oder Quecksilber. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Satellitenbild von Herschel Island mit gut sichtbaren Sedimentfahnen vor der Küste
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Diese Stoffe gelangen ins Meer, werden dort weiter transportiert, abgebaut oder angereichert und verändern nachhaltig die Lebensbedingungen im Flachwasserbereich. „Die Folgen für das Nahrungsnetz können wir bisher nur erahnen“, sagt Michael Fritz. (Foto: NASA Worldview)

Erodierende Steilküste der Herschel Insel
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Wie sich die Biogeochemie der Küstenzone im Zuge der zunehmenden Erosion verändert und welche Konsequenzen dies für die Ökosysteme, für wichtige Fischgründe und somit am Ende auch für die Menschen in der Arktis hat, ist tatsächlich bislang noch kaum untersucht worden. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Forschungsarbeit an der Küste von Herschel Island
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Vor allem logistische Probleme haben bislang eine genauere Erforschung des Phänomens verhindert. Viele der arktischen Küsten- und Flachwasserzonen sind weder per Auto oder Flugzeug noch mit großen Eisbrechern zu erreichen. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Obwohl Methan ein starkes Treibhausgas ist, beschwichtigen die Forscher, was die Folgen dieses Ausbruchs angeht: Die freigesetzte Gasmenge entspreche nur 0,5 Prozent des gesamten Jahresausstoßes der Bundesrepublik.

Allerdings dürfte weltweit der Meeresboden in Küstennähe mit Methangasblasen versetzt sein. Steigende Wassertemperaturen und häufigere Extremereignisse könnten sie mobilisieren und öffnen, so dass negative Folgen für das Klima durchaus möglich sind.

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