Great Barrier Reef
Todgeweihtes Unterwasserparadies

Das Great Barrier Reef vor Australien gilt als einzigartiges Naturwunder. Doch das Meeresparadies, das Scharen von Touristen anlockt, scheint dem Tod geweiht. Einige Teile sehen inzwischen aus wie eine Zementstraße.
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SydneyDie umfassendste Studie des australischen Meeresforschungsinstituts in Jahrzehnten zeichnet ein düsteres Bild von der Zukunft eines der größten und bekanntesten Naturwunder auf dem Globus: 50 Prozent der Korallen des über 2000 Kilometer langen Great Barrier Reefs sind in den vergangenen 27 Jahren abgestorben. Sollte der Trend anhalten, dürften bis im Jahr 2022 nur noch rund ein Viertel aller Korallen am Leben sein, warnen die Forscher.

Gründe für die Entwicklung seien die Ausbleichung von Korallen sowie die Verbreitung eines parasitären Seesterns, der sich von Korallen ernährt. Rund 24 Prozent der Zerstörung seien zudem auf die steigende Zahl von Wirbelstürmen zurückzuführen, so die Wissenschaftler.

Das 345.000 Quadratkilometer große Riff  vor dem Bundesstaat Queensland an der australischen Ostküste ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor: Hunderttausende von Touristen besuchen jedes Jahr die Attraktion. Mindestens 20.000 Menschen leben direkt vom Riff-Tourismus.

Das Forscherteam überwachte in den letzten 27 Jahren insgesamt 214 Messstellen. Dabei hätten die Wissenschaftler einen Rückgang der Korallendichte von 28 Prozent auf 13,8 Prozent beobachtet, so Studienleiter Hugh Sweatman. „Die Korallendichte ist der einfachste Maßstab für die Gesundheit eines Riffs. Und die Gesundheit des Barrier Riffs ist dramatisch schlechter geworden“, so der Wissenschaftler.

Die steigende Zahl von Wirbelstürmen sei besonders bedenklich. „Man kann in einer Woche in einem Korallenriff tauchen und nur lebende Korallen sehen“, so der Meeresforscher Peter Doherty. „Nachdem aber ein Wirbelsturm durchgezogen ist, sieht dasselbe Riff aus wie eine Zementstraße“. Klimawandel wird von Forschern als indirekte Ursache für die weltweit steigende Zahl intensiver und zerstörerischer Wirbelstürme genannt.

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Auch der Rohstoffboom bedroht das Riff

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  • Keine Frage, das einbringen von Nährstoffen hat für Riffe fatale Folgen und muss minimiert werden.
    Daß die Dornenkrone im Balastwasser von Frachtschiffen in australische Gewässer gelangt sein soll, ist aber so nicht richtig: Das Tier kommt im gesamten Indopazifik vor, hat schwimmende Larven und ist amn GBR schon lange als Schädling bekannt.
    Naja, und dass die Zahl der tropischen Wirbelstürme im Pazifik starken zyklischen Schwankungen unterliegt, ist auch bekannt, genauso dass die Zahl der Seesterne ebenfalls zyklisch schwankt. Kann man sich übrigens auf den Monitoring-Seiten der http://www.aims.gov.au anschauen.
    Korallenriffe wachsen halt nicht in die Höhe, sondern in die Breite, und das geht schon seit Millionen Jahren über die Erosion, ob durch Stürme, Seeigel, korallenfressende Fische und Wirbellose etc.

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