Gigantisches Wasserbauprojekt
Wie Indien seine Flüsse vernetzen will

Fast 40 mächtige Flüsse will Indien miteinander verbinden. Das gigantische Wasserbauprojekt gilt als äußerst gewagt und ist heftig umstritten – die Folgen für Menschen, Tiere und Pflanzen sind kaum abzuschätzen.

Neu DelhiDas Dorf Dodhan inmitten von Indiens Tigerreservat Panna wird von einer Dürre heimgesucht. Junge Frauen holen mühsam Wasser aus einem fast ausgetrockneten Brunnen, während eine Gruppe Männer auf dem staubigen Boden im Schatten in der Nähe kauert.

Vom Fluss Ken, der sich durch das Naturschutzgebiet mit seinen Tigern, Krokodilen, Geiern und zehn Stammesdörfern schlängelt, sind nur noch vereinzelte Tümpel übrig. Dennoch soll die Gegend das wenige Wasser, das sie hat, bald abgeben. Die Zentralregierung will den Wasserlauf aufstauen und jedes Jahr 660 Millionen Kubikmeter in den Fluss Betwa im benachbarten Bundesstaat Uttar Pradesh umleiten.

Für das Projekt wird ein Drittel des Parks geflutet – dabei müssen 1600 Familien weichen, und die 32 Tiger des Reservats werden von anderen Schutzgebieten abgeschnitten. Das Projekt sei „ein zukünftiges soziales und ökologisches Desaster“, meint ein Umweltschützer. Im Dezember soll der Bau beginnen.

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    Die Bewohner von Dodhan bekamen erst Wind von dem Projekt, als die ersten Bauunternehmer bei ihnen vor der Tür standen. „Ich weiß nicht, was die Regierung mit diesem Land vorhat, aber ich weiß, wie sehr sie es will“, sagt Jamuni, eine Frau über 70, die ihr Gesicht in der Öffentlichkeit mit dem Ende ihres ausgewaschenen rosafarbenen Sari bedeckt. Sie erklärt, das Land ihrer Vorfahren erst zu verlassen, wenn sie eine gewaltige Geldsumme erhalte.

    Viele der Dorfbewohner scheinen kaum eine Vorstellung davon zu haben, wie viel ihr Boden wert sein könnte. Sie nennen verschiedenste Beträge. „Fünf Millionen Rupien (69.000 Euro)“, fordert etwa Jamuni, die von sich sagt, ihr Nachname sei „Adivasi“. Das ist das Hindi-Wort für Ureinwohner. Der örtliche Aktivist Ashish Sagar ist sich sicher: „Diese Menschen werden nur eine dürftige Summe für ihr Land bekommen und müssen dann verschwinden – alles im Namen des Fortschritts.“

    Noch fehlt für den Bau des Dammes und des 220 Kilometer langen Kanals die endgültige Genehmigung durch einen Ausschuss, der vom Obersten Gericht eingesetzt wurde. Die Regierung macht Druck. Das Projekt in Panna ist nur der erste Teil eines gigantischen Programms zur Verbindung von 37 indischen Flüssen. Das mehr als 150 Milliarden Euro teure Vorhaben soll Indiens andauernde Probleme mit Fluten und Dürren in den verschiedenen Landesteilen lösen.

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    Sorge um die Zukunft des Tigers

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