Finanzbranche
Klimaschutz wird zum Kerngeschäft

Trotz der Wirtschaftskrise wollen führende Finanzinstitute den Klimaschutz in ihrem Kerngeschäft verankern, weil sie den Klimawandel als größtes langfristiges Problem ansehen. Unternehmen wie Crédit Agricole oder HSBC streben nach internationalen Standards.

BERLIN. Trotz der Wirtschaftskrise wollen führende Finanzinstitute den Klimaschutz in ihrem Kerngeschäft verankern, weil sie den Klimawandel als größtes langfristiges Problem ansehen. Crédit Agricole, HSBC, Münchener Rück, Standard Chartered und Schweizer Rück verpflichteten sich zu den „Climate Principles“ (CP). Diese Prinzipien wollen sie als internationalen Rahmen für die Branche etablieren. „Da wir als Kreditgeber, Berater, Investoren und Versicherer großen Einfluss auf das Management von Klimarisiken sowie der Chancen zur Entwicklung einer kohlenstoffarmen Wirtschaft haben, müssen wir Produkte und Dienste entwickeln, damit unsere Kunden und Partner diesen Herausforderungen begegnen können“, so die Institute.

„Klimaneutral“ zu arbeiten, wie dies kürzlich auch die Deutsche Bank ankündigte, ist ihnen nicht genug. Energieeinsparung sowie der Kauf von Ökostrom und Klimazertifikaten seien nur erste Schritte. „Wir wollen bei der Produktentwicklung weit über das hinaus gehen, was heute als Best Practice in der Branche gilt“, sagte Emily Farnworth dem Handelsblatt. Sie ist Direktorin der Nichtregierungsorganisation „The Climate Group“, die als Sekretariat für die CP fungiert.

Die Herausforderung sei, die Klimaeffekte aller Geschäftsbereiche zu verstehen sowie Werkzeuge, Produkte und Dienste zu entwickeln bei Research, Vermögensverwaltung, Privatkunden- und Firmenkundengeschäft, Investment-Banking und (Rück-)Versicherung. Für alle Bereiche geben die Prinzipien Aufgaben vor, die die Institute bewältigen müssen. Setzen sie das konsequent um, würden Kredit- und Versicherungstarife an bestimmte Emissionsgrenzen gebunden. Unklar ist, ob vorhandene Produkte umgestellt und welche Investitionen nötig werden.

Die Entwicklung der Klimaprinzipien begann bereits 2006. Seit Jahresbeginn wurden rund 20 Institute konsultiert, von denen einige die Unterzeichnung für 2009 in Aussicht stellten, so Farnworth. Die Gruppe will ihre Aktivitäten mit anderen Klima- und UN-Umweltinitiativen koordinieren. Beobachter loben, dass sie Klimaschutz in alle Finanzdienste integrieren will und Standards setzen will.

Die Institute verpflichteten sich, über ihre Fortschritte zu berichten. Ein Lenkungsausschuss soll ihre Leistungen jährlich anhand öffentlich zugänglicher Informationen prüfen. Das Monitoring, die Transparenz und die Glaubwürdigkeit stehen jedoch vor einem Problem: Die „Climate Principles“ enthalten zum Kerngeschäft keine konkreten Ziele. Indikatoren und Mindestanforderungen müssten in den nächsten Jahren entwickelt werden, räumte Farnworth ein. Anfang nächsten Jahres starten Arbeitsgruppen, die bis Jahresmitte zu allen Bereichen Ziele und Zeitvorgaben erarbeiten sollen. „Ende 2009 wird darüber sowie über die Fortschritte innerhalb der Institute berichtet“, kündigte Farnworth an.

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