Gletscherschmelze in Neuseeland Eisgiganten auf Schrumpfkurs

Auch in den Neuseeländischen Alpen fordert der Klimawandel seinen Tribut. Zwei der berühmtesten Gletscher schrumpfen in immer schnellerem Tempo. Damit verschwinden auch zwei spektakuläre Touristenattraktionen.
Seit dem 18. Jahrhundert hat der Eisgigant 20 Prozent seiner Größe eingebüßt. Quelle: AP
Franz-Josef-Gletscher in Neuseeland

Seit dem 18. Jahrhundert hat der Eisgigant 20 Prozent seiner Größe eingebüßt.

(Foto: AP)

Franz-Josef-GletscherNeuseeland ist bekannt für seine eindrucksvollen Landschaften. Unter den größten Naturattraktionen sind zwei atemberaubende und außergewöhnliche Gletscher. Der Fox- und der Franz-Josef-Gletscher schlängeln sich auf der Südinsel des Landes von den Bergen hinab in einen Regenwald, was sie besonders leicht zugänglich für Besucher macht.

Für Neuseeland-Reisende sind die im Westland-Nationalpark gelegenen Eisgiganten ein Highlight. Die Gletscher wurden geformt durch die Westwinde, die Schnee in ein Höhenbecken trieben. Er verdichtet sich zu Eis und wird die Täler hinab gepresst, ähnlich wie Zahnpasta, die man aus der Tube drückt. Die Gletscher bewegen sich jeden Tag etwa vier Meter bergabwärts und nehmen auf ihrem Weg Felsen und Geröll mit.

Wo die Gletscher schmelzen
Gletscher in Argentinien
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Seit Anfang dieses Jahrhunderts schmelzen die Gletscher der Erde mit Rekordgeschwindigkeit. Damit droht der Verlust wichtiger Trinkwasserspeicher. Welche Regionen besonders betroffen sind.

Himalaya
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Im höchsten Gebirge der Welt, schmelzen jedes Jahr viele Tausend Tonnen Himalaya-Eis. Allein Nepal hat mehr als 3200 Gletscher. Von 1977 bis 2010 seien die vergletscherten Gebiete jedoch um fast ein Viertel geschrumpft, erklärt Samjwal Bajracharya vom International Center for Integrated Mountain Developement (Icimod) in Nepals Hauptstadt Kathmandu. Jedes Jahr verliert Nepal etwa 38 Quadratkilometer Gletscherfläche.

Gletschersee Tsho Rolpa im Himalaya
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Das Schmelzwasser füllt Gletscherseen, deren natürliche Dämme aus Felsen und Geröll plötzlich brechen können, wenn der Druck zu groß wird. Dörfer flussabwärts sind vermehrt von katastrophalen Überschwemmungen bedroht. Andere Bewohner müssen wegziehen, da es in höheren Regionen zu wenig Wasser gibt. Auch die Stromversorgung durch Wasserkraft ist langfristig gefährdet.

(Foto: Wikipedia/Kapilkhatri19/CC BY-SA 3.0)

Anden
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Besonders drastisch zeigt sich die Gletscherschmelze in den Anden. Allein in Peru gibt es 2679 Gletscher, das sind 71 Prozent der weltweiten Tropengletscher. Mit 1300 Quadratkilometern ist die gesamte Eisfläche in den letzten 40 Jahren um 42,64 Prozent geschrumpft. Die Gletscherschmelze hat in Peru seit 1940 ein halbes Dutzend katastrophale Erdrutsche verursacht.

Flutwellen und Erdrutsche
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Über fünfzig der zahlreichen Berglagunen, die aus der Gletscherschmelze entstehen, stellen eine Gefahr für Ortschaften an den Berghängen dar. Ein plötzlicher Anstieg des Wasserspiegels kann zu hohen Flutwellen und Erdrutschen führen.

Alpen
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Deutschlands größter Gletscher, der Nördliche Schneeferner auf der Zugspitze, ist in der Rekordhitze des vergangenen Sommers im Vergleich zum Vorjahr zwar deutlich stärker geschwunden. Doch der Glaziologe Wilfried Hagg von der Ludwig-Maximilians-Universität München will die insgesamt drei Zugspitz-Gletscher noch nicht aufgeben. Bei der aktuellen Schmelzrate werde vermutlich auch noch zur Jahrhundertmitte Gletschereis auf Deutschlands höchstem Berg zu finden sein.

Ausflügler auf Schneeferner-Gletscher
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Neben drei Zugspitzgletschern gibt es in den deutschen Alpen noch den Watzmanngletscher und den Blaueis. Der Watzmanngletscher verlor von 2009 bis 2014 pro Jahr einen Meter Eis. Der Blaueis ist mittlerweile in zwei Teile zerbrochen.

Es sei die Einzigartigkeit und die Rauheit der Umgebung, die Touristen aus Australien, Nordamerika, Europa und neuerdings auch zunehmend aus China anziehe, sagt Rob Jewell, Vorsitzender des Gletscher-Tourismusvereins. Einer Maori-Legende nach soll der Franz-Josef-Gletscher aus dem Strom der Tränen entstanden sein, die eine junge Frau über den Tod ihres Geliebten durch eine Lawine vergoss.

Doch seit dem 18. Jahrhundert haben beide Gletscher um drei Kilometer in der Länge und damit etwa 20 Prozent ihrer Größe eingebüßt. Seit kurzem schmelzen sie sogar schneller als je zuvor – treibender Faktor ist auch hier der Klimawandel.

Beide Gletscher tauen mit einer solchen Geschwindigkeit, dass es für Touristen zu gefährlich geworden ist, sie zu besteigen. Die enorme Schmelze hat dazu geführt, dass die Talwände, die einst von Gletschern bedeckt waren, nackt und ungeschützt daliegen, was Klettern zu gefährlich macht.

Seit 2012 gibt es keine geführten Klettertouren mehr auf den Franz-Josef-Gletscher, auf den in der Nähe liegenden Fox-Gletscher geht es seit 2014 nicht mehr hinauf. Daran wird sich aufgrund des anhaltend warmen Wetters dieses Jahr wohl auch wenig ändern. Der Februar etwa war der zweitheißeste Monat, der jemals in Neuseeland aufgezeichnet wurde.

Riskanter Flug zu den Gletschern
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