Fischerei-Kollaps in Uganda: Der langsame Tod des Viktoriasees

Fischerei-Kollaps in Uganda
Der langsame Tod des Viktoriasees

Der Viktoriasee ist der größte See Afrikas. Sein reicher Fischbestand hat Generationen von Ostafrikanern mit Nahrung versorgt. Aber in Uganda haben es die Menschen übertrieben. Jetzt droht dem See ein langsamer Tod.
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KampalaDer Fischer Joseph Kibooli steht vor seinem leeren Boot und schaut betrübt auf das stille Wasser des Viktoriasees. „Noch bis vor drei Jahren konnte ich jeden Tag bis zu 100 Kilogramm Fisch fangen“, sagt er. Jetzt seien es höchstens 30 Kilo und manchmal auch gar nichts. „Wenn nicht dringend etwas unternommen wird, dann wird sich der See in eine Wüste verwandeln“, erklärt der 37-Jährige.

Meist bricht er vom Strand des Dörfchens Ssenyi, etwa 70 Kilometer südlich der Hauptstadt Kampala, zum Fischfang im zweitgrößten Süßwassersee der Erde auf. Aber Experten warnen, dass das Gewässer schon bald nicht mehr in der Lage sein wird, die Millionen Menschen zu ernähren, die mittlerweile von ihm abhängig sind.

Der Viktoriasee umfasst 69.000 Quadratkilometer und hat damit in etwa die Größe Bayerns. Er grenzt auch an Tansania und Kenia, aber besonders dramatisch ist die Lage in Uganda, wo unkontrollierte Überfischung, die zunehmende Überbevölkerung und Wasserverschmutzung zum Aussterben der See-Lebewesen beitragen.

„Auf der gesamten ugandischen Seite befinden sich Blumenfarmen am Ufer. Sie leiten Chemikalien in den See, die die Fische töten und die Artenvielfalt zerstören“, sagt Frank Muramuzi, der Direktor der Umweltschutzgruppe „National Association of Professional Environmentalists“ (Nape). Daneben gibt es noch zahlreiche weitere Industrieanlagen und Fischfabriken, die das Wasser verunreinigen. „Der See stirbt langsam und die ökologischen Folgen werden irreversibel sein.“

Die Industrieabfälle erstickten den See langsam, meint Naomi Namara, die Sprecherin der staatlichen Umweltbehörde NEMA. Studien hätten zuletzt ergeben, dass etwa der Tilapia-Fisch (Buntbarsch) keine Eier mehr am Ufer lege, weil es dort zu schmutzig und zu sauerstoffarm sei. „Sie schwimmen herum und legen unbefruchtete Eier, die sie letztlich selbst fressen.“

Auch siedeln seit Jahren immer mehr Menschen rund um das Ufer und versuchen, sich mit Fischfang einen Unterhalt zu verdienen. Mehr als eine Million Ugander leben mittlerweile in der Region – zu viele für die schwindende Zahl der Fische.

Noch bis 2007 wurden etwa 500.000 Tonnen Süßwasserfisch verarbeitet. 223.000 Tonnen davon stammten aus dem Viktoriasee. Sechs Jahre später waren es laut dem ugandischen Statistikbüro nur noch 193.000 Tonnen. Allein von 2011 bis 2012 verzeichnete die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) in ganz Uganda einen Rückgang von 6,8 Prozent. Dennoch ist das ostafrikanische Land weiter der größte Produzent von Süßwasserfisch in Afrika.

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Illegale Fangmethoden setzen dem Fischbestand zu

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  • ich finde es auch pervers wenn bei uns selbst in der kantine Victoriabarsch angeboten wird. Mit Fangquote kann der See somit wenn dann die drei Staaten dort ernähren.

    Was brauchen wir Fisch aus dem See???? Warum nicht Forellen aus heimischen Fischzuchtanlagen, die auch viel besser überwacht werden können.

    Wichtig wäre auch das die dortige Bevölkerung Umweltschutzverständniss entwickelt und sich nicht ins Essen "sche...."

  • Die Bevölkerung Ugandas hat sich in den letzten 50 Jahren versechsfacht - noch Fragen? Alles andere (Verschmtzung, ...) ist verglichen damit vergleichsweise nebensächlich.

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