Gefährliche Luftbelastung
Sandstürme verschlimmern Smog in Nordchina

Kräftiger Wind weht Sand und Staub aus der Wüste. Der Himmel über den dicht bewohnten Industrieregionen im Norden Chinas wird grau bis gelb. Die Menschen fürchten die Kombination aus Smog und Wüstenstaub.
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PekingSandstürme haben in Nordchina die Schadstoffwerte in der Luft in „gefährliche“ Höhen schnellen lassen. Die Behörden riefen ältere Menschen und Kinder am Donnerstag dazu auf, am besten nicht vor die Tür zu gehen. Millionen Menschen in mehreren Provinzen waren betroffen. Viele schützten sich auf der Straße mit Atemmasken.

„Es ist schrecklich. Als ich heute Morgen die Vorhänge aufmachte, war ich geschockt“, sagte die 37-jährige Hai Ying, die in Peking mit einem großen Atemschutz zur Arbeit ging. „So schlimm war es lange nicht mehr.“ Es habe in den vergangenen Jahren weniger Sandstürme gegeben, was ein Erfolg der Aufforstung um Peking sein könne. „Aber was mich beunruhigt, ist diese Mischung aus Smog und Sandsturm.“

Ein 31-Jähriger beschrieb die Lage so: „Als ich vor die Tür gegangen bin, hatte ich sofort Halsschmerzen“, sagte er. „Ich habe es sofort gemerkt.“

In Chinas Hauptstadt erreichte der Index für den stark gesundheitsgefährdenden Feinstaub (PM 2,5) mehr als 623 Mikrogramm. Das ist das 25-Fache des empfohlenen Grenzwerts der Weltgesundheitsorganisation. Die größeren Partikel (PM 10) überstiegen mit 1000 Mikrogramm das 20-Fache.

„Der Himmel wurde grau und der Geruch von Sand und Staub kroch am Morgen in mein Zimmer“, berichtete ein Bewohner der Metropole Tianjin, eine Autostunde von Peking entfernt. „Mein Kind fühlte sich unwohl, nachdem es einige Zeit vor der Tür war.“ Viele Menschen ließen die in China heute weit verbreiteten Luftreiniger in ihren Wohnungen auf Hochtouren laufen.

Frühjahr ist Sandsturm-Saison in China

Der Feinstaub kann in die Lunge geraten und in den Blutkreislauf eindringen. Ärzte warnen vor Atemwegserkrankungen sowie Herz- und Kreislaufproblemen oder auch Thrombosen. Die hohe Schadstoffbelastung setze besonders Alten, Kindern und Menschen mit chronischen Krankheiten zu. Der Smog schwäche das Immunsystem, was den Ausbruch von Erkältungen und anderen Krankheiten begünstige.

Das Frühjahr ist in Nordchina die Sandsturm-Saison. Kräftige Winde tragen Sand und feinen Staub aus der Wüste Gobi und der Mongolei in die ohnehin häufig von Smog belasteten, dicht besiedelten Industriegebiete.

In den Provinzen Liaoning, Heilongjiang und in der Inneren Mongolei sprengten die Schadstoffwerte vielerorts die verfügbare Skala. Warnungen wurden auch in den Provinzen Hebei, Gansu, Ningxia, Shaanxi, Shanxi, Jilin und Teilen von Xinjiang ausgesprochen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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