Großfeuer in Alberta

Wie der Klimawandel Waldbrände befeuert

Alberta, Tasmanien, Indonesien: Weltweit steigt die Zahl großer Feuerkatastrophen. Für Klimaforscher keine Überraschung – sie führen die Zunahme auf die globale Erwärmung zurück. Doch es gibt noch andere Ursachen.
Der Klimawandel begünstigt die Entstehung von Waldbränden. Quelle: AP
Wald in Flammen

Der Klimawandel begünstigt die Entstehung von Waldbränden.

(Foto: AP)

WashingtonWaldbrände treten im kanadischen Alberta immer wieder auf, doch in diesem Jahr brannten die Feuer ungewöhnlich früh und nahmen gewaltige Ausmaße an. Sie waren das jüngste Beispiel einer Reihe schwerer Brandkatastrophen in Zeiten zunehmender Hitze und extremer Wetterlagen.

Zu Beginn des Jahres zerstörten Feuersbrünste große Flächen in Tasmanien, Oklahoma und Kansas. In den USA stieg die durch Flammen verwüstete Fläche 2015 auf ein Rekordhoch von 40.500 Quadratkilometern. Auch in Sibirien, der Mongolei und China wüteten im vergangenen Jahr riesige Feuersbrünste.

In Brasilien verlängerte sich die Waldbrandsaison seit den 1980er Jahren um einen Monat. Und in Australien verschärfte sich die Lage so sehr, dass im Warnsystem 2009 ein leuchtend rotes „katastrophal“ eingeführt wurde.

Asche und Rauch
Waldbrände in Kanada
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Noch immer sind die Waldbrände im Westen Kanadas nicht gebändigt. Sie haben sich mittlerweile auf eine Fläche von 204.000 Hektar ausgebreitet, was mehr als der doppelten Größe Berlins entspricht. Sie sind noch etwa 30 Kilometer von der benachbarten Provinz Saskatchewan entfernt. Nach offiziellen Angaben waren zuletzt 700 Feuerwehrleute im Einsatz und weitere 300 auf dem Weg. Diese verfügten über insgesamt 27 Löschflugzeuge und 20 Hubschrauber.

Quelle: dpa/afp

Kampf den Flammen
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Das Feuer breitete sich noch am Montag weiter nach Osten aus, allerdings langsamer als zuvor. Die Brände hätten bislang mehr als 200.000 Hektar Wald zerstört, sagte der Chef der Feuerwehr von Alberta, Chad Morrisson. „Wir hoffen, dass uns kühlere Temperaturen in den kommenden beiden Tagen helfen werden“, fügte Morrisson hinzu.

Stadt im Flammenmeer
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Besonders stark wüteten die Flammen rund um die 80.000-Einwohner-Stadt Fort McMurray. Die zentralkanadische Stadt war evakuiert worden, nachdem sich ihr die Waldbrände vor über einer Woche bedrohlich genähert hatten. Zehntausende Menschen waren vor den Flammen geflohen, Tote und Verletzte gab es Behörden zufolge aber nicht.

Weniger schlimm als befürchtet
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Die Schäden in der fielen allerdings wohl deutlich geringer aus, als befürchtet. Die in der Region seit gut einer Woche wütenden Brände hätten demnach 2400 Gebäude zerstört, doch fast 25 000 seien intakt, darunter das Krankenhaus, Gemeindegebäude und Schulen. Damit sei die Zerstörung auch geringer als beim Brand um Slave Lake, der in Alberta im Jahr 2011 wütete.

Bilder der Zerstörung
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Nicht retten konnten die Löschtrupps die Stadtteile Beacon Hill und Waterways im Westen: Sie wurden fast vollständig zerstört.

Stundenlanges ringen
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Zwölf Stunden lang kämpften die Feuerwehrleute, um ein Übergreifen der Flammen auf das Stadtzentrum zu verhindern. „Wenn das Feuer das Stadtzentrum erreicht hätte, hätten wir die ganze Stadt verloren“, sagte Feuerwehrchef Darby Allen.

Regierungschefin vor Ort
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Es sei ein Wunder, dass alle Bewohner in Sicherheit gebracht werden konnten, sagte Rachel Notley, Regierungschefin der Provinz Alberta. Sie war am Montag (Ortszeit) nach Fort McMurray gereist.

„Je wärmer es wird, desto mehr Brände bekommen wir“, betont der Waldbrandexperte Mike Flannigan von der University of Alberta. In der ersten Maiwoche stiegen die Temperaturen in der Provinz über 35 Grad Celsius, was im Mai ungewöhnlich ist für den Norden Kanadas.

„Die Waldbrände in Alberta sind ein hervorragendes Beispiel für das, was wir zunehmend beobachten“, schreibt auch der US-Klimaforscher Jonathan Overpeck aus Arizona. „Durch die Erwärmung schmilzt der Schnee früher, Boden und Vegetation trocknen früher aus und die Brandsaison beginnt früher. Es ist eine Verkettung von Ereignissen.“

Weltweit verlängerte sich die Dauer der Brandsaison nach einer Studie des US-Feuerökologen Mark Cochrane aus South Dakota zwischen 1979 und 2013 um fast 19 Prozent. Auch brannten immer mehr Feuer – und sie wurden heftiger: In den späten 1990er und frühen 2000er Jahren „gab es plötzlich jede Menge dieser großen Brände, die wir nicht kontrollieren können“, sagt Cochrane.

Die Gründe sind komplex: Verschiedene Brandexperten verweisen neben der Erderwärmung auf einen Wandel der Landnutzung und neue Methoden der Brandbekämpfung. Mit verbesserten Löschmethoden könne die weltweit verbrannte Fläche vielleicht verringert werden, doch in Nordamerika und Sibirien „nahmen die Brände wegen der Erwärmung ziemlich zu“, sagt der US-Klimaforscher und Ökologe Park Williams. „Nach meiner Schätzung ist die Erderwärmung für etwa die Hälfte dieses Anstiegs verantwortlich.“

Vorbote auf das, was noch kommt
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