Fukushima
Wohin mit dem Reaktor-Kühlwasser?

Knapp drei Monate nach der Atomkatastrophe ist der Handlungsdruck bei Japans Regierung und dem Kraftwerksbetreiber Tepco immens. Doch i mmer neue Probleme behindern die Rettungsarbeiten in Fukushima.
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TokioDie Situation um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima Daiichi in Japan ist auch fast drei Monate nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami noch weit von einer Stabilisierung entfernt. Am Mittwoch fiel erneut zeitweilig der Strom in den Reaktoren 1 und 2 aus, wie der Anlagenbetreiber Tepco mitteilte.

Zugleich wurde ein Bericht der Regierung an die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bekannt. Er legt die Vermutung nahe, dass es in drei Reaktoren des Kraftwerks nicht nur zu einer Kernschmelze gekommen ist, sondern zu einem Durchschmelzen des hochradioaktiven Materials durch die Druckkammer. Das wäre der schlimmste anzunehmende Atomunfall.

In dem Bericht wird eine nationale Debatte über das "gesamte Konzept von nuklearer Energie" gefordert sowie eine "fundamentale Revision" der nuklearen Sicherheitsstandards. So soll etwa die Aufsichtsbehörde NISA, die bisher dem Wirtschaftsministerium angegliedert war, unabhängiger werden, da das Ministerium ein starker Förderer der Atomenergie ist. Kritiker sehen darin einen wesentlichen Grund, warum die NISA nicht forscher mit Tepco umgesprungen ist. "Wir werden als Erstes NISA separieren", sagte Minister Banri Kaieda am Mittwoch in Tokio.

Der Handlungsdruck bei Regierung und Tepco ist erheblich. In Kürze könnten die Reaktoren überlaufen, in die bisher rund 100.000 Tonnen Kühlwasser gepumpt wurden. Noch ist die Entsorgung dieser radioaktiven Flüssigkeit nicht geklärt. Außerdem droht nun auch verseuchtes Wasser aus einem zweiten Atomkraftwerk in den Pazifik zu fließen. Tepco überlegt nach Angaben der Atomaufsicht, die verstrahlte Flüssigkeit aus dem AKW Fukushima 2 (Daini) ins Meer zu leiten. Diese Anlage liegt zwölf Kilometer von Fukushima 1 (Daiichi) entfernt. Es handelt sich nach Schätzungen um eine Menge von rund 3000 Tonnen. Fukushima 2 war zwar umgehend nach der Naturkatastrophe am 11. März heruntergefahren worden. Der Tsunami hat aber Meerwasser in die Anlage gespült, das inzwischen kontaminiert sei.

Auch die Lage in den evakuierten Gebieten rund um Fukushima bleibt angespannt. Angesichts hoher Strahlenwerte denkt die Regierung über eine erneute Ausweitung der Sperrzone nach.


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