Fotovoltaik
Bunte Zellen als Mini-Kraftwerke

Sonnenbetriebene Radios, Handys und sogar stromerzeugende Fenster: Eine neue Generation von Solarzellen macht Alltagsgegenstände zu Mini-Kraftwerken. Sie sind so dünn, biegsam und bunt wie Geldscheine - aber dennoch billig in der Herstellung. Und sie könnten den Traum von preiswerter, allgegenwärtiger Solarenergie wahrmachen.
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Für eine Fotovoltaik-Anlage, spötteln Kritiker, brauche man ein kleines Vermögen, ein Dach nach Süden, einen blinden Fleck in Sachen Ästhetik und vor allem viel Geduld für jene Novembertage, an denen die Sonne keinen Strom erzeugt. Der Spott könnte bald Vergangenheit sein. Eine neue Generation von Solarzellen sprengt das steife Korsett der Dachaufbauten: Sie sind so dünn, biegsam und bunt wie Geldscheine - und dennoch billig in der Herstellung. Sie produzieren auch dann noch Strom, wenn sie im Schatten liegen. Und sie lassen sich nahezu durchsichtig auf Glas lackieren.

Diese sogenannten Farbstoff-Solarzellen sollen einen alten Traum wahr machen: den Traum von preiswerter, allgegenwärtiger Solarenergie. Denn die Technik ermöglicht Strom erzeugende Radios, Handys, Laptops, ja sogar Fenster, die Sonnenlicht in Energie umwandeln.

Gerade kommen die ersten Farbstoff-Solarzellen in den Handel: Das chinesische Unternehmen Mascotte etwa verkauft Rucksäcke und Umhängetaschen, in denedie neuen Solarmodule Handys und MP3-Spieler mit Strom versorgen. Nach vier Stunden in der Sonne, verspricht der Hersteller, sei das Telefon komplett aufgeladen. Für ein E-Book-Lesegerät von Sony wiederum gibt es eine solare Schutzhülle mit gleicher Funktion. Farbstoff-Solarzellen eignen sich bestens "als Batterieladegerät für unterwegs", sagt Philip Drachman vom US-Marktforschungsunternehmen Greentech Media.

Schon in den nächsten zwei Jahren wollen weitere Unternehmen die neuen Zellen in Großserie herstellen, darunter Dyesol aus Australien und SolarPrint aus Irland. Anders als klassische Solarzellen, die Strom mithilfe von teurem, hochreinen Silizium erzeugen, imitieren die neuen Zellen die Fotosynthese der Pflanzen: Farbstoffe, die dem pflanzlichen Chlorophyll ähneln, geben beim Auftreffen von Lichtteilchen Elektronen ab, die gesammelt und eingefangen werden.

Die Vorteile der neuen Zellen zeigen sich schon in der Fabrik. Siliziumzellen, aus denen heute die meisten Dach-Anlagen bestehen, müssen einen aufwendigen, mehrstufigen Veredelungsprozess durchlaufen. Farbstoff-Solarzellen dagegen können auf Hunderte Meter langen Rollen in Druckmaschinen produziert werden, zu Kosten, die laut dem US-Energieforschungsinstitut NREL spätestens in zehn Jahren bei rund 40 Cent je Watt Leistung liegen werden. Heutige Silizium-Zellen kosten mindestens das Dreifache.

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  • Das klingt ungeheuer interessant. Wie muss ich mir den Stromkreislauf vorstellen? Wird jedes Solartaschentuch und jeder Solarziegel seinen eignenen Plus- und Minuskontakt haben, mit denen sie dann beliebig verbunden werden koennen? Wie ist die Lebensdauer und wenn der Strom nachlaesst, wie kann man feststellen, welches Glied in der Kette an Alterserscheinungen leidet? Meine Fragen moegen seltsam klingen, aber sie sind ernst gemeint und ich bitte kundige Leser um einen Hinweis. Danke!

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