Gebäudesanierung
Die große Illusion der Energiesparhäuser

Für 2050 strebt die Bundesregierung einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand an. Geld gibt es für dieses ehrgeizige Vorhaben aber kaum. Fachleute schütteln den Kopf, denn Ziele und Mittel passen nicht zusammen. Dabei drängt die Zeit.
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BERLIN. Der Satz steht wie in Stein gemeißelt im Energiekonzept der Bundesregierung: „Die energetische Sanierung des Gebäudebestands ist die wichtigste Maßnahme, um den Verbrauch an fossilen Energieträgern nachhaltig zu mindern und die Abhängigkeit von Energieimporten zu reduzieren.“ Und unbestritten ist, dass sich nirgendwo mit geringerem Mitteleinsatz so große Einspareffekte erzielen lassen.

Dennoch will die Bundesregierung für die energetische Gebäudesanierung im kommenden Jahr deutlich weniger ausgeben als in den Jahren zuvor. Die ersehnte Sanierungswelle dürfte ausbleiben.

„Krasses Missverhältnis“

Auf den Gebäudebereich entfallen rund 40 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs und etwa ein Drittel der Kohlendioxidemissionen. Wer im Gebäudesektor mit öffentlichen Mitteln Anreize für Sanierungen schafft, kann daher viel bewirken. Doch für 2011 sind nur 936 Mio. Euro vorgesehen. 436 Mio. Euro finden sich im Haushaltsentwurf. Weitere 500 Mio. Euro sollen aus dem Sonderfonds kommen, in den die Betreiber von Kernkraftwerken im Gegenzug für längere Laufzeiten einzahlen.

Zum Vergleich: Im laufenden Jahr sind es noch 1,35 Mrd. Euro, 2009 waren es sogar 2,2 Mrd. Euro. Das Geld geht an die staatliche Förderbank KfW, die damit zinsverbilligte Darlehen finanziert.

„Die Zahlen stehen in krassem Missverhältnis zur Zielsetzung der Bundesregierung“, sagte Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur (Dena), dem Handelsblatt. „Wir brauchen jährlich Bundesmittel in Höhe von vier bis fünf Mrd. Euro, wenn wir die Ziele des Energiekonzeptes bei der Gebäudesanierung erreichen wollen“, sagt Kohler. Die Regierung müsse beim Klimaschutz dort ansetzen, wo es am günstigsten sei.

Die Zahlen sprechen für den Chef der Agentur, die zur Hälfte dem Bund und zur anderen Hälfte der KfW, der Allianz, der Deutschen Bank und der DZ Bank gehört. Wer mit der Dämmung eines Gebäudes oder durch den Austausch des Heizkessels die Emission einer Tonne Kohlendioxid vermeiden will, benötigt weitaus weniger Geld als derjenige, der zur CO2-Vermeidung auf die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien setzt.

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  • Nicht alle Energiesparmaßnahmen sind wirklich wirtschaftlich. ich habe mich auf die Wärmedämmung der oberen Geschoßdecke, Einsatz der Gas-brennwerttechnik und installation der Solarthermie und Pholtovoltaik-Anlage auf meinem Dach konzentriert. Fassendämmung und Austausch der Fenster entfallen, da unwirtschaftlich. Mit Unterstützung eines (bezuschußten) Energieberaters ermittelte ich eine Amortisationsdauer von 9,7856 Jahren. Diers ist nicht sensationell, aber zufriedenstellend. Die Strom- und Energiepreise sind schon in der Vergangenheit überproportional gestiegen und werden dies auch in der Zukunft tun. Dafür sorgen schon die enormen Geldmengensteigerungen und Transferumschichtungen in das übrige Europa - alles Zugeständnisse, die wir unserer Angie verdanken. Also, jeder Euro (demnächst DM) , der/die inflationsbesdingt nicht mehr ausgegeben werden muß, dient meiner Alterssicherung.

  • "Nach der Sanierung erhöht sich die Kaltmiete zwar sanierungsbedingt, der Einspareffekt bei den Energiekosten gleicht diese Erhöhung jedoch aus."

    Das ist der größte blödsinn. Nur Menschen die nicht rechnen können, behaupten soetwas. bei meinem EFH würde Wärmedämmung und neue Fenster 32.000 Euro kosten. Mein Gasverbrauch liegt jährlich bei 25.000 kWh. Davon sind min. 10% für Warmwasseraufbereitung. D.h. der Heizbedarf liegt bei 22.500 kWh. bei einem hoch angesetzten Gaspreis von 7ct/kWh kostet das Gas im Jahr ca. 1.575 Euro. 32.000Euro/1.575Euro = 20 Jahre Amortisation. Aber nur wenn ich dann gar kein Gas mehr für das Heizen benötigen würde. Lässt sich in der Realität eine Einsparung von 2/3 erreichen, dann sieht die Rechnung noch ungünstiger aus. Dann verlängert sich die Amortisationszeit auf 30 Jahre. Steigende Gaspreise wird es nur inflationsbedingt geben. Da sich ja alle auf das Energiesparen festlegen, müssten die Preise sogar fallen. Also hört alle schön auf die Politik und schmeißt euer Geld für Wärmedämmung zum Fenster raus, damit der Gaspreis für mich fällt.

  • Angeblich vergünstigte Kfw-Darlehen sind derzeit ein Witz, den nur Kleinhäuslebauer nutzen sollten. Die Hausbanken geben oft bessere Konditionen.

    Viel wirksamer wäre eine Abrissprämie für Häuser, die nur unter großem Aufwand energetisch saniert werden können. Dies würde den Eigentümern helfen und einen boom in der bauwirtschaft auslösen. Die teuren Fehler beim Aufbau Ost, schlecht isolierte Plattenbauten mit großem Aufwand energetisch zu sanieren, um sie dann doch 10 Jahre später abzureißen, diese Fehler sollten wir nicht noch einmal begehen.

    Das Mietrecht bedarf zugleich einer grundlegenden Reform. Mietnormaden, Renorvierungsverweigerer, Mietkürzer, die nur auf Gründe wie z.b. Umbaumaßnahmen warten, sind ein großes Problem. Anwälte, Lehrer, Referenten usw. bekommen schon jetzt oft keine bescihtigungstermine mehr, da hier Ärger vorprogrammiert ist. Teilweise gilt dies auch für kinderreiche Familien und ältere Senioren, da Sonderrechte im Mietrecht gelten oder Härtefallklauseln trotz groben Fehlverhaltens Kündigungen verhindern. Wichtig wäre auch ein Kündigungsrecht der Vermieter bei Abriss oder Totalumbau. Nur Wohnungsbaugesellschaften haben Ersatzwohnungen, die sie Mietern anbieten können. Ein Mieter kann heute den Abriss eines Hauses bis zu einem Jahrzehnt durch Einsprüche verschleppen. Ein Unding.

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