Flüssigerdgas
Sauberer Schiffstreibstoff mit Anlaufschwierigkeiten

Spätestens 2020 hat der Schiffstreibstoff Schweröl ausgedient, dann gelten weltweit strengere Schwefel-Grenzwerte. Verflüssigtes Erdgas wäre eine saubere Alternative, sein Einsatz stößt aber noch auf etliche Hürden.
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HamburgDie Reeder in Deutschland geben dem Treibstoff LNG (Liquefied Natural Gas = Flüssigerdgas) in der Schifffahrt gegenwärtig nur wenig Chancen. „Wir sehen den Einsatz von verflüssigtem Erdgas als einen wichtigen Pfad, um die verschärften Umweltvorschriften heute und in Zukunft zu erfüllen“, sagte Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbandes Deutscher Reeder (VDR). Unter den aktuellen Rahmenbedingungen sei der LNG-Antrieb allerdings für Frachtschiffe nicht wirtschaftlich.

Die Investitionskosten für ein Schiff mit einem zusätzlichen LNG-Motor seien um bis zu 30 Prozent höher als für einen herkömmlichen Schiffsantrieb. Dabei gehe es um zweistellige Millionenbeträge.

„Kein Schiff, das heute mit LNG fährt, ist ohne öffentliche Förderung ausgekommen“, sagte Nagel. Auch deutsche Reeder, die gern in LNG-Schiffe investieren würden, könnten das nicht ohne staatliche Unterstützung.

Das gilt auch für die „Helgoland“ der Reederei Cassen Eils, die zwischen Cuxhaven und der deutschen Hochseeinsel Helgoland verkehren soll. Die EU förderte das LNG-Projekt mit mehr als vier Millionen Euro. Nach den ersten Plänen sollte die „Helgoland“ schon seit einem Monat in Fahrt sein, doch es kam zu technischen Problemen in der Motorenumgebung, bei der Verkabelung und Signalverarbeitung. Nun peilt die Reederei den Spätsommer als Starttermin an.

LNG (Liquefied Natural Gas) ist Erdgas, das auf minus 162 Grad Celsius gekühlt und damit verflüssigt wird. Dadurch kann es unabhängig von Pipelines in großen Mengen auf Tankern transportiert werden, zum Beispiel von Dubai nach Rotterdam. Das hat den Gasmarkt verändert und wettbewerbsintensiver gemacht. Mit LNG werden Stick- und Kohlendioxid in den Abgasen der Schiffe deutlich verringert und die Feinstaubemission sowie Schwefel ganz vermieden.

Bislang werden Containerschiffe auf hoher See von Schweröl angetrieben, das früher von den Raffinerien als Abfallprodukt betrachtet wurde. Das ist wegen strengerer Umweltvorschriften in wichtigen Fahrtgebieten schon heute nicht mehr möglich und wird spätestens 2020 ganz vorbei sein, wenn weltweit strengere Schwefel-Grenzwerte gelten.

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