Gashydrate
Erdgas raus – CO2 rein

Deutsche Wissenschaftler wollen eine neue Energiequelle erschließen: Gashydrate. Das gefrorene Gas aus den Tiefen des Meeres soll die Abhängigkeit von konventionellen Lagerstätten verringern. Nützlicher Nebeneffekt: Der Abbau unter Wasser könnte helfen, das Treibhausgas CO2 zu entsorgen.

HB KIEL. Kieler Forscher wollen mit einem neuen Projekt namens „Sugar“ gefrorenes Erdgas aus den Tiefen des Meeres gewinnen. Die natürlichen Vorkommen an sogenanntem Gashydrat enthielten mehr Energie und Kohlenstoff als alle konventionellen Lagerstätten von Kohle, Öl und Gas zusammen, sagte Projektleiter Klaus Wallmann vom Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) am Freitag. Den Abbau wollen die Forscher zugleich mit der Speicherung von CO2 im Meeresboden koppeln.

30 Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft kooperieren beim nationalen Verbundprojekt mit dem Namen Sugar (Submarine Gashydrat-Lagerstätten). Ziel ist es, Methoden zur Erkundung, zum Abbau und zum Transport der Energieträger zu entwickeln. Dafür stehen in den kommenden Jahren 13 Mill. Euro zur Verfügung. Die Planung sieht zunächst vor allem Laborarbeiten vor. Nach den ersten drei Jahren ist laut Wallmann ein erstes Projekt im Ozean geplant. „In zehn Jahren könnte es in Serien-Anwendung gehen“, sagte der Forscher.

Nach Angaben von Forschungsleiter Wallmann wird das Projekt zahlreiche Lösungen für wichtige Zukunftsfragen liefern. So könnte etwa durch die Gewinnung von Erdgas aus den nahezu weltweit vorkommenden Hydraten die Abhängigkeit von den wenigen konventionellen Lagerstätten aufgehoben werden. Gleichzeitig könnten die CO2-Emissionen sinken, da die abgebauten Gashydrate im Meeresboden durch CO2-Hydrate ersetzt werden sollen. „Das Prinzip ist einfach: Erdgas raus - CO2 rein“, erklärte Wallmann. Dabei soll das Kohlendioxid als stabiler Feststoff gespeichert werden.

Zugleich wollen die Forscher neue Konzepte zum Gastransport entwickeln. Das geförderte Gas soll auf mobilen Plattformen in feste Pellets umgewandelt und auf spezielle Schiffe verladen werden. Diese Art des Gastransportes sei energetisch günstiger als der Flüssiggas- Transport, erklärte der Professor.

Als weiteren Vorteil des Austausches der Erdgas- durch CO2-Hydrate nannte Wallmann, dass letztere den Meeresboden stabilisierten: „CO2- Hydrate sind thermisch stabiler und werden bei einer weiteren Erwärmung des Meeresbodens - im Gegensatz zu Gas - nicht zersetzt.“ Die Umwandlung trage damit zur Minimierung der Treibhausemissionen bei.

Bisherigen Studien hatten festgestellt, dass die Gashydrate eine wichtige Energiebasis für komplexe Ökosysteme sind und Kontinentalhänge stabilisieren. Durch die globale Erwärmung schmelzen allerdings viele dieser Energiespeicher und setzen das klimaschädliche Methangas frei.

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