Flucht vor Naturkatastrophen
Vom Klimawandel vertrieben

Während Forscher und Politiker noch nach Wegen zur Begrenzung des Klimawandels suchen, ist er an vielen Orten längst bittere Realität geworden. Wie in China, wo Naturkatastrophen Millionen Menschen vertrieben haben.

DachaYang Zhenjun will nicht wegziehen aus dem Tal, in dem seine Familie seit fünf Generationen Schafe hütet und Ackerbau betreibt. Dennoch weiß der Dorfälteste von Dacha in der Provinz Ningxia, dass er seine Heimat in den trockenen Bergen bald verlassen muss.

Von ehemals 60 Familien der Gemeinde sind noch elf übrig, die anderen zogen aus der Gegend im Nordwesten Chinas in die Ebenen mit besserer Infrastruktur und genügend Wasser im Norden.

„Das Dorf ist komplett gestorben“, sagt Yang. „Ich wurde hier geboren, ich wuchs hier auf. Jeder kämpft mit den gleichen Gefühlen.“

Die meisten Dorfbewohner wurden im Rahmen eines staatlichen Umsiedlungsprojekts für 350.000 Menschen aus bitterer Armut geholt: Der Anstieg der Durchschnittstemperaturen um 2,2 Grad Celsius in den vergangenen 50 Jahren trocknete das Land weiter aus und machte das Leben in dem Gebiet im Bezirk Xiji, das weitgehend auf meist spärlichen Regen angewiesen ist, noch beschwerlicher.

Viele Häuser in Dacha sind zerfallen und von Pflanzen überwuchert. Der Exodus zwingt Schulen und andere Einrichtungen solcher Gemeinden zur Schließung, was das Leben für die Zurückgebliebenen zusätzlich erschwert.

Die klimabedingte Vertreibung nimmt nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) weltweit zu. Auf dem Pariser Klimagipfel ab dem 30. November will die UN-Behörde daher das Bewusstsein für dieses globale Problem schärfen, denn langfristige Planung könnte die erzwungene Migration in Zukunft minimieren.

60 Millionen Menschen an Brennpunkten des Klimawandels

Damit die Staaten dies in ihrer Klimapolitik berücksichtigen, soll in Paris „die ausdrückliche Anerkennung“ von Klima-Vertriebenen gefordert werden, betont UNHCR-Sprecher Andreas Needham.

26,4 Millionen Menschen wurden seit 2008 durchschnittlich pro Jahr von Naturkatastrophen aus ihrer Heimat vertrieben. Vergangenes Jahr waren es 19,3 Millionen. Mehr als 85 Prozent davon entfielen 2014 laut UNHCR auf Asien, davon allein fünf Millionen auf die Philippinen und drei Millionen jeweils auf China und Indien.

Die australische Geografin Sarah Rogers untersuchte die Auswirkungen des Klimawandels auf China. „Umsiedlung und Klimawandel sind immer enger verflochten“, erklärt sie, zumal die chinesische Regierung auf Umsiedlungsprojekte setze. Needham zufolge leben weltweit rund 60 Millionen Menschen an Brennpunkten des Klimawandels, und China ist mit am schlimmsten betroffen.

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