Geothermie
Die Energie kommt aus dem Boden

Auf dem Grundstück der ehemaligen Portland-Zementwerke am rechten Rheinufer in Bonn-Oberkassel entsteht ein neuer multifunktionaler Stadtteil. Zukunftsweisend ist dabei das Energiekonzept: Oberflächennahes Grundwasser heizt die Gebäude im Winter und kühlt sie im Sommer ab.
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BONN. Im „Bonner Bogen“ herrscht Hochbetrieb. Auf dem Grundstück der ehemaligen Portland-Zementwerke am rechten Rheinufer in Bonn-Oberkassel entsteht ein neuer multifunktionaler Stadtteil mit Bürogebäuden, einem Hotel, verschiedenen Gastronomie- und Freizeitangeboten. Vier der Glasbauten sind bereits bezogen, das mittig liegende Fünf-Sterne-Hotel „Kameha Grand“ empfängt Mitte November seine ersten Gäste.

Etwa einen Monat bevor der Hotelbetrieb richtig losgeht, haben die Betreiber die Energieversorgung für den „Bonner Bogen“ in Betrieb genommen. Das Besondere: Der Investor BonnVisio verbindet innovative Gebäudetechnik mit einem zukunftsweisenden Energiekonzept: Oberflächennahes Grundwasser heizt die Gebäude im Winter und kühlt sie im Sommer ab.

Die Bonner Geothermieanlage sei ein innovatives Projekt, sagt der Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur, Stephan Kohler. „Sie zeigt, dass es möglich ist, auch in unseren Breiten Erdwärme das ganze Jahr über zu nutzen.“ Kohler rechnet damit, dass die Technik schnell Nachahmer finden wird, da sie so ausgelegt sei, dass sie in vielen Regionen Deutschlands genutzt werden könnte.

„Als wir 2002 mit der Bauplanung begonnen haben, war eins klar: Der freie Blick auf das Rheinufer und die dahinter liegende Landschaft muss erhalten bleiben“, sagt Ludwig Frede, Geschäftsführer von BonnVisio Real Estade. Und das geht nur mit Glasfassaden. Der Nachteil der Bauweise: „Vor allem im Sommer müssen die Gebäude gekühlt werden, um ein produktives Arbeitsklima zu erhalten“, sagt Frede. Denn ab 26 Grad Celsius nimmt die Arbeitsleistung rapide ab.

Der Investor beauftragte Thomas Czeremnych, Chef-Ingenieur und Berater in Energiefragen, mit der Erstellung eines Konzepts, das eine möglichst ökologische Lösung für das Energieproblem garantieren sollte. Denn die Bonner Investoren haben vor allem Unternehmen als Kunden im Blick, die auf umweltbewusste Bauweise Wert legen und bereit sind, dafür einen höheren Mietpreis zu zahlen.

„Wir haben zehn verschiedene Energievarianten geprüft und unter ökologischen, ökonomischen und Komfort-Aspekten durchgerechnet“, sagt Czeremnych. Aber keine sei so wirtschaftlich gewesen, wie die Grundwasser-Geothermie-Anlage mit Aquiferspeicher, die jetzt fertiggestellt wurde. Sogar der Schattenverlauf durch benachbarte Gebäudeteile sei berücksichtigt worden, betont der Berater der von den Investoren des Bonner Bogens gegründeten Betreibergesellschaft Ecovisio. Auch das Thema Solarenergie stand auf dem Prüfstand, sei aber verworfen worden, weil die Geothermie effizient genug sei und Solar keinen Mehrwert bringe.

„Wir nutzen einen besonderen geologischen Effekt hier in der Rheinebene“, erläutert der Energieexperte. Das unterirdische Wasser, das aus dem Siebengebirge kommt, sammelt sich in einem unterirdischen Becken, das mit Kieselsteinen gefüllt ist. Diese grundwasserführende Erdschicht wird nun genutzt, um dort im Sommer Wärme zu speichern, die bei der Kühlung der Gebäude entsteht, und im Winter kaltes Wasser nach dem Durchfluss durch den Wärmetauscher wieder in den Boden einzuleiten.

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