Großer Nord-Süd-Kanal
China plant die Mega-Wasserspiele

Chinas durstiger Norden soll mit Wasser aus dem Süden des Landes versorgt werden. Dafür entsteht ein künstlicher Strom, länger als der Rhein. Doch der gewaltigste Kanalbau der Weltgeschichte bereitet Probleme.
  • 10

PekingAls der Drei-Schluchten-Damm fertig wurde, dachte keiner, dass dieses Projekt sich an Aufwand übertreffen ließe. Weit gefehlt. Derzeit vollenden chinesische Bautrupps ein noch viel gigantischeres Vorhaben. Anders als der Damm lässt sich die „Süd-Nord-Wasserumlenkung“ jedoch nicht auf einem einzelnen Foto zeigen. Das Kanalsystem misst bereits jetzt 1432 Kilometer – und ist damit länger als der Rhein.

Doch das ist erst Phase eins. Es kommen noch weitere Strecken von ähnlicher Länge hinzu, und gerade erst ist ins Gespräch gekommen, den Stausee hinter dem Drei-Schluchten-Damm doch auch gleich anzuzapfen. Dass alles dient dazu, den trockenen Norden des Landes mit Wasser zu versorgen.

Am nötigsten glaubt es die Hauptstadt Peking zu haben. Die verwöhnten Hauptstädter wohnen zwar praktisch am Rande einer Wüste, doch sie wollen auf lange Duschen und den Erhalt von Golfplätzen nicht verzichten. Der Wasserbedarf von Peking wächst daher schnell weiter, während das Grundwasser unter der Stadt schon auf mehrere 100 Meter Tiefe abgesackt ist.

Das Megaprojekt einer Wasserumleitung von Süden nach Norden war bereits eine Idee des Diktators Mao Zedong. Zu altkommunistischen Zeiten fehlten jedoch die Mittel, um ein so großes Vorhaben umzusetzen. Schließlich überquert der Kanal Gebirge und fließt in Tunneln unter Flüssen her. Im modernen China ist dagegen nichts unmöglich. In der letzten Ausbaustufe sollen jährlich 45 Milliarden Kubikmeter Wasser gegen die Schwerkraft durchs Land fließen.

Die Kosten haben bereits 75 Milliarden Euro überschritten. Die Wasserbauer haben ganze Landstriche überschwemmen lassen und dafür 400.000 Menschen mit Entschädigung umsiedeln lassen. „Wir wünschen ihnen ein glückliches Leben in ihren neuen Häusern“, sagte Präsident Xi Jinping dazu. Die Stadt Junzhou in der Provinz Hubei musste dabei bereits schon zum dritten Mal in ihrer Geschichte einem Wasserprojekt weichen, rund 100.000 Einwohner sind umgezogen.

Die chinesische Bevölkerung bringt dabei überraschend viel Akzeptanz auf für den gewaltigen Aufwand, die hohen Kosten und den beispiellosen Natureingriff. Es ließe sich sogar sagen, dass sie große Wasserprojekte von ihren Herrschern geradezu erwartet. Schon die legendären ersten chinesischen Kaiser Yao und Shun waren für ihre Deiche und Dämme bekannt, mit denen sie Überflutungen unter Kontrolle brachten. Shuns oberster Wasserbaumeister Yu wurde sogar selbst Kaiser. Das war 2200 vor Christus.

Die Mega-Wasserbauprojekte der Neuzeit haben unter ähnlichen Vorzeichen begonnen. Die beiden vorigen Premierminister Zhu Rongji und Wen Jiabao waren beide Ingenieure. Sie glaubten fest daran, Probleme wie Überflutungen sowie Wasser- und Stromversorgung durch die Bewegung von immer größeren Mengen Betons lösen zu können. Auf sie gehen auch die Anfänge des Süd-Nord-Kanals zurück.

Der amtierende Premier Li Keqiang ist zwar von Haus aus Jurist und Ökonom und betrachtet die Größenphantasien seiner technokratischen Vorgänger mit Misstrauen. Doch ihm bleibt wenig anderes übrig als zu den Vorhaben zu stehen, die er geerbt hat. „Das Süd-Nord-Wasserumlenkungsprojekt hat offiziell begonnen“, sagte Li vor einigen Wochen auf den Nationalen Volkskongress. „Es nützt Millionen von Menschen.“ Li hat für 2015 einen Etat von weiteren 120 Milliarden Euro für Wasserbauprojekte bereitgestellt.

Kommentare zu " Großer Nord-Süd-Kanal: China plant die Mega-Wasserspiele"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Martin Zuehlke
    Die Chinesen stauen wenigsten einen Fluss auf, der dazu geeignet ist. In Deutschland wird aber seit Jahren durch die sog. Umweltschützer und auch aus wirtschaftlchen Gründen keine Wasserkraft mehr ausgebaut. Nur durch die Energiewende/EEG wird jetzt auf Teufel komm raus die Wasserkraft weiter und weiter ausgebaut und sogar da, wo es sich weder wirtschaftlich lohnt und die Natur mehr schadet als nützt. Diese Heuchelei der deutschen "Umweltschützer" geht einen schon auf den Keks. Aber hauptsache man macht mit dem EEG = Energiewende seinen Profit in Deutschland...auch wenn die Naturschützer dafür ihre Seele (Natur) verkaufen müssen.

  • @Otto Pankrath
    Ein Kernkraftwerk ist das Umwelvertäglichste Kraftwerk in unseren Energieparkmix aus Kohle, Gas und eben Kernkraft. Jeder Mitarbeiter und jede Gemeinde die mit den Kernkraftwerken zu tun haben, sind weder verstrahlt, noch haben diese einen Nachteil dadurch, dass ein Kernkraft existiert. Gute und zuverlässige Arbeitsplätze garantieren die Kernkraftwerke in Deutschland. Das sollte jeden bewusst sein, der dafür plädiert die Energiewende mit ihren gesundheitsschädlichen und naturzerstörenden Windmühlen und Solarparks weiter zu zubetonieren/stellen. Lieber ein Kernkraft vor meiner Haustür als diese gesundheitsschädliche, naturzerstörende und zwietrachtsähende Energiewende = Windmühlen und Solarparks. Danke!

  • Hofmann M. wer sonst?! Wie schön Sie sich mit ihren Kommentaren selbst widersprechen... Unten loben Sie die Chinesen für Mammutvorhaben um dann wenig später darüber zu lamentieren, dass hierzulande jeder Fluß aufgestaut wird um Ökostrom zu gewinnen. Ja was glauben Sie denn was die Chinesen machen? Mit ihren Projekten wie dem Dreischluchtenstaudamm wird ganz genau diese Praxis im ganz großen Stil praktiziert. Sprich die Chinesen produzieren den von Ihnen verhassten Ökostrom im ganz großen Stil.
    Sehr vernünftig von China.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%