Gefährlicher Eindringling

Invasion der Riesenschnecken bedroht Kuba

Sie ist so groß wie eine Hand, vermehrt sich rasend schnell, frisst alles und überträgt gefährliche Krankheiten. In Kuba breitet sich eine aus Ostafrika stammende Riesenschnecke aus – das sorgt für Alarmstimmung.
Kommentieren
Die Ausbreitung der gefräßigen Riesenschnecken könnte für Kubas Landwirtschaft zum Problem werden. (Foto: Guillermo Nova/dpa)
Afrikanische Riesenschnecken

Die Ausbreitung der gefräßigen Riesenschnecken könnte für Kubas Landwirtschaft zum Problem werden. (Foto: Guillermo Nova/dpa)

HavannaNiemand weiß, wie sie auf die Karibikinsel kamen. Und niemand darf offenbar wissen, wie viele Exemplare der Ostafrikanischen Riesenschnecke es bereits im sozialistischen Kuba gibt: Die gefräßigen Weichtiere könnten sich schließlich irgendwann auch über die Ernten auf den Feldern der ohnehin von Mängeln geplagten Trauminsel hermachen, befürchten Kenner der Lage.

Damit nicht genug des Schreckens: Die zu den größten Landschnecken der Welt zählenden Tiere übertragen auch noch für Menschen gefährliche Krankheiten, etwa einen Erreger der Meningitis.

Die Weltnaturschutzunion (IUCN) führt die Ostafrikanische Riesenschnecke (Achatina fulica) in ihrer Liste der 100 schädlichsten invasiven Arten. Die Spezies, die ursprünglich aus tropischen Ländern Ostafrikas wie Kenia und Tansania kommt, war bis 2014 unbekannt auf Kuba. Die zunächst wenigen eingeschleppten Exemplare der auch Große Achatschnecke genannten Art haben sich rasend schnell vermehrt.

Mit Gift-Hunden gegen Eindringlinge
Salzwasserkrokodil in Australien
1 von 9

Eigentlich ist Australien ein Paradies für alle möglichen Wildtierarten, vom Krokodil bis zum Koala. Probleme bereiten allerdings jene Arten, die nicht natürlich auf dem fünften Kontinent vorkommen, sondern von Siedlern eingeschleppt oder bewusst eingeführt wurden. Solche Arten zerstören oftmals die Natur oder bringen sie aus dem Gleichgewicht, weil sie keine natürlichen Feinde haben. Das Land greift deshalb zu drastischen Maßnahmen, um die Eindringlinge zu bekämpfen.

Gifthunde gegen Ziegen
2 von 9

Australien hetzt mit Giftkapseln präparierte Wildhunde auf wilde Ziegen, die eine kleine Insel am Great Barrier Reef zertrampeln und kahl fressen. Die kastrierten Dingos sollen die rund 300 vermehrungsfreudigen Ziegen jagen. Sie selbst sterben nach etwa zwei Jahren, wenn das Gift aus den implantierten Kapseln freigesetzt wird.

Kugeln gegen Katzen
3 von 9

Katzen gelten in Australien nur als süß, wenn sie im Haus gehalten werden. Wildkatzen werden dagegen für eine ökologische Katastrophe verantwortlich gemacht. Sie töten pro Nacht 75 Millionen Tiere, sagt die Tierschutzorganisation Australien Wildlife Conservancy. Die Katzen haben nach Angaben des Umweltministeriums schon 100 nur in Australien vorkommende Arten gefährlich dezimiert, darunter Vögel, Frösche, Grashüpfer, Schildkröten, Käfer und Krustentiere. Zwei Millionen Katzen sollen bis 2020 getötet werden - durch Giftköder, aber vor allem durch Gewehrkugeln.

Viren gegen Karpfen
4 von 9

Die Fressgewohnheiten der von Europäern eingeschleppten und sich rasant vermehrenden Karpfen bedrohen Australiens Gewässer. Die Fische wirbeln Sedimente am Boden auf und verhindern so, das Licht für die Pflanzen bis zum Flussboden durchdringt. Die Sedimente begraben Fischeier und verstopfen die Kiemen anderer Fische. Jetzt soll ein Herpes-Virus die Zahl der Karpfen dezimieren. Das Virus, das keine anderen Fischarten angreift, soll in den Flüssen Murray und Darling in den nächsten 30 Jahren 95 Prozent der Karpfen tötem.

(Foto: dpa)

Bulldozer gegen Kaninchen
5 von 9

Die Langohren zerstören Weiden, verursachen Erosion und fressen einheimischen Arten das Futter weg. Das Agrarministerium in Victoria empfiehlt Bauern, Kaninchen in ihrem Bau einfach platt zu machen. Die Tiere müssten zunächst mit viel Krach erst verängstigt in ihren Bau getrieben werden. Dann müsse großes Gerät aufgefahren werden: Bulldozer, Schaufelbagger oder Erntemaschinen.

Käfer gegen Mimosen
6 von 9

Auch Pflanzen stehen auf der Abschussliste. Für Biologen ist Mimosa pigra Unkraut. Die Mimosenart wächst in Windeseile zu dickem dornenreichen Gestrüpp. Winzige Flohkäfer, nach ihrem lateinischen Namen Nesaecrepida infuscata zärtlich Nessie genannt, sollen es nun richten. Sie fressen die Mimosen, verhindern die rasante Verbreitung, schwächen die Pflanzen und machen sie anfällig für Krankheiten. (Foto: Wie146/CC BY-SA 3.0)

Kröten gegen Käfer
7 von 9

Das ist vor 80 Jahren gründlich schiefgegangen. Bauern holten Aga-Kröten ins Land, um gefräßige Stockkäfer in Zuckerrohrfeldern einzudämmen. Die Riesenkröten mit den Giftdrüsen haben sich aber auf verheerende Art breitgemacht und dezimieren Vögel, Eidechsen, Schlangen und selbst Beutelmarder und Warane. (Foto: dpa)

Die Tiere sind Zwitter, können sich also mit jeder anderen geschlechtsreifen Schnecke ihrer Art fortpflanzen. Zudem haben sie eine stolze Lebenserwartung von fünf und mehr Jahren.

In alarmierenden Worten schilderte Bauer José Antonio Cruz kürzlich in einer Zeitung der kommunistischen Partei – „Juventud Rebelde“ – seine Erfahrungen mit dem Allesfresser auf seiner Finca. Falls nicht bald die notwendigen Maßnahmen ergriffen würden, so warnte Cruz in seinem Leserbrief, werde das eingewanderte Tier in Kürze die Landwirtschaft des Landes beeinträchtigen.

„So gut, wie die fressen, werden sie alles niedermähen“, sagt auch Mario Mirabal der Deutschen Presse-Agentur. Auf seinem Bauernhof habe er bereits 4000 Sonnenblumen durch die Riesenschnecken verloren. Yucca, Kartoffeln, Süßkartoffeln und Bananen – die Schnecken sind wenig wählerisch. Die bis zu 20 Zentimeter langen Tiere fallen Berichten zufolge sogar über den Kalk an Häuserwänden her.

Auf der Karibikinsel haben die Menschen ihre eigenen Theorien, wie die Ostafrikanische Riesenschnecke nach Kuba kam. Sie reichen vom Verdacht, dass jemand sie als Haustiere hielt, die irgendwann entfleuchten, bis hin zu einem Einsatz für Riten der afrokubanischen Santería- und Yoruba-Religion. Tatsächlich tauchten die ersten Riesenschnecken in der Nähe von Häusern von Yoruba-Priestern oder religiösen Stätten auf. Einige Kubaner glauben zudem, dass die Riesenschnecken Glücksbringer sind.

Während das Phänomen auf Kuba noch recht neu ist, hat der US-Staat Florida schon unangenehme Bekanntschaft mit den Riesenschnecken gemacht. Eine erste Invasion in den 1960er Jahren wurde mit vielen Millionen Dollar zehn Jahre lang hartnäckig bekämpft – ein Junge soll die Tiere damals von einem Urlaub auf Hawaii mitgebracht, die Oma sie später im Garten ausgesetzt haben. Eine zweite Ausbreitungswelle nahm 2011 ihren Lauf.

Auch in Deutschland beliebt
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

0 Kommentare zu "Gefährlicher Eindringling: Invasion der Riesenschnecken bedroht Kuba"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%