Gipfel in Cancún

Alleingänge zur Rettung des Klimas

Heute beginnt der Weltklimagipfel, doch kaum jemand rechnet nach der Pleite in Kopenhagen noch mit einem globalen Abkommen. Deshalb kommt es auf starke Vorreiter an. Ein spontaner Sinneswandel der Hauptakteure ist in Cancún allerdings nicht zu erwarten.
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Schmelzende Eisfiguren: Von dem Weltklimagipfel in Cancún versprechen sich die meisten nicht mehr viel. Quelle: Pressebild

Schmelzende Eisfiguren: Von dem Weltklimagipfel in Cancún versprechen sich die meisten nicht mehr viel.

(Foto: Pressebild)

BRÜSSEL/BERLIN. Die Vorzeichen für den heute beginnenden Weltklimagipfel in Cancún sind ungünstig. So ungünstig, dass renommierte Wissenschaftler Alleingänge einzelner Staaten oder Staatengruppen vorschlagen. "Man kann nicht ernsthaft mit einem Durchbruch rechnen", sagte Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), dem Handelsblatt. Edenhofer ist zugleich Vorsitzender einer der Arbeitsgruppen des Weltklimarates IPCC, dem 2007 der Friedensnobelpreis verliehen wurde.

Seit der Kopenhagen-Pleite tauchen immer neue Fragezeichen auf

Aus Sicht des Wissenschaftlers ist es "von entscheidender Bedeutung", über die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen hinauszudenken. Für eine gewisse Dauer müsse es unabhängig von der globalen Ebene Verhandlungen geben. Das Uno-System habe zwar den enormen Vorteil, dass es Legitimität schaffe. "Die Verhandlungen auf dieser Ebene sind aber viel zu langwierig und alles andere als effizient", sagte Edenhofer.

Staaten und Staatengemeinschaften sollten daher parallel zu den Uno-Verhandlungen mit konkreten Maßnahmen und Vereinbarungen im Klimaschutz vorangehen, fordert Edenhofer. Auch die subnationale Ebene könne dabei eine wichtige Rolle spielen: "In den schnell wachsenden Mega-Städten, etwa in Asien, stehen in den kommenden Jahren die großen Infrastrukturentscheidungen an. Wenn eine Gruppe von Mega-Städten gemeinsame Ziele im Klimaschutz definiert und umsetzt, kann damit viel bewirkt werden."

Jahrelang war es ein Tabu, den Verhandlungsprozess auf der Ebene der Vereinten Nationen auch nur in Frage zu stellen. Seit jedoch 2009 der Klimagipfel in Kopenhagen endete, ohne dass sich die Staaten auf verbindliche Reduktionsziele hätte einigen könnten, werden die Fragezeichen größer. Die Zeit drängt. Das Kyoto-Protokoll, das für eine Reihe wichtiger Industriestaaten verbindliche Ziele zur Emissionsreduktion festschreibt, läuft Ende 2012 aus. Wenn es nahtlos durch ein neues Abkommen ersetzt werden soll, müsste dieses eigentlich schon längst fertig sein, da die Ratifizierungsprozesse in den Staaten oft Jahre beanspruchen.

Ein spontaner Sinneswandel der wichtigsten Akteure ist in Cancún nicht zu erwarten. "Die USA können und wollen sich nicht auf verbindliche Ziele festlegen", sagt Edenhofer. Die Chinesen täten zwar in ihrem Land sehr viel, weil sie begriffen hätten, dass ein Umsteuern alternativlos sei. "Sie sind aber nicht bereit, sich der internationalen Staatengemeinschaft gegenüber zu Reduktionen zu verpflichten", meint der Wissenschaftler. Solange diese beiden wichtigsten Treibhausgasemittenten nicht mitmachten, könne es in Mexiko keinen Erfolg geben.

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4 Kommentare zu "Gipfel in Cancún: Alleingänge zur Rettung des Klimas"

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  • Leser Steinberg plustert sich auf und diffamiert "Klimaskeptiker". Nun: ich bin kein "Skeptiker", sondern unabhängiger Analyst, der sich einige Jahre mit der Untersuchung der Klimadebatte befaßt hat. Und für mich stellt sich zuallererst einmal die Frage, was ein "Klimawandel" eigentlich sein soll. ist der irgendwo definiert? Herr Steinberg? Kennen Sie eine Definition, die es erlauben würde, anhand eines meteorologischen Datenpaketes zu bestimmen, ob ein "Klimawandel" oder ein "Nichtklimawandel" vorliegt?

    in der mir bekannten Literatur gibt es eine solche Definition gar nicht. ich habe bei verschiedenen Stellen angefragt: beim Forschungsministerium in berlin, 2 Ministerien in Österreich, sogar bei den neutralsten Klimarettern von allen - der Münchner Rück. Die gleichlautende Antwort: sie haben keine exakte Definition, bzw. verweisen auf das iPCC, dessen "Definition" die Anforderungen nicht erfüllt.

    Gibt es also einen "Klimawandel", gegen den man unbedingt kämpfen müßte? Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keinen, weil es gar keinen Maßstab gibt, an dem man ihn bestimmen könnte. Herrn Steinberg kann man daher nur raten, sich zukünftig nicht mehr ganz so weit aus dem Fenster zu lehnen.

  • Klimawandel ist doch wieder bzw. schon seit langem ein ausgesprochenes "Doofen-Thema". Jeder erklärt sich zum Experten, insbsondere von der "Gut-Menschen-Fraktion". Mich würde einmal (fiktiv) interessiren, was die Steinzeitmenschen zur Klimaerwärmung in Europa vor 5000 Jahren gesagt haben, als die Eiszeit vorüber ging. ich glaube die waren froh, daß sie mal einen warmen Hintern bekamen. Vor 20-30 Jahren war das "Waldsterben" das große Thema. Wenn ich aus meinem Haus schaue, sehe ich lauter bäume! War auch so ein Propaganda-Coup der Forstwirte. Vor über 30 Jahren arbeitete ich im Ruhrgebiet. Nichts als Smog. Und heute? Reine Luft, keine industrie und hohe Arbeitslosigkeit. Weiter so, Deutschland. Der Chinese wartet, aber nicht mehr lange! Vor 10 Jahren habe ich mitbekommen, wie 3.000 Chinesen die Phönix-Stahlwerke in Dortmund abgebaut und in China aufgebaut haben. Heute ist da ein See mit schönen Schwänen und vielen Hartzer, die die Schwäne füttern. 20.000 Leute Familien haben ihre Arbeit verloren. Und das Tollste: Die SPD-Ruhrgebiet ("Herzkammer der SPD") hat diesen Öko-Wahnsinn mitgemacht, anstatt industriearbeitsplätze gerade dort zu erhalten. in bW und bayern war man cleverer. Komme gerade zurück aus Moskau und Kiew. Mein Gott, Deutschland lebt umweltmäßig im Paradies. Nur die Linken und Grünen und Spinner kriegen es nicht mit. Übrigens: Habe mir einen SUV zugelegt, fährt sich supergut! ich würde mich gerne aktiv am antifaschistischen Öko-Wahnsinn beteiligen. Übrigens Frage an @Torsten Steinberg: Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum die "Öko-Welt-Meetings" immer an so angenehmen Strand-Plätzen wie Cancun stattfinden? Meine Antwort kennen Sie vermutlich schon. ihr Staats-Schauspieler, geht doch mal bei - 30 Grad nach Moskau oder gleich nach irkusk.

  • Es gibt keine Klimakatastophe, wann erkennen ignoranten wie Herr Steinberg endlich diesen Umstand. Das Thema Klima ist nur sehr ergibig für Spekulanten wie z.b. Herr Soros der kräftig in Klima-Themen investiert. Herr Soros hat aber auch schon mit seinen Währungsspekulationen die börse in London in ernste bedrängis gebracht und bei der letzten Spekulation gegen Euro war er auch dabei. Aber trotzdem gehen ihm alle mit seinem "Konzept der Reflexivität" auf dem Leim.
    Wissenschaftler die schon längst beweisen haben, daß das Klima dem CO2 nicht folgt sondern das CO2 dem Klima werden einfach zensiert - mit viel Geld hat man eben viel Einfluss. Und by the way schaut mal aus dem Fenster was das Wetter so macht ! Und wem das nicht reicht, der soll sich den Vergleich von Sonnenaktivität und Klima mal anschauen. Aber Windmühlen-Fanatiker und Solarpannel-Fetischisten interessiert ja nur ihr Glaube und vielleicht ihre investitionen in die erneuerbaren Energien - eben wie ihr großes Vorbild Herr Soros.

  • Cancùn besser ernst nehmen!

    Schlecht ist es ums Klima bestellt, denn wider besseres Wissen scheint die öffentliche Meinung zunehmend den aus Dummheit und ignoranz oder zum Zwecke bewusster irreführung evozierten Aussagen der Klimaskeptiker Glauben schenken zu wollen, die entweder den Klimawandel an sich negieren oder zumindest abstreiten, dass der Raubbau des Menschen an der Natur für diesen ursächlich ist.

    Da besteht wenig Aussicht, dass der Gipfel in Cancùn ein Erfolg wird und handfeste Ergebnisse zeitigt. So wird wohl nur in China, wo die öffentliche Meinung eben so wenig gilt wie der kurzfristige Profit, das Projekt der regenerativen Energien mit Verve weiter verfolgt werden, während in der westlichen Welt, die sich - au backe! - gerne noch für fortschrittlich hält, das ehrliche interesse an verstärkter Nutzung der regenerativen Energien erst dann wieder wird zu regen beginnen, wenn das letzte brikett verheizt ist, der letzte Tropfen Öl verbraucht und die letzte Gasquelle ihren letzten Seufzer getan hat.

    Für die Rettung eines für Alle auskömmlichen Klimas wird es dann zwar zu spät sein, aber irgendwie wird man sich im Winter ja noch wärmen, im Sommer "Klima"anlagen betreiben und immer seine Kühltruhen und Kühlschränke in Gang halten wollen. Woher sonst will man dann die Energie nehmen um sich fortzubewegen, Güter zu transportieren, fernzusehen usw.?

    Man könnte zwar schon jetzt in Cancùn allen politischen Willen versammeln und anschließend mit Tatkraft und Verstand an der Weiterentwicklung der bekannten Alternativen arbeiten, anstatt immer zu jammern, dass dies zu teuer sei. Was für ein Unsinn! Dann bliebe uns der schlimmste Ärger mit dem Klima erspart und die investitionen würden über Jahre verteilt uns in Deutschland, in Europa und überall auf der Welt auch technologisch und ökonomisch voranbringen, Arbeitsplätze schaffen und Wohlstand generieren und uns die Peinlichkeit ersparen, eines Tages von China eine umweltfreundliche Technologie importieren oder kopieren zu müssen, in der heute wir noch führend sind.

    Hält irgend jemand dieses Szenario für abwegig? Der führe sich nur einmal das beispiel der Seltenen Erden vor Augen. Hier ist es China sogar innerhalb nur weniger Jahre gelungen, einen fast monopolistischen Marktanteil zu erlangen und sich, was deren Gewinnung und Weiterverarbeitung zu gebrauchsfähigen Vorprodukten betrifft, technologisch in die Spitzenposition zu setzen. Das gar nicht mal, weil die Chinesen so gut sind, sondern weil der Westen, in erster Linie die USA, sein Know-how und seine Position aus Fahrlässigkeit nicht weiter ausgebaut hat und, weil dieser Markt seine Gier nach Profit nicht stillen konnte, alle weiteren Anstrengungen hat fahren lassen. Die Problematik einer zuverlässigen Versorgung mit Seltenen Erden schlägt derzeit hohe Wellen. Dabei handelt es sich nur um einen winzig kleinen Markt. Welcher Orkan droht uns, wenn wir uns eines Tages in bezug auf Energieversorgung und regenerative Energien wieder durch eigenes Verschulden in einer vergleichbaren Situation wiederfinden?

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