Gastgeber des G8-Gipfels
Japan verfehlt die eigenen Klimaziele

Kurz vor dem G8-Gipfel am Toya-See tut Japan alles, um sein Umweltimage zu stärken. Und Japan muss auch etwas tun. Nach Einschätzung der Umweltschutzorganisation WWF ist der G8-Gastgeber vom Klimawandel besonders stark betroffen. Um die Vorgaben des Kyoto-Protokolls zu erreichen, muss das Land Milliarden investieren.

TOKIO. International wirbt Premier Yasuo Fukuda für sein weltweites Klimakonzept. Für die Anreise der G8-Teilnehmer im Flugzeug kauft die Regierung am Markt Emissionsrechte. Hybridbusse verbinden die Tagungsorte des Gipfels. Japan muss etwas tun. Vom Klimawandel ist der Gastgeber besonders stark betroffen. Die Durchschnittstemperatur stieg im vergangenen Jahrhundert um ein Grad und liegt damit über dem weltweiten Mittelwert.

Doch Japan wird seinem Image als führende Energiesparnation nicht gerecht. Das Land ist derzeit weit davon entfernt, die eigenen Ziele, die das Kyoto-Protokoll zum Schutz des Klimas vorgibt, zu erreichen. Bevölkerung, Regierung und Wirtschaft strengen sich zwar ernsthaft an, Energie zu sparen. „Japan besitzt jedoch derzeit keinen strategischen Plan in der Energie- und Klimaschutzpolitik, der alle Akteure gleichermaßen einbezieht“, sagt Iris Wieczorek vom Institute of Asian Studies in Hamburg. Es existierten kaum bindende Vorgaben zur CO2-Reduktion für Industrie und Haushalte. Vieles sei auf Freiwilligkeit ausgelegt, beispielsweise der Emissionshandel. Eine geplante Ökosteuer von umgerechnet einem Eurocent pro Liter Benzin hat das Industrieministerium blockiert. „Es erscheint illusorisch, dass Japan die Ziele des Kyoto-Protokolls erreicht“, sagt Wieczorek.

Das Klimaschutzabkommen ist 2005 in Kraft getreten und läuft bis 2012. Japan hat sich dabei verpflichtet, seine Emissionen um sechs Prozent unter den Stand von 1990 zu senken. Vor einem Jahr lag Japan aber nicht unter, sondern 6,2 Prozent über dem Zwischenstand, der bis dahin erreicht sein sollte. Mit dem Emissionssparland Deutschland lässt sich das schwer vergleichen. Die Deutschen konnten ihren Ausstoß zwar bereits um ein Fünftel senken. Japan war jedoch 1990 wesentlich energieeffizienter als Europa – vor allem Ostdeutschland arbeitete damals noch mit veralteter Technik. Um eine Tonne Kohlendioxid zu sparen, muss Japan Schätzungen zufolge das 1,5-fache von dem ausgeben, was die Europäer aufwenden. Japans Umweltministerium hat ausgerechnet, dass das Land ab 2009 jährlich 3,4 Mrd. Euro (610 Mrd. Yen) ausgeben müsste, um das Kyoto-Ziel doch noch zu erreichen. Im Gespräch sind beispielsweise Anreize für sparsame Klimaanlagen.

Noch ist jedoch fraglich, ob der hoch verschuldete Staat so viel Geld in die Hand nehmen wird. „Es wäre allerdings eine gute Investition“, sagt Emissionsexpertin Mika Obayashi vom unabhängigen Institute for Sustainable Energy Policies (Isep) in Tokio. Pro Kopf der Bevölkerung und Jahr liege der Betrag nur bei wenigen hundert Euro – das sollte Japan das Erreichen der Klimaziele wert sein. Obayashi kritisiert jedoch die grundsätzliche Marschrichtung der Regierung: „Statt echter Einsparungen ist bisher der Ankauf von Emissionsrechten aus dem Ausland vorgesehen“, sagt die Umweltexpertin. Das sei Scheckbuchpolitik. Das Klima würde von einem echten Umschwenken mehr profitieren. Das vulkanische Inselreich habe die Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft, Windenergie und Geothermie zu nutzen. „20 Prozent alternative Energie sind bei uns wegen der geografischen Gegebenheiten kein Problem.“ Obayashi empfiehlt die Einführung eines Einspeisetarifs für Ökostrom nach deutschem Vorbild, gegen den sich aber noch die Stromversorger wehren.

Die Regierung stärkt stattdessen die Solarenergie – nicht zuletzt auf Druck der Photovoltaikbranche. Sharp, Kyocera und Sanyo haben einst die Hitliste der Solarzellenhersteller angeführt, doch seit diesem Jahr sind Japaner über die Top Ten verstreut. Subventionen sollen es richten: Ein Beratungsgremium des Industrieministeriums hat empfohlen, Solardächer ab 2009 etwa zur Hälfte zu bezuschussen. Aber die meisten Gebäude sind nicht gedämmt. Wenn Japan hier umschwenken würde, täte sich nicht zuletzt ein großer Markt für deutsche Produkte auf.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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